Vettweiß/Rödingen: Ehemaliger KZ-Arzt Bender: Ein Nachlass mit Beigeschmack

Vettweiß/Rödingen: Ehemaliger KZ-Arzt Bender: Ein Nachlass mit Beigeschmack

Mit der Vergangenheit des KZ-Lagerarztes August Bender, der bis 2005 in Kelz gelebt hat, beschäftigt sich auch der Landschaftsverband Rheinland. Der Grund: Aus Benders Nachlass stammt die Menora, ein siebenarmiger Leuchter, der in der Landsynagoge Rödingen ausgestellt ist.

Vermittelt wurde die Übergabe des Leuchters im Jahr 2005 kurz vor dem Tod Benders von Ludger Dowe von der Geschichtswerkstatt Düren. Dowe, der seit Jahren zur Geschichte der Juden im Dürener Land forscht, hatte von der Betreuerin Benders, die seinen Nachlass verwaltet hat, einen Anruf erhalten. Bei diesem Gespräch ging es um die Menora, die aus der ehemaligen Synagoge von Vettweiß stammt.

Dowe, der die Menora für die Region erhalten wollte, informierte Monika Grübel vom Landschaftsverband Rheinland und besuchte Bender damals mit ihr gemeinsam. Dowe: „Zu dem Zeitpunkt war die Wohnung von Bender schon leer geräumt, aber die Menora stand noch an ihrem Platz.”

Monika Grübel, wissenschaftliche Referentin beim Landschaftsverband und für die Landsynagoge in Rödingen zuständig, kann sich an den Abend gut erinnern. „Zur Herkunft der Menora hat Bender uns damals eher ausweichende Antworten gegeben.” Wie die Menora aus der geschändeten jüdischen Synagoge von Vettweiß in Benders Besitz kam, dazu forscht die Kölner Historikerin und Judaistin Ursula Reuter.

Bekannt ist, dass die Vettweißer Synagoge unter Leitung des damaligen Ortsgruppenleiter der NSDAP geschändet wurde. Ein Landwirt, der neben der Synagoge lebte, konnte den Leuchter retten und an sich nehmen. Ursula Reuter: „Das ist auch in einem Gerichtsprozess zur Synagogenschändung in den 1950er Jahren dokumentiert worden. Damals war der Vettweißer Ortsgruppenleiter, ein Molkereibesitzer, angeklagt. Er ist freigesprochen worden.”

In den Besitz Benders kam der Leuchter in den 1960er Jahren. Reuter: „Unseres Wissens hat der Landwirt mit der Menora eine Arztrechnung bei Bender beglichen.” Dass Ursula Reuter zu dem Thema forscht, hat zwei Gründe. „Man weiß über die Menora nur sehr wenig, weil auch die Geschichte der jüdischen Gemeinde von Vettweiß nur schlecht dokumentiert ist.”

Es gibt aber auch noch einen zweiten Grund: Die Geschichte Benders selbst. Dass Bender als Lagerarzt im Konzentrationslager Buchenwald tätig war, wusste Ludger Dowe auch schon im Jahr 2005 - und nicht erst durch unsere Berichterstattung unserer Zeitung am Samstag.

Interessant ist das auch deshalb, weil auf der Stifterplakette in Rödingen einfach nur angegeben ist „Schenkung: Dr. August Bender, Kelz” - ohne weitere Erläuterung. Monika Grübel: „Das ist die juristische Tatsache. Und natürlich müssen wir auch sagen, woher eine Schenkung kommt.”

Dass das dennoch problematisch ist, kommentarlos ausgerechnet einen KZ-Lagerarzt als Stifter einer jüdischen Menora anzugeben, weiß auch Monika Grübel und hat genau deshalb Ende 2011 Ursula Reuter mit der weiteren Erforschung der Historie Benders und der Menora beauftragt. „Ich habe auch lieber andere Schenker”, sagt sie noch. Aussuchen kamm man sich das nicht immer, aber einordnen.