Bert Bardenheuer verabschiedet sich: Ein Mann der ersten Stunde bei der KG Frenzer Burgnarren

Bert Bardenheuer verabschiedet sich : Ein Mann der ersten Stunde bei der KG Frenzer Burgnarren

Bert Bardenheuer ist ein Mann der ersten Stunden bei der Karnevalsgesellschaft Frenzer Burg- narren. Seit über 40 Jahren ist er in der KG aktiv, nach 21 Jahren Vorstandsarbeit sieht der zweifache Familienvater nun den richtigen Zeitpunkt gekommen, um sich von diesem wichtigen Amt zurückzuziehen.

Björn Wickmann hat mit dem scheidenden Vorsitzenden über den Karneval an sich und die Burgnarren im Besonderen gesprochen.

Sie sind jetzt über vierzig Jahre für die KG Frenzer Burgnarren tätig gewesen und haben eine Menge in dieser Zeit erlebt. Wie kam es zum ersten Kontakt mit dem Karneval?

Bardenheuer: Als mein Vater 1973 die KG Frenzer Burgnarren mitgegründet hat – damals war ich 13 -, wurde auch ich sehr schnell vom Karnevalsvirus infiziert. Ich bin in einer musikbegeisterten Familie großgeworden, habe früh das Instrumentenspiel gelernt und habe in den ersten drei Jahren ab 1973 die Kindersitzungen musikalisch gestaltet. Danach sind wir als Gesangsterzett auf den Sitzungen aufgetreten, später war ich Mitglied der Mundartgruppe „De Plattfööss“. Seit 1976 bin ich Mitglied in der KG und habe auf den Sitzungsveranstaltungen die Regie übernommen. In all den Jahren habe ich mich immer stärker im Vorstand engagiert, lange Zeit auch als Schatzmeister.

Wie waren denn die Anfänge im Frenzer Karneval?

Bardenheuer: Es musste damals viel mehr körperlich mit angepackt werden und wir haben zum Beispiel in kurzer Zeit selbst das Festzelt aufgebaut. In Erinnerung geblieben ist mir die tolle Freundschaft untereinander und der Zusammenhalt. Heute ist vieles anders. Besonders schwierig ist an der Vorstandsarbeit die immer schwierigere Gesetzgebung. Ich musste erstmals eine Lehrstunde im Vereinsrecht nehmen. Allein für die Organisation eines Karnevalszuges muss man alles vom TÜV bis zur Gema berücksichtigen und natürlich muss man als Verein über den Umgang mit dem Finanzamt Bescheid wissen. Wir haben deswegen einen Steuerberater, da eine KG in gewisser Hinsicht wie ein Unternehmen geführt werden muss. Leider muss man sagen, dass allen Vereinen durch diese Probleme das Leben schwer gemacht wird und viele deswegen keine Lust mehr haben, einen verantwortungsvollen Posten zu übernehmen.

Sind schwerpunkmäßig Frenzer in der KG aktiv oder auch auswärtige Karnevalisten?

Bardenheuer: Erfreulicherweise sind sehr viele Frenzer aktiv oder unterstützen uns, aber wir haben auch viele Menschen aus der näheren Umgebung, die bei uns mitmachen. Wir fördern besonders die Kinder- und Jugendarbeit und sind begeistert, dass sich viele langfristig bei uns engagieren wollen.

Was bedeutet das Wort Karneval für sie?

Bardenheuer: Karneval ist eine der ernstesten Sachen für mich, wenn man so viel Verantwortung trägt. Aber mit dem richtigen Gremium im Hintergrund macht es Spaß. Bei uns haben wir Wert darauf gelegt, dass jeder sein festes Aufgabenfeld hat, für das er zuständig ist und das wir keine Statisten haben, die einen Posten bekleiden, in dem sie nicht wirklich etwas leisten müssen. Hier ist gerade die Eigenverantwortung wichtig, damit am Ende alle von guter Arbeit profitieren.

Was war denn das positivste und was das negativste Erlebnis in ihrer Zeit als erster Vorsitzender?

Bardenheuer: Als absolut positiv habe ich das Jubiläum zum 3x11jährigen Vereinsbestehen in Erinnerung, das wir mit kölschem Programm in der Langerweher Kulturhalle gefeiert haben. Die Veranstaltung war blitzschnell ausverkauft und es gab immer noch Interessenten. Hier haben uns auch die anderen Dorfvereine und die Freiwillige Feuerwehr hervorragend unterstützt. Das negativste war vor meiner aktiven Zeit im Vorstand, als mein Vater Anfang der achtziger Jahre Briefe mit anonymen Drohungen und sogar Morddrohungen bekam und wir deshalb die Polizei eingeschaltet haben. Bis heute ist nicht geklärt warum und weshalb.

Hat die KG Kontakt zu auswärtigen Gesellschaften in anderen Teilen Deutschlands?

Bardenheuer: Ja, 1990 und 2000 sind wir mit über 100 Personen in Berlin-Lichterfelde gewesen und haben dort in einer Halle eine dreieinhalbstunden dauernde Karnevalsitzung gefeiert und es gibt Planungen, im nächsten Jahr nach Geisenhausen bei Landshut in Bayern zu reisen.

Wo sehen sie den Unterschied zwischen den Burgnarren und anderen KGs?

Bardenheuer: Wir vergleichen uns nicht gerne mit anderen. Jeder Verein hat seine besonderen Eigenheiten. Ich schätze bei uns die Kameradschaft und die Nähe des Vorstands zu allen anderen Mitgliedern. Wir sind eine kleine KG und versuchen, mit einem kleinen Budget ein tolles Programm hinzubekommen. Wir haben zum Glück viele Sponsoren, ohne die es nicht funktionieren würde. Wir werden uns auch in Zukunft im kleinen Rahmen bewegen und keine großen kölschen Sitzungen machen, bei denen die Kosten für die bekannten Gruppen mittlerweile jeden Rahmen sprengen.

Mit welchen Gefühlen verabschieden Sie sich von ihrem Posten, den Sie so lange im Vorstand hatten?

Bardenheuer: Mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Weinend, weil mich gesundheitliche Gründe dazu zwingen, in Zukunft kürzer zu treten und lachend, da ich meinem Nachfolger einen florierenden Verein mit einem tollen, engagierten Vorstand übergebe.

Was wünschen Sie ihrem Nachfolger?

Bardenheuer: Dass er schnell seine eigene Note in die Arbeit einbringt und so den Verein in eine neue Zeit steuert. Durch das Gremium hat er eine tolle Unterstützung und ich wünsche ihm jetzt schon alles Gute!

Wem wollen Sie in Zukunft ihre Zeit widmen?

Bardenheuer: Ich werde auch weiterhin Mitglied bei den Frenzer

Burgnarren sein und mich einbringen. Ansonsten werde ich mit meiner Lebenspartnerin Steffi Kessel, die ich übrigens auch im Karneval kennengelernt habe, mehr Zeit verbringen. Ich möchte dann noch mehr mit meinen beiden Kindern und meinen Enkeltöchtern unternehmen und werde mich noch mehr der Arbeit in meinem Garten widmen, was mir als Hobby viel Spaß bereitet.

Zum Abschluss: Wie sehen sie die Zukunft des rheinischen Karnevals?

Bardenheuer: Leider sehr düster vor allem für die kleinen Vereine. Die Leute wollen immer mehr geboten bekommen und dementsprechend auch die teuren Künstler sehen, die sich nicht jeder leisten kann. Das ist ein Riesenproblem und ich denke, um zu überleben werden auf Dauer viele kleine KGs fusionieren müssen.