Jülich: Ein Puzzle der kulturellen Vielfalt auf dem Marktplatz

Jülich: Ein Puzzle der kulturellen Vielfalt auf dem Marktplatz

Wunderschönes Spätsommerwetter und ein buntes Miteinander sehr freundlicher und kooperativer Menschen aus fast 30 Nationen, dazu ein attraktives wie kontrastreiches Bühnenprogramm ließen das zweite Fest der Nationen auf dem Jülicher Markplatz zu einem Highlight werden, das nach Wiederholung ruft.

So hatten sich die „Vorbereitungen unter schwierigsten Bedingungen” gelohnt, wie Bürgermeister Heinrich Stommel es bei seiner Begrüßung ausdrückte.

Sponsoren ermöglichten das Fest, das im Dezernat für Familie, Generationen und Integration und der Stabsstelle Marketing koordiniert worden war, unterstützt von Simone Dorau-Schweika und Moderatorin Virginia Lisken. „Nationen, die hier noch gar nicht vertreten waren, haben sich fürs nächste Mal angemeldet”, freute sich Dorau-Schweika. „Es läuft sehr gut”, bestätigte Nadja Kerroumi vom Marokkanischen Kulturverein, der wiederum selbst „multikulti” ist.

Dies veranschaulichte der Verein mit einer ansprechenden Modenschau: Kinder zeigten sich auf der Bühne in den traditionellen Gewändern Djellaba und Tschador, junge Frauen schritten selbstbewusst in glänzenden Kleidern oder Zweiteilern „zwischen Tradition und Moderne” über den Steg. Auffallend waren hier kurze Ärmel oder knielange Unterkleider. Deutschland wurde vertreten durch den seit 100 Jahren bestehenden Maiclub Barmen, der seine attraktiven Maibräute stolz als Models auf der Bühne präsentierte.

Salsa auf offener Straße

Das chinesische Schattenboxen Tai Chi, Folklore, traditionelle Tänze, Gesänge und Musikbeiträge aus verschiedenen Ländern, bis hin zur fetzigen Musik komplettierten das Bühnenprogramm. Ein Salsa-Kurs der „Tanzschule an der Zitadelle” lud die Zuschauer zum Mitmachen ein. Nach anfänglichem Zögern wagte der eine oder andere Besucher, darunter vor allem Kinder, die ersten Schritte des schnellen lateinamerikanischen Paartanzes im Viervierteltakt zu eingespielter Musik auf dem Marktplatz.

Ferner flanierten die vielen Gäste an der internationalen Schlemmermeile entlang und kosteten liebevoll zubereitete Speisen: Von libanesischen, am Stab gegrillten Hackfleischbällchen „Kofta” über die marokkanische Kichererbsensuppe „Harira” oder die peruanische Maispastete „Tamal” bis hin zum südamerikanischen Weihnachtsessen „Schinkenbrot mit Geflügelsalat”. Dazu bot es sich an, das eine oder andere Nationalgetränk zu probieren wie „Pisco Sour”, ein Mixgetränk aus Peru und Chile: Auf zwei Drittel Traubenschnaps kommt ein Teil Limonensaft mit Zuckersirup und Eiklar.

Beliebt waren natürlich auch der irisch/amerikanische Bierstand mit Stout oder Guinness und das anliegende italienische Eiscafé. Eine kostenlose Haarverlängerung boten die Kongolesen an, die Thai ihre traditionelle Massage. Über handgefertigtes, vom indianischen Ursprung des breiten Amazonasgebietes geprägtes Kunsthandwerk gab Maria Malave Auskunft. Handgefertigt nimmt sie wörtlich: So wurden ritualistische Masken der Tikunas oder Tukanos ohne Werkzeuge hergestellt, aus Naturmaterialien wie Fischschuppen, Piranha-Zähnen, Samen, Wurzeln, Fasern oder Stroh.

Auf die Kinder wartete neben anderen Kinderanimationen eine Geschicklichkeitsrallye und eine „Pinata vulcana”, ein Tontopf mit Süßigkeiten, den es zu zerschlagen galt. Der größte Erfolg war das herzliche Miteinander so vieler Nationen, die mit Herzblut ein Stück ihrer Heimat mitten in der Herzogstadt aufleben ließen.