Rathausstürmung im Jülicher Land: Die Gelbwesten und ein Orden aus Jamaika

Rathausstürmung im Jülicher Land : Die Gelbwesten und ein Orden aus Jamaika

Die Bürgermeister sind entmachtet – ab sofort regieren die Jecken im Jülicher Land. Im Rathaus der Herzogstadt zielte das Motto zwar auf den Sanierungsstau im Verwaltungsgebäude, doch Bürgermeister Axel Fuchs hatte eine launige Antwort auf die Schelte.

„Da ihr dadurch alle fit werdet, verschieben wir die Reparatur bis 2021“, erklärte er augenzwinkernd, bevor ihn die wahren Stars des Tages entmachteten: Kinderprinzessin Lisa (Sußmann), Prinz Jan (Schlader), Bauer Jonas (Schlader), die Pagen Jule (Sußmann), Talina (Schoppe), Calvin (Schoppe) schworen ihr Volk mit Fastelovendsliedern auf den Straßenkarneval ein. Da musste Fuchs den Rathausschlüssel strecken.

Nach Jahren der symbolischen Rathausstürmung im Festzelt, ergriffen die Titzer Möhnen in der Aula der Primusschule die Macht. Bürgermeister Jürgen Frantzen hatte keine andere Chance, als sich der geballten Frauen-Power zu ergeben. Der Herrscher der Landgemeinde genoss zum Beginn des karnevalistischen Interregnums der jecken Wiever seine neue Rolle als Rocker. Das Kernstück seiner in Reimen vorgetragenen Botschaft wurde mit jeder Wiederholung lauter bejubelt.

Inden gehört für fünf Tage dem Karneval. So auch der Schlüssel zur Gemeinde, der von Burgprinzessin Uta Esser-Bardenheuer, ihrem Junker Willi Bardenheuer, Zofe Vera Prix von der KG Frenzer Burgnarren sowie der KG Lustige Jonge Inden/Altdorf, der KG Echte Fröngde Lamersdorf und dem Lucherberger Carnevals Club erbeutet wurde.

Ralf Claßen nahm in Aldenhoven sogar den ominösen Orden der Turmschwalben entgegen. Foto: Wolters

Zuvor war, als die Gesellschaften vor den bereits geöffneten Türen des Rathauses warteten, Bürgermeister Jörn Langefeld im Jamaika-Kostüm mit dem großen goldenen Schlüssel nach vorne getreten. Er freute sich auf die „große Sache für den kleinen Ort“. Nach kurzem Geplänkel um den Schlüssel gehörte dieser der Burgprinzessin und damit der fünften Jahreszeit.

Eine Schlüsselparade präsentierten vor dem Aldenhovener Rathaus die Vertreter der fünf KG aus Niedermerz, Schleiden, Dürboslar, Siersdorf und Aldenhoven, die Bürgermeister Ralf Claßen kaum bedrängen mussten, um jeweils einen Goldenen Rathausschlüssel zu erhalten. Nach der viel zitierten „Ordensaffäre“ gab sich Claßen versöhnlich und ließ Dichter für sich sprechen: „Der beste Platz für Politiker ist das Wahlplakat. Dort ist er tragbar, geräuschlos und leicht zu entfernen“, hielt er es selbstironisch mit Loriot.

In Inden strebt Jörn Langefeld neuerdings eine Jamaika-Koalition an. Foto: Mira Otto

Außerdem zitierte er Reiner Schmelzer und dessen Gedicht zu „Aldenhoven am Merzbachstrand“: „Freies Wort an Karneval, so soll’s hier gelten und überall“, ist hier gereimt, und weiter: „Lasst die Streitereien sein, dann ist es auch wieder schön, ein Bürger dieses Orts zu sein“, schließt es. Da gab es Beifall der Jecken, bevor Carina Brusius aus dem Vorstand der Turmschwalben dem Bürgermeister den ominösen Orden um den Hals legte.

Pünktlich um 11:11 Uhr öffnete auch Marion Schunck-Zenker die Rathauspforten in der Stadt Linnich. Den Rathausschlüssel nahm anschließend Tanzmariechen Clara vom AKV entgegen. „Du darfst heute hier die Chefin sein“, sagte Schunck-Zenker zu der siebenjährigen Tänzerin. Die Bürgermeisterin blickt dem Höhepunkt der Session mit Vorfreude entgegen und freut sich schon auf die Umzüge in den verschiedenen Ortschaften.

In Titz stellt Jürgen Franzen klar, dass er der oberste Rocker ist. Foto: Silvia Jagodzinska

Beim 47. närrischen Empfang des Kreises Düren hieß Landrat Wolfgang Spelthahn bereits am Mittwoch vor Weiberfastnacht die Tollitäten von 69 Vereinen und Gesellschaften willkommen. Unter dem Motto „Deutsch-russische Partnerschaft levve mer im Kreis Düren – dröm loss uns dat Band der Fründschaff wigger schnüre“ schunkelten, tanzten und sangen sich die Gäste für den Start in den Straßenkarneval warm.

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