Niedermerz: Die Eigentümer müssen zahlen

Niedermerz: Die Eigentümer müssen zahlen

„Grabe, wo du stehst!” Diese Aufforderung hat Ferdinand Schmidt, der Hobby-Archäologe und Grabungstechniker aus Aldenhoven, der Abhandlung über seine erdgeschichtlichen Ermittlungen in seiner Heimatgemeinde vorangestellt.

Dieser Ausspruch soll zu einer Auseinandersetzung mit der lokalen Geschichte ermutigen. Sie soll neugierig machen kennenzulernen, unter welchen Verhältnissen unsere Vorfahren gelebt haben. An vielen Stellen in der Gemeinde Aldenhoven hat der Untergrund Zeugnis über die Vergangenheit abgelegt.

Nicht nur im Bereich des Braunkohlen-Tagebaus sind Artefakte gefunden worden, sondern auch an beiden Seiten des Merzbaches, der von Kinzweiler kommend das Gemeindegebiet durchfließt. Uralte Zeugnisse, beginnend im Mittelalter über die Römerzeit bis viele tausend Jahre zurück wurden zutage gefördert - Funde, denen ein hoher wissenschaftlicher Rang zugeschrieben wird.

Dort wo derartige Funde vermutet werden, treten die Archäologen auf den Plan, um Dokumente über die Frühgeschichte zu sammeln. Rechts und links des Merzbaches von den abgebaggerten Ortschaften Laurenzberg, Langweiler, Obermerz über Niedermerz und Aldenhoven hinaus hat Ferdinand Schmidt viele derartiger Zeugnisse entdeckt, die von der Universität Köln als besonders bemerkenswert eingestuft worden sind. Wegen der Vielzahl und Bedeutung der Funde wurden seinerzeit die „Siedlungsarchäologie der Aldenhovener Platte (SAP)” gegründet und ein Forschungsunternehmen gestartet, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und RWE Power unterstützt wird.

Bandkeramisches Gräberfeld

Ein 1969 am Westrand von Niedermerz entdecktes bandkeramisches Gräberfeld hat die Archäologen besonders sensibilisiert. Folge ist, dass bei Erdarbeiten im Zuge von Baumaßnahmen die Bodenfachleute auf den Plan treten - zum Leidwesen von Grundstückseigentümern oder Bauwilligen; denn sie zahlen die Kosten der Bodenuntersuchung. Diese sind schon erheblich, wie Grundstückseigentümer Hans Nelles überzeugend darlegte. Als vor zwei Jahren auf seinem Grund und Boden am Ende der Langweiler Straße einige Bauten errichtet wurden, sind die Archäologen fündig geworden. Nun soll die Bebauung in nördlicher Richtung fortgesetzt werden für zehn weitere Baugrundstücke und die begonnene Stichstraße entsprechend verlängert werden. Der Eigentümer des Ackerlandes, der die Aufstellung eines Bebauungsplanes in Auftrag gegeben hat, hat über das Rheinische Amt für Bodendenkmalpflege die Untersuchung der künftigen Bebauungsfläche in Auftrag geben müssen. Die Firma Archeonet aus Bonn untersucht zurzeit mit Bagger, Putzerkelle und Pinsel eine Fläche von etwa 6000 Quadratmetern.

Römischer Ziegelbruch

In den etwa sechs Wochen der Buddelei wurde Ziegelbruch gefunden. Es sind Reste, die auf eine römische Siedlung schließen lassen, aber auch Stücke, die aus römischen Holzbauten stammen. Etwas tiefer kamen Relikte aus der Eisen-, Bronze- und sogar aus der Steinzeit zutage. Fachleute ordneten sie den Bandkeramikern zu.

Nachdem Funde und Fundstellen fotografiert und dokumentiert sind, wird das Gelände freigegeben. Architekt Herbert Ings aus Aldenhoven, der den Bebauungsplanentwurf aufgestellt hat, geht davon aus, dass der Plan vom Rat beschlossen und nach Genehmigung Rechtskraft erlangen wird. Alsdann würde einer Bebauung nichts mehr im Wege stehen.

Der Grundstückseigentümer stellt sich indes die Frage, ob es gerechtfertigt ist, dass nur er die Kosten zu tragen hat, die letztlich nicht ihm, sondern nur der an den historischen Vorgängen interessierten Allgemeinheit dient.