Jülich: Die Juliacum Brassers nehmen ihr Publikum in die Mitte der Musik

Jülich : Die Juliacum Brassers nehmen ihr Publikum in die Mitte der Musik

„Es macht richtig Spaß, für euch zu spielen, weil ihr so aufmerksam zuhört und so begeistert klatscht“. So brachte Trompeter Martin Schädlich aus dem stets gut gelaunten Blechbläserquartett „Juliacum Brassers“ die Resonanz des ersten Familienadventskonzerts in der Jülicher Sales-Kirche einen Tag vor Heiligabend auf den Punkt.

Aus Anlass ihres zehnjährigen Bestehens stimmten die vier leidenschaftlichen Vollprofis in einem zusätzlichen Konzert auf die Festtage ein, nämlich nachmittags „für die Leute, die nur früh kommen können“, wie Johannes Meures es ausdrückte.

Die Kinder hatten überhaupt das große Los gezogen. Kindgerecht wurden die Stücke anmoderiert und sie waren eingeladen, jederzeit während des beschwingten Konzerts auf den würfelförmigen Kissen direkt vor der Bühne Platz nehmen und die funkelnden Blechblasinstrumente aus der Nähe in Augenschein zu nehmen.

Feierlich stimmten Posaunist Johannes Meures, die Trompeter Klaus Luft und Martin Schädlich und Hornist Andreas Trinkaus mit der „Fuga“ aus den „Turmsonaten“ des barocken Trompetenvirtuosen Johann Gottfried Reiche in das Konzert ein. Einen besonderen Klang-Effekt erreichten sie mit dem Positionieren in den vier Eckpunkten des Gotteshauses um ihr Publikum herum.

Die Suche nach dem Licht

Zwischen den schwungvollen Vorträgen des Bläserquartetts wurden Adventslieder wie „Tochter Zion“ oder „Vom Himmel hoch“ gemeinsam mit dem Publikum angestimmt. In letzterem warfen sich die vier Profis reihum einen imaginären musikalischen Fetzen zu. Der erste Bläser stand auf, um den Aspekt musikalisch umzusetzen und gab ihn an den nächsten weiter, der wiederum aufstand… Im tollen Vorspiel der Blasinstrumente zu „die Nacht ist vorgedrungen“ konnten die vielen Gäste im Geiste die angstvolle Suche im Dunkeln nach dem Licht mühelos nachvollziehen.

Einen Bezug zur „Tochter Zion“ hatte die im Anschluss gespielte „Paraphrase“ aus Händels „Judas Maccabaeus“. Der französische Organist und Komponist Félix Alexandre Guilmant hatte die Händelsche Melodie zu „Tochter Zion“ im 20. Jahrhundert in ein romantisches Orgelstück in mehreren nachvollziehbaren Abschnitten verarbeitet. Sie kommt nach einer zweigeteilten Fugato-Passage mit einem imposanten Grandioso zum Abschluss.

Zum Repertoire zählten auch Werke der ungarischen Komponisten Zoltán Kodály und Béla Batok, von letzterem stammen die „Drei ungarische Volkslieder aus Csík“, nämlich „Der Pfau“, „Der Rummelplatz“ und „Weiße Lilie“. Im Dreitonrhythmus „5.6.5.3“ hatte Klaus Luft Elemente aus Weihnachtsliedern, einem Marsch und einem Karnevalslied „verwurstet“, also in ein Medley verwandelt. In „Leise rieselt der Schnee“ in einem Arrangement von Ekhart Wycik verwandelte Meures‘ Posaune die Akkorde in dahinschmelzende Schneeflocken. Besonders viel Improvisationsfreude empfanden die Bläser bei „Jingle Bells“ vom James Lord Pierpoint, wo man „mit seinen Instrumenten machen kann, was man will“.

Auch die erste Zugabe „Kling Glöckchen“ war eine geniale „Verwurstung“ der kreativen Blechbläser. Weil der Applaus nicht enden wollte, spielten sie als allerletzte Zugabe „Ihr Kinderlein kommet“ und gaben damit Hoffnung auf eine zweite Auflage im nächsten Jahr.

(ptj)