Jülich: Eine besondere Grundschule feiert ein rundes Jubiläum

Jülich: Eine besondere Grundschule feiert ein rundes Jubiläum

Es war wohl ein gutes Vorzeichen, dass die einzige Jülicher Konfessionsschule in dem Sommer gegründet wurde, der in die Neuzeitgeschichte als „Sommer of Love“ eingegangen ist. Am 1. August 1967 nahm die Katholische Grundschule (KGS) feierlich ihren Betrieb auf und gut 50 Jahre später wurde dort ebenso festlich das goldene Jubiläum gefeiert.

Zu Beginn der Festlichkeiten zelebrierte Pfarrer Josef Wolf ein Wortgottesdienst an einem eher ungewöhnlichen Ort. Er begrüßte und segnete die vielen Anwesenden in einem großen, leuchtend roten Zirkuszelt auf der Schulwiese.

Der Jülicher Bürgermeister Axel Fuchs, der sonst in der Zirkusmanege ebenso selten seinen Tätigkeiten nachgeht wie Pfarrer Wolf es tut, fand diesen Austragungsort zwar nicht alltäglich, doch für die KGS nicht unbedingt überraschend. In seiner Begrüßungsrede beim anschließenden Festakt sagte er: „Das Außergewöhnliche passt bestens zu unserer KGS, die seit jeher eine besondere Grundschule in Jülich ist“. Er sprach von den „ungewöhnlichen Wegen“ im Unterricht, die als Markenzeichen der KGS gelten und nannte die flexible Eingangsphase als Beispiel.

Die bewegte Schulgeschichte

Der Bürgermeister unterstrich zudem sowohl die hohe Qualität der individuellen Förderung als auch den beispielhaften Umgang mit Vielfalt, beide „ stünden hier stets im Vordergrund der pädagogischen Arbeit“. Er erinnerte sich gerne an die eigenen „sehr aufregenden Jahre“, an der KGS Jülich-Nord (wie sie vormals hieß) in der Berliner Straße und an den damaligen Rektor Günther Jülicher.

Mit anerkennenden Worten erwähnte er die Schulleiter Kaspar Breuer, Hans-Werner Lammertz und Fred Reinartz sowie die Konrektorin Ruth Schall. Diese übernahm 2012 kommissarisch die Schulleitung, wobei sie diesen Dienst nur zeitbegrenzt ausüben wollte.

Die erste Rektorin

Seit 2013 leitet Diana Prömpers als erste Rektorin die Katholische Grundschule in Jülich. Anlehnend an die vielen Umzüge äußerte Axel Fuchs die Hoffnung, dass mit ihr die Serie „jeder Rektor zieht mit der Schule um“ beendet sei. Er bedankte sich bei allen, deren Engagement zu der Erfolgsgeschichte „50 Jahre KGS“ beitrug, gratulierte zum Jubiläum und sprach die besten Wünsche für weitere 50 Jahre aus. Die im wahren Sinne des Wortes bewegte Geschichte der KGS machte die Rektorin für die vielen Anwesenden Gäste mit einigen Einzelheiten noch lebendiger.

Sie sprach von den Meilensteinen in dem konsequent realisierten pädagogischen Konzept der Schule und ihrer Vorreiterrolle auf dem Feld der schulischen Innovationen. Gleich zu Beginn ihrer Zeit nahm die KGS Teil an einem Schulversuch und erprobte neue Richtlinien. Bereits 1970 wurde eine Klasse eingerichtet in der fünfjährige Kinder auf die Schule vorbereitet wurden. Einen vorausschauenden Antrag auf Einführung der Fünf-Tage-Woche lehnte die Bezirksleitung damals noch ab.

1981 fand eins der vielen Highlights in der Historie der KGS statt. Die Fußballmannschaft wurde zum Kreismeister der Grundschulen und verteidigte den Titel im darauffolgenden Jahr. Heute definiert sich die Katholische Grundschule Jülich über die Begriffe Inklusion, Teilzeitmodelle, flexible Zusammenlegung der zwei ersten Schuljahrgänge, Offene Ganztagsschule, individuelle Förderung, moderne Ausstattung des Schulgebäudes und der Klassenräume sowie über das qualifizierte Lehrerkollegium.

Das Wohlwollen der rund 240 Schüler ist das vorrangige Ziel des eingespielten Schulteams. Über die vielen gewichtigen Momente im Schulleben an der Jülicher KGS und über die Freude an gemeinsamen Lehren und Lernen hätte Diana Prömpers gerne noch viel mehr erzählt. Ebenfalls Marion van der Boeken, die Vorsitzende der Schulpflegschaft, bereitete viele passenden Lobes- und Dankesworte zum Jubiläum vor.

Schulsprecherin greift ein

Doch die Schulsprecherin Maya Bohnen platze mit dem mitunter an ihrer Schule erworbenen gesunden Selbstbewusstsein dazwischen. Sie sagte, „das ist aber super langweilig, alle reden immer dasselbe, bla, bla, bla, vor 50 Jahren wurde es… und so weiter“. Danach machte sie einen Vorschlag im Namen ihrer Mitschüler. „Lass uns doch einfach mal klarstellen, dass wir die Schule toll finden, unsere Lehrerinnen sind die liebenswürdigsten und herzlichsten und außer den Toiletten fällt uns nichts ein, was zu verbessern wäre“.

Damit gab sie kurzerhand den Startschuss für die Hauptattraktion der Feierlichkeiten. „Lass uns endlich damit anfangen, weshalb wir uns heute in diesem Zirkuszelt getroffen haben“, erklärte sie. So hieß es nach einer willkommenen Pause mit Erfrischungen für Gäste und Gastgeber, die Manege freizugeben und eine bunte, aufregende Zirkusvorstellung zu genießen. In nur drei Tagen studierten rund 90 Schüler eine bewundernswerte, bunte und humorvolle Darbietung ein.

Das begeisterte Publikum ließ sich von den anmutigen Luftakrobatinnen verzaubern und lachte ausgelassen über die Wortspiele der Zauberer und Clowns. „Das Spiel mit dem Feuer“ war an diesem Abend ausnahmsweise erlaubt. Zu der Musik von „Pirates of the Caribbean“ bestanden die mutigen Seeräuber, darunter auch einige Mädchen, mit Bravour eine echte Feuerprobe.

Bodenakrobatik, Jonglage, Magische Kisten, die ein Mädchen in einen Jungen verwandelten, grazile Tänze mit „fliegenden Tellern“ und atemberaubende Hochseilakrobatik entzückten die Zuschauer und ließen sie für einige Stunden in die magische Atmosphäre einer echten Zirkuswelt eintauchen. Die Verwandlung der KGS Schüler in waschechte Zirkusartisten ermöglichte ein ebenso echter Zirkusdirektor Niklas Lagrin, der mit seiner Familie das Unternehmen „Zirkus Regenbogen NRW“ führt.

Unter dem Motto, „man kann alles, man muss es nur wollen“, stärkt der Mitmachzirkus die Teamfähigkeit der Kinder, vermittelt das Durchhaltevermögen und fördert ihr Selbstvertrauen in einer außergewöhnlichen Umgebung. Dass diese Arbeit Früchte trägt und sich eines 50-jährigen Jubiläumfestes würdig erweist, bestätigte das Publikum mit einem frenetischen Applaus.

(mavo)
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