Linnich/Jülich: Durch Bürokratie überlastet: Der Linnicher Asylkreis funkt SOS

Linnich/Jülich: Durch Bürokratie überlastet: Der Linnicher Asylkreis funkt SOS

Flüchtlinge zur Erstaufnahme kommen in den Kommunen seit geraumer Zeit so gut wie nicht mehr an. Erstens ist deren Zahl nach Angaben der Behörden deutlich zurückgegangen, zweitens reichen die vorhandenen Erstaufnahmeeinrichtungen aus.

Inzwischen wächst aber durch die Verfahrensentscheidungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge die Zahl der Menschen mit Bleiberecht und Wohnsitzauflage — und stellt vor allem an viele Ehrenamtler neue große Herausforderungen. Der Initiativkreis Asyl Linnich funkte dieser Tage SOS: wegen Überlastung. Ihm geht es aber nicht allein so, in vielen Kommunen des Kreises sieht es ähnlich aus.

Die Ehrenamtler füllen nämlich eine Lücke, wie Karl Lohmer, Mechthild Koenen und Sylvia Karger schildern: Flüchtlinge mit Bleiberecht werden den Kommunen zugewiesen, die gesetzlich nur verpflichtet sind, Obdachlosigkeit zu vermeiden. Für alle anderen Versorgungsfragen ist die Job-com des Kreises Düren zuständig. Bedeutet: Sie erhalten dort einige Lebensmittelgutscheine und einen Stapel an Formularen in einer fremden Sprache, die sie nicht beherrschen, doch am besten schnellstmöglich ausfüllen. Karl Lohmer: „Das kann man sich so vorstellen: wie mit einem Fallschirm in einem fremden Land abgeworfen.“ Hier springen nun die Ehrenamtler in die Bresche.

Sie unterstützen die Flüchtlinge beim Formularkrieg und sind auch unerlässlich, wenn es zum Beispiel darum geht, sich in der neuen Heimat zu orientieren, eine Kinderbetreuungseinrichtung oder die passende Schulform zu finden oder aber ein Konto zu eröffnen. „Alle sagen: nur mit Begleitung. Die können ohne noch nicht mal einen Arzttermin machen“, berichten die Ehrenamtler aus Linnich. Der bürokratische Aufwand stört sie besonders. Mechthild Koe­nen: „Ich empfinde das als Ehrenamtlerin als nicht kooperativ, als nicht unterstützend. Da hat man manchmal das Gefühl, vor die Wand zu laufen.“

Vor einer Woche hat der Initiativkreis Asyl Linnich einen „Hilferuf“ in Richtung Job-com, Landrat und Linnicher Bürgermeisterin abgesetzt, der schnelle Reaktionen hervorbrachte. Schon drei Tage später gab es ein Gespräch mit den Spitzen der Job-com. „Das war ein gutes, lösungsorientiertes Gespräch. Wir haben vorgetragen, wo es in der Zusammenarbeit knirscht oder nicht gut läuft“, berichtet Karl Lohmer. Erste Verbesserungen wurden verabredet, aber es ist klar, dass es auch weiterhin ohne die ehrenamtliche Flankierung in der Flüchtlingsbetreuung nicht geht.

Der Linnicher Kreis sucht daher händeringend weitere freundliche Helfer, die „bereit sind, die jungen Familien auf dem Weg in ihr neues Leben zu unterstützen, damit sie einen Platz in unserer Gesellschaft finden“. Die qualifizierten Akteure aus dem vorhandenen Team sagen Interessenten jede Hilfe zu — wie auch die zuständigen Stellen der Stadt Linnich.

Auf Nachfrage bestätigte Doris Vogel, Dezernentin der Stadt Jülich, die „neuen“ Herausforderungen durch Flüchtlinge mit Bleiberecht auch in der Herzogstadt. Die Mitarbeiter der Stadt leisteten, „was sie im Rahmen ihrer Arbeitszeit können und auch darüber hinaus“. Zum Glück gebe es daneben auch in hohem Maße ehrenamtliches Engagement.

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