Die "Waldkinder" im Brückenkopf-Park in Jülich erkunden den Wald

„Waldkinder“ im Brückenkopf-Park : Kleine Baumexperten und Umweltschützer machen das Unterholz unsicher

Bei den Ferienspielen im Jülicher Brückenkopf-Park erkunden die „Waldkinder“ das heimische Unterholz. Dabei erfahren sie viel über Pflanzen und Bäume, toben sich beim Tipi-Bau aus und lernen, was in den Wald gehört und was eben nicht. Denn auch dort ist herumliegender Müll ein Problem.

Johanna rennt vor. „Die sind alle so langsam“, beschwert sie sich und marschiert forsch den Waldweg hinunter. Ein paar Meter weiter hinten ist Tim aufgeregt: „Vorgestern haben wir ein richtiges Basislager gebaut“, erzählt er. „Ich hoffe niemand hat es kaputt gemacht.“ Aber eigentlich, fügt der Zehnjährige hinzu, bräuchten sie sich darüber keine Sorgen zu machen, es sei schließlich ein gut getarntes Geheimversteck. Und das will erweitert werden. Ein Tisch soll her, für den Vorgarten, beschließen Tim und die anderen Basislager-Bauingenieure auf dem Weg.

Die „Waldkinder“ sind im Zuge der Ferienspiele, die gemeinsam mit der Stadt Jülich organisiert werden, unterwegs im Brückenkopfpark. Die Aktivitäten im Grünen sind beliebt. Insgesamt nehmen in diesem Jahr rund 240 Kinder an dem jeweils zweiwöchigen Programm teil, dass neben Ausflügen, Workshops und Toben im Park auch Thementage im heimischen Wald beinhaltet.

Der Weg der gelben Gruppe führt unter den wachsamen Augen von Betreuerin Sylvia Esser-Hortmanns entlang der Rotwildgehege. Hier erinnern sich viele Kinder an das Gelernte vom ersten Waldbesuch. Zielsicher findet Lena einen Strauch Holunder. „Den erkennt man am Geruch, wenn man die Blätter zwischen den Fingern reibt“, erklärt sie und pflückt ein paar. „Wir dürfen aber nicht zu viele davon füttern, denn für die Rehe ist das wie Schokolade.“ Dementsprechend gierig knabbern die imposanten Tiere den Kindern die Blätter aus den Händen.

Um ein ordentliches Tipi zu bauen ist Teamwork gefragt. Foto: ZVA/Kim Statzner

Eine Wegbiegung später ist das Ziel erreicht. Im Basislager, haben die „Waldkinder“ bereits erste Tipis aus Ästen und Blättern gebaut. Tim zeigt stolz seine Arbeit, die aus Sicherheitsgründen selbstverständlich mit einer Schranke in Form eines clever platzierten Astes geschützt ist. Der Zehnjährige verbringt schon zum vierten Mal die Ferien im Brückenkopfpark und ist immer noch enthusiastisch bei der Sache.

Während er und seine Freunde ihr Lager um einen Garten mit Tisch und Stühlen erweitern, gibt Gruppenleiterin Esser-Hortmanns ihr Wissen über Bäume und Pflanzen weiter. Ausgestattet mit Bleistift und Papier pausen die „Waldkinder“ die Rinde und die passenden Blätter von Bäumen ab. Esser-Hortmanns hilft bei der Bestimmung der Art. „Zur Sicherheit habe ich einen Baumführer dabei“, lacht sie. Der kommt allerdings nicht zum Einsatz.

Kaum sind die mit Namen und Baumart versehenen Kunstwerke fertig, geht es an das nächste Projekt. Auch die Freundinnen Mariella, Mia und Jana wollen ein Tipi bauen, und zwar ein ganz schön ambitioniertes. Mit vereinten Kräften stemmen sie die größten der herumliegen Stämme in die Höhe, um sie als tragende Balken für ihr Häuschen anzuordnen. Baumstümpfe dienen als Sitzgelegenheit.

„Ich glaube nicht, dass ich von selber auf die Idee gekommen wäre, im Wald spielen zu gehen“, sagt die elfjährige Jana während sie am Eingang des Tipis arbeitet. „Es macht viel Spaß.“ Gemeinsam überlegen die drei, was sie am Nachmittag unternehmen wollen, denn nach dem Mittagessen können sich die Kinder an verschiedenen Stationen im Park austoben. Bogenschießen wollen die drei ausprobieren, aber auch die Ziegen füttern steht hoch im Kurs. Zunächst geht es aber auf den Waldspielplatz einige Wegbiegungen weiter. Hier warten kleine Kletterparcours, Rutschen und Schaukeln auf die „Waldkinder“.

Die Kinder helfen dem Wald aber auch, indem sie achtlos weggeworfenen Müll finden und entsorgen. Foto: ZVA/Kim Statzner

Eine weitere Gruppe verlässt gerade den Spielplatz. Sie sind mit Betreuer Jürgen Kesterke auf einer ganz besonderen Spurensuche. Denn überall auf ihrem Weg hat er im Vorfeld kleine Gegenstände, wie Stofftiere, Plastikhütchen oder Tennisbälle versteckt. „Wir haben gestern beim Tipi-Bauen gemerkt, dass im Wald Müll abgelegt wurde“, berichtet er. „Eine Tüte mit alten Videokassetten haben wir unmittelbar hinter dem Zaun gefunden und an einigen Stellen liegen Flaschen herum.“ Deshalb, so erklärt er seine Idee, wolle er die Wahrnehmung der Kinder mit dieser Übung schulen und gleichzeitig Müll, den sie im Gebüsch finden, entsorgen.

Dem Wald helfen

Für die „Waldkinder“ ist die Suche ein großer Spaß. Aufgeregt rennen sie den Weg herunter, wollen natürlich die ersten sein, die etwas finden. Paul hat schon drei Sachen aufgespürt, keine davon hat der Betreuer versteckt: „Eine Folie, eine leere Saftflasche und so ein Stück von einer Chips-Verpackung“, berichtet der Zehnjährige stolz. Dass so etwas in den Müll und nicht in die Natur gehört, wissen die „Waldkinder“. „Das schadet der Umwelt“, erklärt Daniel prompt.

Auf dem Spielplatz meldet sich langsam der Hunger und die Gruppen machen sich auf den Weg aus dem Wald. Das Programm geht für die Kinder der Ferienspiele noch bis Freitag weiter. Bis dahin warten Ausflüge, Workshops und natürlich viel Zeit zum Spielen im Jülicher Brückenkopfpark auf die frischgebackenen Wald-Experten.

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