Jülich: Ein Kreishaus am Jülicher Markt?

Jülich: Ein Kreishaus am Jülicher Markt?

Die Stadt Jülich und der Kreis Düren sind auch in vier Jahrzehnten nicht wirklich dicke Freunde geworden. Der Verlust des eigenen Kreis-Status‘ wog und wiegt im nördlichen Mittelzentrum schwer, vor allem wegen der als lästig empfundenen Wege gen Düren.

Das ändert sich vielleicht in gut zwei Jahren, denn dann trägt die Stadt Jülich den Kreis Düren mutmaßlich in ihrem Herzen. Und das ist zunächst örtlich zu verstehen. Inzwischen haben sich drei Standorte für das von Landrat Wolfgang Spelthahn und dem Kreistag geplante Kreishaus in Jülich herauskristallisiert, über die bis Oktober entschieden werden soll. Alle drei sind zentral. Es spricht viel dafür, dass das Alte Rathaus der Stadt bald Anlaufstelle für Menschen aus Linnich, Aldenhoven, Titz, Inden, Niederzier und natürlich Jülich werden könnte.

Diese Pläne gibt es schon geraume Zeit, ebenso aber ein Lageproblem. Zwei Bedingungen müssen nämlich erfüllt sein: Der Kreis darf für seine künftigen Dienstleistungen in Jülich nicht mehr Geld ausgeben als jetzt, und der Standort sollte der Stadt Impulse geben, die sie dringend braucht. Im Redaktionsgespräch erklärte Landrat Wolfgang Spelthahn diese Woche, dass der „Baum“-Parkplatz Bahnhofstraße — im Besitz der Sparkasse — nicht mehr in Betracht kommt. „Wir verfolgen den Standort nicht mehr.“ Bei einer Analyse seien Planer und Verwaltung zu dem Ergebnis gekommen, dass hier die Möglichkeit bestehe, das Projekt „über Monate juristisch zu torpedieren“. Nicht nur, dass viele alte Bäume gefällt werden müssten. Der heutige Parkplatz befindet sich auf der Fläche eines ehemaligen Friedhofs. Wohin denn dann? Bei einem Gespräch Anfang dieser Woche nannte der Landrat gegenüber Rat und Verwaltung das Alte Rathaus und die Bereiche dahinter auch an der Düsseldorfer und Kapuziner-Straße als erste Wahl. Der Bereich würde sich bis zur dortigen Sparkassenfiliale erstrecken.

Mit einem Eigentümer einig

Problem: Grund und Boden gehören neben der Stadt zwei Eigentümern. Einig sei man sich mit dem Besitzer des alten Stüssgen-Areals. Wenn die Forderungen des anderen unverändert blieben und die ganz große Lösung zu teuer wird, liegt auch schon „Plan B“ vor. Spelthahn: „Die Stadt verkauft oder übergibt uns das Alte Rathaus. Wir bauen nur auf dem Stüssgen-Gelände. Dann wäre ein Wechsel unserer Ämter von den jetzigen Standorten im laufenden Betrieb möglich. Das soll und wird nur in vollem Benehmen mit der Stadt erfolgen.“ Das wäre auch die schnellste Variante. Dritte Möglichkeit ist nach Meinung des Landrates eine Bebauung des Walramplatzes. „Der ist traumhaft groß, liegt auch zentral, und man könnte sogar Parkplätze erhalten.“

Was auch immer wo gebaut werden soll: Es sind in architektonisch sensibler Lage „keine monolithischen Verwaltungsgebäude geplant“. Es soll bei Festlegung auf einen Standort einen Architektenwettbewerb geben, der das städtebauliche Umfeld akzentuiert.

Neben den Kreisdienststellen ist je nach Größe immer auch ein Anteil an Gewerbeflächen vorgesehen, die durch diese Belebung der Innenstadt nicht nur nach Meinung von Spelthahn gut zu vermarkten sind. Der Kreis will immerhin 140 Beschäftigte in die Jülicher City „verpflanzen“. Die Dienststellen — auch eine Außenstelle des Straßenverkehrsamtes — ziehen mit Sicherheit reichlich Publikumsverkehr nach sich.

Natürlich stellt sich grundsätzlich die Frage: Wer soll das bezahlen? Kann das kostenneutral gelingen? Hier spielt dem Kreis in die Karten, dass er über 30 Jahre feste Mieteinnahmen des Bundes erhält, wenn er „angemessene Räume“ für die Jobcom-Beschäftigten anmietet. Die sind oder waren auf alle 15 Kommunen verteilt, sollen aber auf zwei Standorte konzentriert werden: Düren und Jülich. Außerdem befinden sich jetzt schon Dienststellen des Kreises in Jülich, für die Miete zu zahlen ist. In Summe kommt da ein ordentlicher sechsstelliger Betrag im Jahr zusammen, der in die Anmietung oder Finanzierung eines Neubaus gesteckt werden kann.

Aus dem Gespräch im Jülicher Rathaus diese Woche hat Wolfgang Spelthahn eine optimistische Erkenntnis mitgenommen: „Die Stadt scheint große Dynamik in das Thema zu legen.“ Es gab Signale, kurzfristig schon Bebauungspläne, die notwendig werden, auf den Weg zu bringen. Denn es ist klar: Eine größere Chance zur Belebung der Innenstadt wird sich in Jülich so schnell nicht bieten.

Mehr von Aachener Nachrichten