Zwei Ahornpopulationen werden gerodet: Ein Pilz frisst Jülichs Ahorn-Bestand auf

Zwei Ahornpopulationen werden gerodet : Ein Pilz frisst Jülichs Ahorn-Bestand auf

Die sogenannte Rußrindenkrankheit befällt Ahorn-Bäume, verbreitet sich schnell und ist schädlich für den Menschen. Deswegen rodet die Stadt Jülich zwei Ahornpopulationen, wird aber trotzdem heftig kritisiert.

Am Eingang der Stadt kreisen die Motorsägen, in den Sozialen Medien tobt der virtuelle Mob: Aktuell fällt ein Fachunternehmen im Auftrag der Stadt Jülich zwischen der Aachener Landstraße und Königsberger Straße Bäume. Ahorn, um genauer zu sein. In den Jülich-Gruppen des sozialen Netzwerks Facebook wird das heftig diskutiert, es kursierten sogar Theorien, dass die Stadt auf diesem Weg zu Lasten der Tiere des Waldes Baugebiete oder zumindest neue Brennholzvorräte schafft.

Dem widerspricht Thomas Mülheims von der Stadtverwaltung, der selbst in Verdacht geraten war, vom Wald profitieren zu wollen. Seine Unterschrift steht unter den Informationsschreiben, die die Anwohner auf die Baumfällaktionen hinweist. Vielleicht hätte das Schreiben drastischer formuliert sein müssen, vielleicht hätte darin stehen müssen, dass die Gesundheit der Kinder des Stadtviertels in Gefahr ist, die gerne auf den bisher vom Ahornwald umgebenen Spielplatz spielen. Genauso wie die der Bewohner des Viertels generell. Und vielleicht auch der gesamten Stadt.

Denn die Bäume, die jetzt gefallen sind und noch fallen werden, sind befallen. Von der sogenannten Rußrindenkrankheit. Einmal befallen bedeutet das das Todesurteil für den Baum. Die Rußrindenkrankheit befällt die Rinde, sie wird schwarz, der Baum wird anschließend morsch und sehr brüchig. Die Baumkrankheit befällt den Ahorn und ist ansteckend in Form von Sporen, die über die Luft übertragen werden. Hier kommt der Mensch ins Spiel. Größere Mengen in der Luft können schädlich für die Lunge sein.

Arbeit unter Atemschutz: Die Sporen des Rußrindenbefalls sind schädlich für die Lunge. Foto: Guido Jansen

Und deswegen müssen die befallenen Bäume weg. Das war zuletzt schon an der Bertastraße der Fall. Auch da hatte die Stadt einen Kahlschlag veranlasst und war kritisiert worden. Mülheims verweist auf ein Gutachten des Pflanzenschutzdienstes der Landwirtschaftskammer. An die hat die Stadtverwaltung Holzproben geschickt sowohl von der Bertastraße also auch aus dem Bereich Aachener Landstraße/Königsberger Straße. Beide Untersuchungen haben den Verdacht Rußrindenbefall bestätigt.

An der Bertastraße befindet sich ein Kindergarten, der andere Bereich schließt einen Spielplatz ein. „Man stelle sich mal vor, was los wäre, wenn Kinder erkranken und sich rausstellt, dass die befallenen Bäume die Ursache sind“, malt Mülheims ein Szenario an die Wand, das in erregten Internetdiskussionen für Klarheit sorgen könnte.

50.000 Euro

„Wir sind auch nicht begeistert davon, dass wir diese Maßnahme außerhalb der Fällzeit und während der Brüte- und Setzzeit machen müssen“, sagt Mülheims. „Wir würden die Kosten von insgesamt 50.000 Euro lieber in Anpflanzungen investieren.“ Nach der Diagnose des Befalls habe man aber nicht abwarten wollen. Das gerodete Areal an der Bertastraße sei zu 80 Prozent befallen gewesen, deswegen gab es den Kahlschlag. Es gebe derzeit keine Pläne, dort Bauland auszuweisen. Zunächst soll eine Blühwiese angelegt werden. Auch die Brennholzgewinnung sei kein Thema: Befallene Bäume dürfen nicht verbrannt werden.

Im Bereich Aachener Landstraße/Königsberger Straße prüft das Fachunternehmen die Bäume auf Befall. Der ist augenscheinlich weit vorangeschritten. „Ich habe einen Stamm angehoben. Der ist dann einfach abgebrochen“, schilderte Unternehmer Daniel David. Eine Gefahrenquelle, die ebenfalls behoben werden soll: Bäume, die schneller fallen, weil sie krank sind.

Eine Ursache für den Ahorn-Befall könnte der vergangene Sommer gewesen sein, der heiß und viel zu trocken war. „Das hat die Bäume geschwächt und anfälliger für den Rußrindenbefall gemacht“, sagt Mülheims. Das Baumsterben gehe dann schnell, mitunter innerhalb eines Jahres.