Innenstadt umkrempeln: Die nächste „neue Mitte“ entsteht in Titz

Innenstadt umkrempeln : Die nächste „neue Mitte“ entsteht in Titz

Die Gemeinde Niederzier hat schon eine. Und die Stadt Linnich bekommt gerade so etwas wie eine „neue Mitte“ mit allen Maßnahmen des Integrierten Handlungskonzeptes. Auch Jülich will die Innenstadt umkrempeln.

Da macht Titz keine Ausnahme, auch wenn dort die großen Pläne unter dem Namen „Primus-Quartier“ am Ortsrand vorgesehen sind. Werden sie Realität, dann hat dieser Bereich für die Gemeinde mit Supermärkten, Primusschule, fünfgruppigem Kindergarten, Sporthallen, Hallenbad, neuen Ein- und Mehrfamilienhäusern sowie einer neuen Sportanlage eine zentrale Funktion.

Ausgangspunkt dieser Entwicklung war eigentlich die Absicht der Gemeinde, das bestehende Nahversorgungszentrum mit Aldi und Edeka zu erweitern und künftig auch großflächigen Einzelhandel mit über 800 Quadratmetern Verkaufsfläche zu ermöglichen. Einfach so geht das nicht, „das ist stark reglementiert“, erklärte Beigeordneter Stephan Muckel im Haupt- und Finanzausschuss. Dazu muss ein Einzelhandelskonzept erstellt werden, das einen zentralen Versorgungsbereich abbildet. Genau das wurde dem Gremium am Dienstagabend vorgestellt und einstimmig empfohlen, der Gemeinderat entscheidet bereits heute (19 Uhr, Ratssaal).

Notwendig war zudem eine Kaufkraftanalyse. Die Kaufkraftbindung liegt laut Gemeindeverwaltung bei 62,7 Prozent und zeige auf, dass „in der Landgemeinde Titz deutlich weniger Umsätze getätigt werden als Kaufkraft vorhanden ist. Ein erheblicher Teil der Kaufkraft fließt somit in benachbarte Kommunen ab“. Dieses Ergebnis ist somit auch als Nachweis für den Bedarf eines vergrößerten Nahversorgungszentrums in Titz zu verstehen.

Ein- und Mehrfamilienhäuser

In den Gesprächen mit der Bezirksregierung wurde schnell klar, dass das Vorhaben städtebaulich integriert werden müsse — und nicht einfach „angeflanscht“ werden kann. Sprich: Auch weitere Ein- und Mehrfamilienhäuser im Umfeld sind notwendig, um das Nahversorgungszentrum in den größten Ort der Kommune einzubinden. Das kann nur gelingen, wenn die heutigen Sportanlagen genutzt werden, die natürlich an anderer Stelle in der Nähe ersetzt werden müssen. Vorgespräche mit dem Sportverein hat es gegeben, erklärte Bürgermeister Jürgen Frantzen am Dienstagabend und fasste zusammen: „Bei einem guten neuen Standort wäre die Maßnahme auch im Interesse des Vereins.“

Qualitativ läuft das auf einen Kunstrasenplatz hinaus, denn durch die Titzer Jugend-Spielgemeinschaft mit Malefinkbach und Jackerath gibt es eine ganze Reihe von Mannschaften, die spielen und trainieren. „Es kann nur ein Platz sein, der eine höhere Nutzungsfrequenz verträgt“, deutete der Bürgermeister am MIttwoch auf Nachfrage der Redaktion in Richtung Kunstrasen.

Der Bürgermeister informierte zudem über einen Investor, der das neue Nahversorgungszentrum Titz realisieren möchte und schon Vorgespräche geführt habe. Derzeit vorgesehen seien unter anderem ein Discounter und ein Vollsortimenter mit gegenüber heute deutlich vergrößerter Verkaufsfläche, und ein Drogeriemarkt. Auch wenn keine Namen genannt wurden, darf man wohl davon ausgehen, dass im Bereich der beiden SB-Märkte die heutigen Anbieter bleiben und sich vergrößern. Laut Verwaltungsleiter könnte auch eine Tankstelle in dem Gebiet errichtet werden. „Vielleicht auch Dienstleistungen und Gastronomie“, erweiterte am Dienstag Beigeordneter Muckel die Liste der Möglichkeiten.

Neben den Einkaufsgelegenheiten kommt es also auch zu Veränderungen im Bereich Wohnbebauung und Sportanlagen — das alles im Umfeld der Primusschule. Von daher gibt es hier eine Quartiersentwicklung und einen naheliegenden Namensgeber: also „Primus-Quartier“. Die „Planungen müssen ineinandergreifen und werden in einem Masterplan für das gesamte Quartier zusammenfließen, der im Dialog mit allen Beteiligten gemeinsam zu erarbeiten wäre“, kündigt die Verwaltung an. Der Titzer Rat dürfte das heute Abend anstoßen.