Jülich: Ein Genuss für jeden Klaviermusik-Fan

Jülich : Ein Genuss für jeden Klaviermusik-Fan

Andächtige Stille herrschte beim Klavierkonzert zum Silberjubiläum des Museums Zitadelle in der Schlosskapelle. Teils mit geschlossenen Augen gaben sich die Zuhörer dem Hochgenuss hin, den die besonders vielseitige „außerordentliche Professorin für Klavier“, Dr. Young-Hyun Cho, ihnen schenkte.

Sie war schon einige Mal zu Gast in der Jülicher Schlosskapelle, zum zweiten Mal im Rahmen der Zusammenarbeit des Museums mit dem „Internationalen Club Jülich“. Letzterer fördert unter anderem das Einleben der in Jülich tätigen Ausländer durch informative, kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen. So war es nicht ungewöhnlich, dass Museumsleiter Marcell Perse seine Begrüßung in englischer Sprache begann, eine deutsche Übersetzung folgte. Perse vergaß nicht die Erwähnung des „Hausherrn Herzog Wilhelm V.“ — das Publikum zeigte sich amüsiert.

Dr. Young-Hyun Cho eröffnete ihr anspruchsvolles Repertoire mit Joseph Haydns letztem Klavierstück, das gleichzeitig als sein berühmtestes Einzelwerk für das Tasteninstrument angesehen wird, die „Variations in F minor, Hob. XVII:6“. Die Doppelvariationen voller emotionaler Tiefe widmen sich abwechselnd einem Thema in Dur und einem in Moll. Es folgte der innige und schwermütige Johannes-Brahms-Zyklus „7 Phantasien Op. 116“, der mit sehr polyphon komponierten Stellen und wenigen Pausen hervorsticht. Für die versierte Pianistin, deren Hände scheinbar mühelos über die Tasten flogen, bedeuteten diese Fantasien schwerste Pedalarbeit, die sie in Perfektion meisterte.

Die zweite Konzerthälfte widmete Dr. Young-Hyun Cho den Kompositionen des russischen Pianisten Sergei Rachmaninoff. Sie begann mit der „Prélude in D major, Op. 23, No. 4“ aus Rachmaninoffs zehn Präludien, gefolgt von den sehr emotionalen „Moments Musicaux in B minor, Op. 16, No 3.“

Musikalischer Höhepunkt war die Klaviersonate Nr. 2 b-moll, Op. 36 in drei Sätzen dar. Die Pianistin hatte die verkürzte Fassung von 1931 ausgewählt, die die Dramatik der Originalversion von 1913 deutlich reduziert, was allerdings nicht gleichbedeutend ist mit einer spieltechnischen Vereinfachung.

Donnernder Applaus

Die Pause verbrachten die Gäste bei kühlen Getränken und Laugenstangen in der Abendsonne des Renaissancegartens. Die Hitze forderte leichte Einbußen in den Besucherzahlen, es gab noch freie Plätze. Die Anwesenden genossen das Konzert allerdings in vollen Zügen und belohnten die Ausnahmepianistin, die sich nach jedem Stück grazil verbeugte, mit donnerndem Applaus und vielen freiwillig gespendeten Münzen.

(ptj)