Jülich: Ein Kölner, dem nichts heilig ist, tritt in Jülich auf

Jülich : Ein Kölner, dem nichts heilig ist, tritt in Jülich auf

Der Kölner Kabarettist Robert Griess hat mit seinem Programm „Hauptsache, es knallt!“ im Jülicher Kulturbahnhof Station gemacht. Sein Motto ist recht einfach: Nichts ist ihm heilig ist, und jeder bekommt sein Fett weg.

Angefangen bei aktuellen Personen des öffentlichen Lebens wie Trump, Erdogan, Putin oder Seehofer bis hin zu Steuerhinterziehern, Extremisten oder den Stammtischhockern. Hierbei gibt er sich zunächst als netter Mensch von nebenan und nutzt diesen Sympathiebonus, um mit zahlreichen Pointen und Gags seine Zielpersonen gekonnt zu parodieren und sein Publikum sofort zum Lachen zu bringen.

Er selbst bezeichnet sich als „Pausenclown des Neoliberalismus“ und schlüpft bei seinen Stand-Up-Kabarettauftritten in verschiedene Rollen wie beispielsweise die des Hartz IV-Empfängers Herr Stapper, der als echter Prolet eine ganz eigene Weltsicht vertritt. Schon zu Beginn des Abends war klar, dass die führenden Politiker nicht ungeschoren davonkommen würden, als Griess zu Rammsteins „Amerika“ mit Donald Trump-Maske die Bühne betrat und sich wie das Original erst einmal vom Publikum feiern ließ.

Ein ausführliches Thema waren in diesem Zusammenhang natürlich die obligatorischen Fake-News und wie sie Welt beeinflussen. Ein besonderes Anliegen war Griess auch die Zusammensetzung der deutschen Regierung, in der seiner Meinung nach jeder Minister jedes Amt bekleiden darf, egal ob er dafür eine Qualifikation hat oder nicht. Auch die lange Bildung einer Großen Koalition in Berlin wurde von ihm bissig kommentiert, und die neuen Heiratsabsichten von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder blieben nicht unerwähnt.

Bei seinem Steckenpferd politisches Kabarett konnte er sich richtig austoben, beispielsweise mit der Gestaltung der Wahlplakate der Parteien zur Bundestagswahl, oder er kommentierte im sportlichen Bereich die Vorbildfunktion von Vereinsvorsitzenden und Spielern, die doch sehr zu wünschen übrig lasse. Viel zu berichten wusste Griess auch über die Charity-Veranstaltungen von wohlhabenden Geschäftsleuten, die damit seiner Meinung nach ihr Gewissen beruhigen und im Anschluss weiter ihre verdorbene „Marktmoral“ im Alltag anwenden.

Besonders viel zu lachen gab es bei dem Auftritt von Herrn Stapper, der stolz in Trainingsjacke berichtet, dass er seit der Schaffung von Hartz IV mit dabei ist und wie er auf verschiedenen Elternabenden versucht, seinen Sohn auf einer anständigen Schule unterzubringen. Da alle Kinder an der Waldorfschule zwei Vornamen hätten, hieße sein Sohn jetzt Kevin-Fernando und er habe ihm mit einem Trick beigebracht, ein echtes Buch zu lesen, was einem Wunder gleichkomme.

Bei seinen Kreuzfahrten beobachtete Griess auch Steuerhinterzieher, die bei Landausflügen lieber auf dem Schiff bleiben und erst wieder außerhalb der Drei-Meilen-Zone entspannt wirkten. Besonders brisante Themen wie die Flüchtlingswelle thematisierte er mit seinem Lied „Mittelmeer“, und bei seinem zweiten Song wurden die Selbstmordattentäter und ihre Beweggründe aufs Korn genommen. Zum Abschluss eines kurzweiligen und unterhaltsamen Abends kam noch der Blick auf den aktuellen Syrienkonflikt mit dem Song „Give Krieg a Chance!“ und dem Lied für alle rücksichtslosen Kapitalisten „Bring back my money to me!“ „Es war eine super Stimmung, und es hat echt Spaß gemacht, das Jülicher Publikum zu unterhalten“, sagte Gries begeistert nach der Show.

(bw)
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