Jülich: Ein bisschen Silicon Valley: Bioreaktor-Bauer Dasgip boomt und boomt

Jülich : Ein bisschen Silicon Valley: Bioreaktor-Bauer Dasgip boomt und boomt

Graue Theorie, an die viele, aber längst nicht alle glauben. In wohlfeilen Reden werden die Vorzüge des Forschungsstandorts Jülich mit Anbindung an die Universitäten in der Umgebung über den grünen Klee gelobt, aber ist das wirklich so? Wo kann man das sehen? Eine Antwort lautet: im Jülicher Gewerbegebiet Königskamp, bei der Firma Dasgip, die seit 2012 zum Hamburger Laborgerätehersteller Eppendorf AG gehört.

Von diesem Zeitpunkt bis heute hat sich die Zahl der Arbeitsplätze in Jülich mehr als verdoppelt (von 60 auf 140). Und in den nächsten fünf Jahren wird es wohl zu einer Verdopplung der Verdopplung kommen — in ungeheurem Tempo. „Das Unternehmen befindet sich auf einem enormen Wachstumskurs“, sagt der Dasgip-Gründer und heutige Berater der Geschäftsführung Dr. Thomas Drescher aus Jülich.

Vom Technologiezentrum Jülich wechselte Dasgip in ein Gebäude der Hightech-Mall im Gewerbegebiet Königskamp. Nachdem dessen Ausbau nun beendet sind, müssen Bürocontainer her, bis neue Gebäude errichtet worden sind. Foto: Uerlings

Die letzten Arbeiten am Ausbau des Obergeschosses der Firmenzentrale auf der früheren „Hightech-Mall“ in Jülich sind gerade beendet, da muss Dasgip-Eppendorf die Baugenehmigung für neue Bürocontainer beantragen, die im August errichtet werden. Die gilt für zwei Jahre. Und nach dieser Übergangszeit müssen neue Gebäude auf den letzten verbliebenen Freiflächen in der Umgebung zwischen Solarturm und DLR-Verwaltung möglichst schon stehen, über deren Verkauf die Jülicher Kommunalpolitik kurz vor der Sommerpause entschieden hat.

Das kleinste Bioreaktorsystem von Dasgip-Eppendorf (DASBox) mit bis zu 250 Milliliter Volumen. Es gibt sie auch für Bioprozesse bis 1200 Liter. Foto: Dasgip-Eppendorf

Doch die Fachkräfte muss man erst einmal finden, aber das gelingt dem Jülicher Unternehmen, das in einer Nische ausgesprochen erfolgreich ist.

Dasgip-Eppendorf stellt Bioreaktorsysteme her. Thomas Drescher übersetzt die Bezeichnung so: „Das sind Wellnesscenter für Mikroorganismen.“ In den Behältern mit spezieller Technik wird das Stoffwechselverhalten von Kleinstorganismen getestet, wenn sich die äußeren Bedingungen (Temperatur, Nahrung, Luft) verändern. „1994/95 galt das als völlig spinnert“, erinnert sich Drescher und lächelt. Denn heute ist es Standard: in der Chemie-, in der Pharma- und auch in der Lebensmittelindustrie wie bei der Zuckerherstellung.

Hier gibt es laut Dasgip-Gründer „richtig schöne Wachstumsraten“, und er meint zweistellige. Diese Labortechnik benötigt zudem Software, um alle Prozesse zu vernetzen und zu digitalisieren. „Software ist der Wertetreiber“, erklärt Dr. Thomas Drescher einen Leitsatz nicht nur bei Eppendorf und Dasgip. Der Geschäftsbereich Softwareentwicklung sei „ein großer Treiber der Personalentwicklung“ in Jülich. Entwickler werden von allen Unis im Umkreis von 80 Kilometern vom Fleck weg engagiert. Aber auch Maschinenbau- und Elektroingenieure, Bio- und Nanotechnologen, Industriekaufleute, Marketingspezialisten, Controller müssen gefunden werden. „Viele haben auch in Jülich ihren Abschluss gemacht“, berichtet der Berater.

„Der Konzern ist überzeugt, dass Jülich für dieses Thema der richtige Standort ist, weil es uns gelingt, entsprechend gutes Personal zu finden“, sagt Thomas Drescher. Ein kleines bisschen „Silicon Valley“ wird dafür auch geboten, denn von der „Vertrauensarbeitszeit“ bis zur Großküche, die allen Beschäftigten zur Verfügung steht, versucht der Arbeitgeber, ein gutes Umfeld zu bieten. Und der Unternehmenssitz ist mit Kommunikationszonen für die Belegschaft regelrecht durchzogen — das schließt eine auffallend hohe „Dichte“ an Kaffee- und Getränkevollautomaten ein...

Das wird auf absehbare Zeit so weitergehen. Thomas Drescher: „Hier werden neue Dinge entwickelt, und wir bemühen uns, auch am Standort zu produzieren.“ Dazu braucht Dasgip-Eppendorf bald neue Gebäude. Der Konzern habe Jülich zum „Bioprozess-Nabel in Europa“ gemacht und setze die Expansion nun konsequent fort.

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