Jülich: Die Winterreifen werden knapp

Jülich: Die Winterreifen werden knapp

Aus dem Geschäft mit den Winterreifen ist momentan ein wenig die Luft raus. Nicht etwa, weil die Nachfrage gering ist. Und auch nicht, weil die Preise für Pneus im Keller liegen, im Gegenteil. Es ist vielmehr so, dass sich mit Winterreifen derzeit kein gutes Geschäft machen lässt, weil es schlicht und einfach kaum noch Winterreifen gibt.

„Jetzt könnten wir Geld verdienen und es geht nicht”, bedauert Wolfgang Wasel. Dabei müsste Wasel eigentlich an der Quelle sitzen, er arbeitet für ARV-Reifen, ein Großhandel in Aldenhoven. Auch dort werden die Pneus langsam zur Mangelware. „Knapp ist gar kein Ausdruck”, sagt Wasel, „Winterreifen sind im Moment schwarzes Gold”. Was sich auch daran ablesen lässt, dass sich der Reifenpreis beständig dem für das Edelmetall annähert.

Wasel nennt ein Beispiel: „Einen Winterreifen für den Kleinwagen Smart bekommen sie normalerweise für 40 Euro, derzeit kostet er 120 Euro.” Ralf Dohmen kennt ein weiteres: „Einen 20-Zoll-Reifen, der eigentlich 250 Euro kostet, wird aktuell für 500 bis 600 Euro gehandelt. Gewisse Größen werden im Internet schon fast mit Gold aufgewogen.”

Generell sei die Größe im Moment ein ganz entscheidender Faktor bei der Frage, ob es noch gelingen könnte, den eigenen Pkw auf Winterreifen umzurüsten, sagt Dohmen, Mitarbeiter beim Reifendepot Rduch in Koslar: „Gewisse Größen haben wir noch da.” Wer einen Termin brauche, solle ungefähr eine Woche Wartezeit einkalkulieren.

Länger wird es beim Reifen- und Fahrwerk-Center Schmitz in Jülich auch nicht dauern. „Der Andrang ist extrem, wir arbeiten mit verlängerten Öffnungszeiten”, sagt Inhaber Heinz-Jakob Schmitz. Das er überhaupt noch Winterreifen montieren könne , habe er allein den Lagerbeständen zu verdanken. „Wenn ich jetzt von den Herstellern beziehen müsste, hätte ich ein Riesenproblem. Die haben nämlich gar nichts mehr”, sagt Schmitz.

Dabei ist es nicht so, dass keine Reifen mehr produziert werden. Es seien eben nur zu lange, die Falschen gewesen, meint Schmitz: „Wegen der stark steigenden Exporte der Autoindustrie wurden noch bis in den vergangenen Monat Sommerreifen produziert.” Wolfgang Wasel bestätigt: „Der Export boomt und die Hersteller produzieren Reifen für die Erstausrüstung.” Das heißt, dass zunächst einmal Neuwagen mit einem Satz Pneus ausgerüstet würden.

Um den Ursprung des aktuellen Winterreifen-Engpasses zu ergründen, sei es allerdings nötig, noch weiter in die Vergangenheit zu blicken, meint Wasel: „Schauen Sie, wir hatten vor zwei Jahren eine Weltwirtschaftskrise in deren Verlauf die Reifenhersteller Werke geschlossen haben.” Es folgte die Abwrackprämie und ein strenger Winter, beides lies die Nachfrage nach Winterreifen steigen, vorhandene Lagerbestände wurden aufgebraucht. Und derzeit könnten die Hersteller eben einfach nicht so viel produzieren, wie eigentlich benötigt werde, sagt Wasel: „22 Millionen Winterreifen werden bundesweit benötigt. Aber es gibt nur zwischen 16 und 17 Millionen.”

Auch das Lager von Heinz-Jakob Schmitz wird irgendwann erschöpft sein: „Bei Reifen für Transporter wird es jetzt schon eng, bei den Pkw ist es absehbar.” Wasel hat jedenfalls noch einen Rat parat: „Wenn sie jetzt irgendwo Winterreifen finden: Nicht zögern, kaufen.”

Sommerreifen im Winter: Höheres Bußgeld droht

Ein höheres Bußgeld droht Autofahrern, die bei Schnee und Eis noch auf Sommerreifen unterwegs sind.

Statt der bisher möglichen 20 Euro sind 40 Euro fällig. Bei einer Verkehrsbehinderung steigt die Strafe auf 80 Euro, dazu gibt es einen Punkt im Flensburger Zentralregister.

Zur Winterreifenpflicht soll der Bundesrat am 26. November eine Änderung der Straßenverkehrsordnung beschließen.

Demnach darf „bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte” ein Kfz nur noch auf Winterreifen durch den Verkehr rollen, heißt es in einer Vorlage des Bundesverkehrsministeriums.

Anfang Dezember tritt die neue Verordnung in Kraft.

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