Barmen: Eine Art Muppetshow auf Ecstasy bei KG "Bärmer Sandhase"

Barmen : Eine Art Muppetshow auf Ecstasy bei KG "Bärmer Sandhase"

Die KG „Bärmer Sandhase“ ist für die Session bestens gerüstet. Dies steht nach dem gelungenen Auftakt mit der restlos ausverkauften Kostümsitzung in der Schützenhalle fest.

Dort überraschten insbesondere die eigenen Tanzgarden, auf die die Gesellschaft mächtig stolz sein darf. Sitzungspräsident Pepe Schmitz überreichte darob den großen und kleinen Sandhasen Orden und andere kleine Präsente. Apropos überreichen: Dass die KG ihre „Ernährung“ umgestellt hat, sprich zum Einzug nicht mehr die Jahrzehnte lang gepflegte Tradition des „Möhrchen-Werfens“ weiter pflegte, fiel ebenso angenehm auf wie die Tatsache, dass augenscheinlich nur kalorienarme Schokokost überreicht wurde. Sieht man einmal von Flüssignahrung ab, die Schmitz parat hatte und oft nach dem Einzug unter den kölsche Tön des Fanfarencorps Würm verteilte.

Zu dem Zeitpunkt waren aber schon viele Knöllchen verteilt worden. „In echt“ wie so mancher Besucher feststellen musste, als er weit nach Mitternacht den Barmener Narrentempel verließ. „Die Stadt findet immer wieder Wege, ihre marode Kasse aufzubessern“, ließ Pepe sozusagen die erste Rakete des Abends für den Jülicher Ordnungsamtschef Hans Pinell steigen. Denn der hatte, wie angekündigt, seine Politessen in Gang gesetzt.

Die hatten mächtig Arbeit und schreckten auch nicht davor zurück, Musikern ihren „Gruß“ an die Autos zu heften, aus denen die Instrumente ausgeladen wurden. Was die Schlagersänger Mey, Albers, Lindenberg, Grönemeyer oder aber Cocker gemeinsam haben, dies brachte Matthias Kalenberg als der Kölner Landmetzger rüber. Gesang, Comedy, Parodie und Slapstick wechselten sich ab, der Angriff auf die Lachmuskeln war perfekt, die Jecken erlebten einen gelungenen Einstieg. „Sie brauchen nicht zu klatschen, sie können auch Geld werfen“, gab er beispielsweise den Komiker Heinz Erhardt.

Rheinisches Fastelär in Reinkultur

Komisch, skurril und äußerst typisch traten Lydia und Rolf Goliasch als die „Beckendorfer Knallköpp“ in die Bütt. Dass kölsche Rentnerehepaar mit viel Sinn für Humor und kölsche Sproch, gehört seit Jahrzehnten dem Klub Kölner Karnevalisten an. „Gestern geritten, heute mit Fritten“, ließen sie wissen, als sie das Tagesmenü an der Rennbahn ausgiebig studiert hatten. Sie pflegen das urtypische des rheinischen Fastelär. Mit ihren großartigen Pointen verdienten sie sich völlig zu Recht eine Zugabe und die Rakete.

Beides wurde auch dem „charismatischen Ortsvorsteher von Saeffelen“, Hastenraths Will, alias Christian Macharski zuteil. Comedy und Realsatire lagen bei dem Kabarettisten eng beieinander, der Begriff der Dorf-Comedy von „Barmen, der Weltstadt mit Willkommenskultur am Verkehrs-Knotenpunkt zwischen Merzenhausen und Floßdorf — hatte es ihm angetan, Will kannte auch die örtlichen Befindlichkeiten, hatte sich ausgiebig erkundigt. „Halt Insiderwissen“, meinte er. Die Narren dankten es ihm.

Dass Uli Hoeness von Bayern München auf der Suche nach einem Trainer „im Seniorenstift in Mönchengladbach fündig“ wurde, war für Redner Wolfgang Trepper ein gefundenes Fressen. Natürlich bekam auch der Elferrat — „so etwas findet man ansonsten nur in Kneipkuren“ — sein Fett weg. Köstlich der Auftritt als „Schlagerhasser“, als er viele berühmte Lieder im musikalischen Genre im wahrsten Sinne des Wortes zerlegte. Trepper war und ist ein Mann der wortgewaltigen Extraklasse.

Wenn das „Hallelujah“ der Kölschband Brings mit „Lukas dem Lokomotivführer“ aus der Augsburger Puppenkiste erklingt, die musikalische Reise dann mit der „Biene Maja“ zusammen in die „jeile Zick“ startet, dann kann es sich nur um eine Uminterpretation der Lieder zu einem kölschen Tsunamie der Performanceband „Druckluft“ handeln. Die Musikerinnen und Musiker aus Bonn glänzten, nach mehreren geforderten Zugaben wurde die Band mit der Ansage des Sitzungspräsidenten Pepe Schmitz nur verabschiedet mit dem Versprechen, „im nächsten Jahr“ wieder zu kommen.

Akrobatische Dolls Company

Als akrobatisches Dreigestirn zeigte sich die „Dolls Company“. Nein, kein Puppentheater, sondern eine Art Muppetshow auf Ecstasy. Die dargebotenen Puppentricks wirkten echt, erst ganz zum Schluss des Wahnsinnsauftritts lüftete das „Trio“ seine Maske, zeigte sich ein Duo, Vater und Sohn, Dustin und Gerd Warel wurden stürmisch umjubelt.

Als zum Abschluss der Kostümsitzung die „Quetschbüll-Sänger“ das Letzte von den Narren forderten, waren der Auftritt der eigenen Mariechen, der Tanzgruppen sowie der Showtanz der „Ladys in Jeck“ sowie der „Drieschboys“ ebenso frenetisch umjubelt worden.

Fazit nach sechs Stunden Karneval: Die „Bärmer Sandhase“ sind für den närrischen Endspurt bestens gewappnet.

(hfs.)
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