Ein Friedhofs-Denkmal für die Anonymen

Friedhof Merscher Höhe : Den Namenlosen einen Namen geben

Für anonym Beerdigte gab es auf dem Friedhof Merscher Höhe bisher nur einen unauffälligen Platz. Um das zu ändern, wurde nun ein Denkmal für diese Verstorbenen errichtet.

70 Menschen werden jedes Jahr auf dem Friedhof Merscher Höhe anonym begraben. Diese „anonymen“ Beerdigungen finden dort auf dem Urnengräberfeld, einer recht unauffälligen Wiese nahe der Neußer Straße, statt. Die Gründe für ein solches Begräbnis können ganz unterschiedlich sein: Die Verstorbenen hatten beispielsweise keine Angehörigen. Oder sie wünschten sich eine solche Beerdigung, damit ihre Angehörigen nichts zahlen und sich nicht um Grabpflege kümmern müssen. Über die einzelnen Gräber und damit die Verstorbenen wächst – im wahrsten Sinne des Wortes – schnell Gras. „Mir tut das weh“, sagt Pfarrer Josef Wolff von der Pfarrei Heilig Geist, „es ist, als wären sie nie dagewesen“.

So kam er mit anderen Beerdigungsleitern auf die Idee, den anonym begrabenen Menschen auf dem Friedhof einen würdigen Platz einzuräumen. Vor zwei Jahren begann die Planung des Projekts. Am Mittwoch wurde nun das Denkmal bei schönstem Wetter enthüllt: Eine drei Meter große Stele und eine Tafel, an der die Namen der Verstorbenen angebracht werden, stehen nun auf dem Urnengräberfeld.

Gestaltet wurde das Denkmal von der Künstlerfamilie Fernández. Das Thema der Säule ist Licht, wie Maria Fernández bei der Enthüllung erklärte. Es gehe um „Bewegung und Dynamik, die uns das Licht erlaubt zu entwickeln“. Neben der Säule ist eine Tafel, in der die Plättchen mit den Namen der Verstorbenen eingeschoben werden können. Der Ort wurde bewusst so gestaltet, dass er unabhängig von Religion und Konfession angenommen werden kann.

Ein Denkmal ohne Namen

Wolff lobte die Kooperation und die Unterstützung der Stadtverwaltung. Sofort sei einstimmig klar gewesen, dass sich dieses Projekt umzusetzen lohne, sagte Jülichs Bürgermeister Axel Fuchs, der bei der Enthüllung ebenfalls anwesend war. „Wir geben den Menschen einen Namen zurück“, so Fuchs.

Die Betreuung des Denkmals hat die Pfarrei Heilig Geist übernommen. Finanziert wurde es von Sponsoren, vor allem vom Lions Club Jülich Juliacum. Die weiteren Namens-Anbringungen werden mit Spenden bezahlt. Denn eine Nutzung ist kostenlos. Man kann sich dafür im Zentralpfarrbüro melden und auch nachträglich noch Namen hinzufügen lassen. Der Ort der Anonymen hat übrigens noch keinen Namen. Für Wolff ist es ein Denkmal, Bürgermeister Axel Fuchs nannte es eine „Erinnerungsstele“. Namensvorschläge sind laut Pfarrer Wolff auch jetzt noch herzlich willkommen.