Blickpunktausstellung in der Zitadelle: Die kurze Blütezeit des jüdischen Sports in Jülich

Blickpunktausstellung in der Zitadelle : Die kurze Blütezeit des jüdischen Sports in Jülich

Der Jüdische Jugend-Verein Jülich wurde 1934 Pokalsieger im Faustball und bezwang Teams aus Köln, Düsseldorf und Mönchengladbach. Die Vereinigung bestand von 1919 bis zur Reichspogromnacht 1938. Dieser Geschichte widmet das Jülicher Museum Zitadelle nun eine besondere Ausstellung.

Als Blickpunktausstellung nämlich, die am Sonntag, 11. November, im Schlosskeller des Museums Zitadelle Jülich eröffnet wird, wird der Jüdische Jugend-Verein Jülich und seine Sportabteilungen in vielen Facetten gewürdigt. Der Verein verzeichnete einige große Erfolge in den 1930er Jahren. „Hakoah-Jülich westdeutscher Makkabi-Faustball-Meister“ – so lautete eine Schlagzeile in der Jüdischen Rundschau vom 17. August 1934. Der jüdische Sportverein aus Jülich hatte gegen Mannschaften des Makkabi-Verbandes aus Köln, Düsseldorf und Mönchengladbach gewonnen.

Schon seit 1926 bestand die Faustballmannschaft des 1919 gegründeten Jüdischen Jugend-Vereins in Jülich. Sein Ziel war die Vermittlung jüdischen Wissens und das Erleben einer jüdischen Gemeinschaft auch außerhalb des Gottesdienstes, wie es in der Ausstellungsankündigung des Jülicher Museums heißt. Daneben gab es von Anfang an auch gemeinsame Sportaktivitäten. Der Jülicher Jugend-Verein organisierte Wanderfahrten, und man traf sich wöchentlich bei Heimabenden. Seit 1927 konnte der Jugend-Verein für seine Treffen sein eigenes Vereinslokal in der Düsseldorfer Straße 27 nutzen. Vorsitzender des Jugend-Vereins war Hugo Voss.

In der Sportabteilung wurde sehr erfolgreich Faustball gespielt, daneben auch Tischtennis und seit ca. 1934 auch Fußball. Hier war der Bruder von Hugo, Hans Voss, Vorsitzender. Um auch an Turnieren teilnehmen zu können, schloss sich die Sportabteilung 1928 dem „Verband der jüdischen neutralen Turn- und Sportvereine“ (VINTUS) an. 1934 wandelte sich die Abteilung in den Sportclub „Hakoah“ Jülich um und trat dem Deutschen Makkabikreis bei – die jüdischen Sportverbände sahen sich aufgrund der staatlichen Repressionen zu einer Zusammenarbeit gezwungen, schreibt das Museum.

Noch im selben Jahr wurde die Faustballmannschaft Meister im Westdeutschen Makkabi-Verband.

1929 hatte der Verein einen Wanderpreis gestiftet, den die Jülicher Faustballmannschaft drei Mal gewann und der deshalb in Jülich verblieb. Er wurde von der Familie Voss bei ihrer Emigration mitgenommen. Als Joseph M. Voss, Sohn von Hugo Voss, 1996 seine alte Heimatstadt Jülich besuchte, schenkte er den Pokal zusammen mit einigen Fotos aus dem Leben des Jüdischen Jugend-Vereins dem Museum. Der Pokal und die Fotos bilden den Kern einer Blickpunktausstellung, die das Museum Zitadelle Jülich im Schlosskeller der Zitadelle zeigt. Ergänzend lassen Hörstationen mit Hilfe von zeitgenössischen Presseartikeln den sportlichen Alltag des Vereins lebendig werden.

Nach der Reichspogromnacht am 9. November 1938 endete die kurze Blütezeit des jüdischen Sports in Jülich. Die 80. Wiederkehr der Reichspogromnacht nimmt das Museum zum Anlass, den Sport als einen wichtigen Teil des vielfältigen kulturellen jüdischen Lebens in den Blick zu nehmen, das 1938 abrupt beendet wurde.

Die Ausstellungseröffnung mit Kurzvortrag und anschließender Führung ist am Sonntag, 11. November, um 11 Uhr in der Schlosskapelle.