Stetternich: Die Kunst gestickter Paradiesgärten

Stetternich: Die Kunst gestickter Paradiesgärten

Seitdem die Volksgruppe der Madan zu Beginn der 1990er Jahre aus ihrem angestammten Lebensraum in den irakischen Sümpfen vertrieben wurde, drohte eine einzigartige Kultur für immer verloren zu gehen.

Um die Folgen der Vertreibung zu mindern, die der damalige Diktator Saddam Hussein als Strafe für die Opposition der Madan gegen Ende des Golfkriegs angeordnet hatte, sammelt Rosemarie Kaufmann aus Stetternich Hochzeitsdecken dieses Volkes, dessen wenige Überlebende inzwischen über den gesamten Globus verteilt sind.

„Diese Decken oder Teppiche sind in ihrer Machart nirgendwo anders zu finden”, sagt die anerkannte Fachfrau für alles, was mit hochwertiger Wolle zu tun hat und weist auf die faszinierende Kombination geometrischer und organischer Formen oder auf die stilisierten sich ständig wiederholenden Mensch- und Tiermotive hin.

Angefertigt werden die Kultwerke, indem die Frauen oft in gemeinschaftlicher Arbeit die Motive mit Wollgarn auf wollenen Köpergrundgeweben sticken.

Die überwiegende Farbe der Stickwolle ist Rot, angefangen vom reinen kräftigen Grundton hin zum hellen, changierenden Rotbraun oder zum Violett. Der Brauch der Madan sieht vor, dass keine Hochzeit ohne eine eigens für das Paar hergestellte Decke für das Ehebett stattfinden soll.

Seit Jahrtausenden hat sich diese Sitte nahezu unverändert fortgesetzt, bis die Regierung 1970 begann, das Lebensgebiet des Stammes, die nur mit einem Kanu zu erreichenden Sümpfe im Südirak, zu entwässern.

„Es darf nicht sein, dass ein solch wertvolles Kulturgut in absehbarer Zukunft für immer verloren sein wird, wenn es so weiter geht”, beschreibt Rosemarie Kaufmann ihren Antrieb, mit einer Ausstellung in ihren Räumlichkeiten darauf hinzuweisen.

Ihre größte Hoffnung ist, darüber und über intensive Öffentlichkeitsarbeit einige der Frauen zu finden, die die Kunst der „Gestickten Paradiesgärten” noch heute beherrschen. Angedacht ist ebenso die Erstellung eines Buchs über die Zeugnisse der verschwindenden Kultur.

Zu besichtigen ist die Ausstellung in Stetternich nach Absprache unter Tel.: 02461/54735.

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