Jülich: „Ein Mordstheater“ ist Mordsvergnügen

Jülich : „Ein Mordstheater“ ist Mordsvergnügen

„Gut, das lief doch schon sehr gut. Vieles habt ihr schon beherzigt“. Das sagte Regisseur Dr. Christoph Fischer beim „Feinschliff“ durch Proben zur Krimikomödie „Ein Mordstheater“ (Murder in Play) vom Simon Brett.

„Das war furchtbar. Ihr habt alles vergessen, was wir besprochen haben“, schimpft hingegen Spielleiter Boris Smolensky (Albert Junker) in der Theaterproduktion „Mord im Schloss“. Verwirrend? Die Theatertruppe Bühne 80 persifliert die Handlungen eines inkompetenten Tourneetheaterensembles auf der Bühne und hinter den Kulissen.

Seit November probt das etablierte Jülicher Ensemble im großen Saal des Roncallihauses, zurzeit zweimal mehrere Stunden am Wochenende, das traditionelle Probenwochenende in der Eifel ist bereits absolviert.

Billigproduktion vor der Premiere

„Was habt ihr für ein Gefühl“, fragt Fischer die acht Akteure, die sich merklich „gut“ fühlen. Der Reiz des Stücks ist ein Theater im Theater mit komischen und spannenden Momenten und Mord als Höhepunkt. „Mord im Schloss“ ist eine Billigproduktion mit endlosen Proben kurz vor der Premiere unter der Fuchtel des dominanten Regisseurs und alternden Womanizers Smolensky, der reihenweise naive Schauspielerinnen verführt, während er seiner exzentrischen Gattin Renee Savage (Claudia Cormann-Wiersch) stets die Hauptrollen zuschanzt.

Geheimgehaltene Alkoholsucht, Kriegsneurosen, Naivität, Neid und Scheiterungsprozesse prägen die missmutigen Charaktere. Listig gelegte falsche Fährten lassen die Handlungsebenen ineinanderfließen und verwirren das Publikum. Wie der Titel andeutet, geschieht ein Mord — wirklich nur einer? — und ein Inspektor tritt auf. Vor oder hinter den Kulissen? In welcher Handlungsebene ist wer mit wem liiert?

Um die Turbulenzen im „Mordstheater“ bis zum Ende lebendig zu halten, hat Fischer diverse Dialoge umgeschrieben und das Originalstück leicht gekürzt. Ins Auge fällt die gute Chemie zwischen Regisseur und Team, die Darsteller lachen gemeinsam oder tauschen sich aus und feilen zusammen an Details.

Ist lauteres Räuspern oder Schreien effektvoller, mehr oder weniger Emotion oder ein Innehalten angesagt, weil sich „der Schock erst ausbreiten muss“? Wie wird ein Pistolenknall am effektivsten simuliert? „Machen wir es noch mal...“, dieser Wunsch ist nicht nur aus Fischers Mund zu hören.

Am Rande erfährt der Zaungast nette Details, wie: „Schwarzer Tee ist für Whiskey, Apfelsaft für Sherry“. „Die Truppe ist nett. Hier finden viele Altersgruppen zusammen und es ist ein Familiensport. Und du kannst dich wegbeamen vom Alltag. Das ist wie frisch geduscht“. So resümiert Dieter Nießen, der den Schauspieler Tim Fermor verkörpert, der wiederum den von Kriegsneurosen geplagten Rodney spielt, die Proben im „Theaterwinter“. Ferner erwähnt Nießen die „Übungen zur Körperwahrnehmung“ mit Christoph Fischer, die auch „eine Hilfe für den Alltag sind“.

„Es fällt uns ein bisschen schwer, eine schlechte Truppe zu spielen“, feixt Andreas Kupka, Darsteller des alkoholsüchtigen Harrison Bracewell, der in „Mord im Schloss“ als Papadopulos mit schwarzer Perücke stets „nette Geschichten“ über Peter Ustinov erzählt — und niemand hört ihm zu.

Ein großes Publikum wird hingegen dem Ensemble zuhören, wenn es am Samstag, 10. März, um 20 Uhr seine Premiere in der Stadthalle feiert. Weitere Aufführungen sind am Sonntag, 11. März, um 18 Uhr, Mittwoch, 14. März, um 20 Uhr (ohne Vorverkauf und mit beliebigem Eintritt) sowie am Freitag und Samstag, 16. und 17. März, jeweils um 20 Uhr geplant.

Eintrittskarten sind an der Abendkasse für 8,50 Euro und im Vorverkauf für 8 Euro in der Buchhandlung Fischer und im Haarstudio Heyartz (Nordstraße) zu bekommen.

(ptj)
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