Jülich: Ein letztes „Axelzucken“ in der Stadthalle

Jülich: Ein letztes „Axelzucken“ in der Stadthalle

Ein Höhepunkt jagte den nächsten bei der großen Kostümsitzung der KG „Rurblümchen“ in der voll besetzten „altehrwürdigen“ Stadthalle. Humoristische Eskapaden, Schwung und Akrobatik pur, Schunkeln und Mitsingen von Krätzjer, „Blümchen von den Blümchen“ und ein „fantastisches Publikum“ prägten das viereinhalbstündige Großevent.

Doch auch etwas Wehmut und Kämpfergeist spielten mit. „Der kleine Gürzenich ist leider bald Geschichte. Der ehrenwerte Tempel ist unser Zuhause und liegt uns besonders am Herzen“, so brachte (Sitzungs)Präsident Frank Kutsch das Thema Stadthalle auf den Punkt, das später noch zweimal wiederaufgenommen wurde. „He in de Stadthall is de Jülicher Muttkrat ze Hus. Für jedes andere Dier jäv et all längs ne Revier“, so drückte sich Heimatredner und Senator Thomas Oellers in seinem „Verzäll op Platt“ aus.

Ordensträger und Ehrenelferratsmitglieder: Willi (l.) und Ernst (3.v.l.) verstärken eine Zeit lang den Elferrat. Sitzungspräsident Frank Kutsch (Mitte) ehrt sie als Ehrenelferratsmitglieder und verleiht ihnen den Orden der „Rurblümchen“ Foto: Jagodzinska

„Da iss at widder Axelzucken anjesat“. Dieser Satz diente als Refrain seiner Rede, in der sich jedes viel diskutierte Jülicher Thema und so mancher Jülicher VIP in einer imaginären „Axel Gold Race“ wiederfanden. „Bei d‘r Tour de France hätte man jleich die Befahrbarkeit vum Maat teste künne“, oder „Knöllche besonders schnell mit Ordnungsamtschef Pinell“, hieß es unter anderem. „Dä Mann dät Jülich richtig levve. Leider hat Axel nur eine Stimme im Jülicher Stadtrat“, erhielt das „Axelzucken“ schließlich eine positivere Wertung.

Viele Jülicher kriegen ihr Fett weg: Heimatredner Thomas Oellers, gleichzeitig Senator der „Rurblümchen“, inszeniert in seiner Büttenreder „op Platt“ die „Axel-Gold-Race“. Foto: Jagodzinska

Mit durchaus hohem Spaßfaktor nahm schließlich das Männerballett der „Rurblümchen“ das Thema wieder auf, als Bauarbeiter bauten sie durchaus sportlich die Stadthalle um. „Stadthalle Jülich statt Zelt“ war auf einem Baustellenschild zu lesen. Sahnebonbon waren drei „Damen“ im rosafarbenen „Tütü“ mit blonder Perücke und rosa Herzen auf der Brust. Der Elferrat war mit der Kölner KG „Treuer Husar Blau-Gelb“ eingezogen, die mit rund 40 Holz- und Blechbläsern plus Rhythmusgruppe, tanzenden Husaren und höchst akrobatischem Mariechen einen Riesenauftritt unter dem Motto „Mer Kölsche danze us der Reih“ auf die Bühnenbretter legte. Tollen Showtanz mit Akrobatik pur zeigten die rund 45 höchst biegsamen „Rheinmatrosen“ der Großen Mühlheimer KG um Trainerin und Tanzmariechen Patricia Baur.

In ihrer atemberaubenden Choreographie wurden dreistöckige Pyramiden und menschliche Schiffsschaukeln mit Überwurffunktion gebaut, im „Sandwich-Wurf“ ließen Tänzer zwei Tanzmariechen im Doppelpack bis knapp unter die Stadthallendecke fliegen.

Rentner aus Leidenschaft

Eine besondere Rolle spielte das Rednerduo Willi und Ernst, die laut Kutsch „us Kölle und us Jülich nicht mehr wegzudenken sind“. Als aufgekratzte „Rentner aus Leidenschaft“ strapazierten sie mit ihren Gags die Lachmuskeln, dann lud Kutsch sie in den Elferrat ein. Dort verfolgten sie mit sichtlich viel Spaß den amüsanten kölschen Verzäll von „Et Klimpermännchen“ alias Thomas Cüpper, der zudem seine Krätzjer mit dem Akkordeon begleitete. Dann setzten sie ihre Nummer fort, Willi trat sogar ins Publikum, um Kontakt mit einer attraktiven „Katze“ aufzunehmen. Zur Melodie von „My way“ reimte er schließlich mit den im Gespräch erhaltenen Stichworten ein Liedchen.

Zur Belohnung erhielt das Duo den „Rurblümchen“-Orden, was keine Selbstverständlichkeit ist, und wurde als „Ehrenelferratsmitglieder“ ausgezeichnet. Weitere Stimmungsgaranten „met Hätz un Jeföhl“ waren die impulsive Quasselstrippe Liselotte Lotterlappen, Wicky Junggeburth mit „singe kölsche Tön“, die Hits der „Domstürmer“ und Comedian „Linus“ mit seiner legendären „Talentprobe“ am Kölner Tanzbrunnen. Den temperamentvollen und komischen Schlussakkord spielten die „Big Maggas“. Erstmalig begleitete die renommierte Thomas Arens Sitzungsband die große Kostümsitzung.

(ptj)
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