Interview der Woche: Eddi Hüneke spürt Vorfreude und ein bisschen Aufregung

Interview der Woche : Eddi Hüneke spürt Vorfreude und ein bisschen Aufregung

Eddi Hüneke wagte im Jahr 2018 den Schritt vom Mitglied der „Wise Guys“ – einer der erfolgreichsten A-cappella-Bands Deutschlands – zum Solokünstler. Jetzt ist er mit seinem ersten Soloprogramm auf Deutschlands Bühnen unterwegs.

Mit „Alles auf Anfang“ oder auch „Solo zu zweit“ kommt der Musiker mit seinem Pianisten Tobias Hebbelmann am Freitag, 5. April, nach Jülich und spielt im Kulturbahnhof um 20 Uhr ein Konzert.

Für Hüneke begann nach der Trennung von den „Wise Guys“ eine neue Ära. Bei seinen Songs begleitet er sich selbst auf der Gitarre sowie der Ukulele – und musiziert meist zusammen mit Hebbelmann. Bei einzelnen Songs sitzt Hüneke auch selbst am Klavier.

Im Interview mit Anke Capellmann erzählt Eddi Hüneke von seiner Trennung von den „Wise Guys“, wie es ist, jetzt sein eigener Chef zu sein und was die musikalische Zukunft bringen kann.

Herr Hüneke, wie fühlen Sie sich mit Blick auf Ihr Konzert in Jülich?

Eddi Hüneke: Ich freue mich auf das Konzert, gehe da entspannt ran. Ich bin aber auch aufgeregt, denn es ist immer noch Neuland für mich, alleine oder mit Tobi zu zweit auf der Bühne zu stehen. Das Publikum reagiert immer positiv und deswegen macht es fürchterlich viel Spaß.

Wie läuft denn das Zusammenspiel mit Tobias Hebbelmann auf der Bühne?

Hüneke: Ich weiß vorher nie, was passiert, aber es klappt immer – und es gibt immer wieder Überraschungen. Wenn mir eine Saite reißt, kann ich mich auf Tobi verlassen. Wir nehmen uns beide nicht immer fürchterlich ernst und haben sehr viel Spaß zusammen – sowohl auf als auch hinter der Bühne.

Das heißt, Sie verstehen sich auch privat sehr gut?

Hüneke: Absolut. Er ist der Klavierlehrer meiner Kinder, wir haben uns immer gut verstanden und sind auch privat befreundet.

Worauf kann sich das Publikum im Kulturbahnhof freuen?

Hüneke: Das Konzert besteht teilweise aus Songs meines Albums „Alles auf Anfang“, aber auch aus neuen Songs. Dabei geht es quer durch alle Stilrichtungen und Emotionen. An manchen Stellen haben wir Improvisationen eingebaut. Es gibt sehr viel zu lachen, aber wir spielen auch bewegende Balladen.

Bewegend sind auch viele Songs von Ihnen, in denen es um Sie als Mensch geht und darum, was Sie fühlen und tun.

Hüneke: Ja, es geht oft um Gefühle und das, was mich persönlich bewegt. Der Song „Mit dir will ich fliegen“ ist aus einer Beziehungskrise entstanden. Bei „Im Urlaub muss man fröhlich sein“ habe ich mir Inspiration in Griechenland geholt. Und „Alles wird gut“ ist ein Mutmach-Song für jeden, der Aufmunterung braucht.

Mehr als 25 Jahre „Wise Guys“ – war es emotional, als Sie plötzlich ohne die anderen auf der Bühne standen?

Hüneke: Es war eine ganz emotionale Zeit, sowohl vor der Trennung als auch danach. Wir haben ein Jahr lang unsere Abschiedstournee gespielt. Und auch innerhalb der Gruppe war es ein emotionaler Prozess. Der nächste Prozess für mich war dann, mich neu zu finden. Das war unfassbar aufregend.

Inwiefern aufregend?

Hüneke: Es ist ein ganz anderes Gefühl, wenn man plötzlich alleine für die Inhalte verantwortlich ist. Ich musste auch erst mal gucken, ob das, was ich mache, überhaupt ankommt beim Publikum. Außerdem stehe ich konstant im Mittelpunkt auf der Bühne. Bei den „Wise Guys“ war ja nie jemand alleine der Frontmann. Das ist jetzt anders.

Und der Musikstil hat sich geändert. Ist es auch nach über einem Jahr solo trotzdem noch ungewohnt, mit bunter Musik im Hintergrund zu singen?

Hüneke: Es ist halt einfach etwas ganz anderes. Manchmal treffe ich auf andere A-cappella-Gruppen und singe mit ihnen oder arbeite mit Chören zusammen. Das ist auch immer sehr schön, aber ich fühle mich jetzt – so wie es ist – sehr wohl. Es ist toll, wenn ich eine Gitarre in der Hand habe, aber andererseits genieße ich es auch, wenn ich mal alleine oder zu zweit singe.

Wie fühlt es sich an sein eigener Chef zu sein?

Hüneke: Es hat wahnsinnig viele Vorteile, wenn man in der Gruppe ist. Aber so wie in jeder Gruppe gibt es auch Reibungen. Leider bei uns als „Wise Guys“ auch zuletzt immer mehr. Das hat es oft anstrengend gemacht. Sowas habe ich jetzt weniger, dafür habe ich aber viel mehr Verantwortung. Das habe ich auch gebraucht, um mich abzunabeln und etwas Neues machen zu können.

Im Song „Das könnte euch so passen“ singen Sie: „Gerade jetzt fühle ich mich frei“ und „Ich lasse endlich alles los“ – eine Anspielung auf die Vergangenheit?

Hüneke: Der Song ist nicht so sehr auf die Vergangenheit gemünzt, sondern entstand in einem ganz anderen Zusammenhang. Der Song soll keine Abrechnung sein, sondern im Vordergrund steht mein Neuanfang. Ebenso wie die Unsicherheit, wenn man erst mal alleine ins kalte Wasser geworfen wird. Es geht aber auch darum, dass diese Unsicherheit und der Neuanfang einem neue Freiheit schenkt.

Ist musikalisch sonst noch etwas Neues in Planung?

Hüneke: Klar, neue Songs sind angedacht. Einer heißt zum Beispiel „Skyline von Manhatten“, der beschreibt, wie man mit dem Schiff beim ersten Sonnenschein nach New York fährt – das habe ich selbst so erlebt. Übrigens ist auch eine USA-Tour geplant. Da ist aber noch nicht in trockenen Tüchern.

Wie blicken Sie in die Zukunft?

Hüneke: Äußert optimistisch. Auch wenn ich auf der organisatorischen Ebene noch viel lernen muss, habe ich künstlerisch und musikalisch das Gefühl, dass ich das erste Mal angekommen bin. Das ist das, was ich wirklich machen möchte. Ich bin einfach extrem dankbar. Auch für die Zeit bei den „Wise Guys“, weil ich ohne sie nie bis hierhin gekommen wäre.

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