Die „Bühne 80“ probt ihr neues Stück „Die Dinner Party“

Jülich : Improvisation für den großen Auftritt

Es geht um Beziehungen, Gefühle, Scheitern und Spannungen im Stück „Die Dinner Party“ von Neil Simon, mit dem das beliebte Theaterensemble „Bühne 80“ am 30. März Premiere feiert, und zwar im Mädchengymnasium Jülich. Regisseur ist Dr. Christoph Fischer.

Was auf den ersten Blick wie ein leicht skurriles Unterhaltungsprogramm anmutet, entpuppt sich als zwischenmenschliches Geflecht mit einem Hauch Tragik. „Wir wollten mal was anderes machen“, betonte Evelyn Wirtz, die in der „Dinner Party“ die Geschäftsfrau Gabrielle Buonocelli spielt und im Ensemble-Team zudem als Grafikerin, für Requisite und Bühnenbau zuständig ist. „Für uns als Schauspieler ist es diesmal anspruchsvoller“, setzte sie nach – völlig zu recht, wie die Proben im Roncalli-Haus beweisen.

Überzeugen durch Körpersprache

Das Stück hat wenig Action und verfügt über minimalistische, aber prägende Requisiten. Die sechs Darsteller überzeugen durch Körpersprache und Sprechweise. Der als „König des Broadway“ verstorbene Dramatiker Neil Simon, dessen Stücke die „Bühne 80“ bereits mehrmals inszenierte, ist für seine Mischung aus rasantem Wortwitz und Tiefsinnigkeit berühmt. „Die Dinner Party“ entpuppt sich als Abendessen in unerwarteter Gesellschaft in einem erstklassigen Restaurant in Paris.

Nacheinander treffen sechs Gäste ein, die der Einladung des renommierten Anwalts Paul Gerard gefolgt sind. In der Reihenfolge ihrer Auftritte sind das Lebemann und Antiquar Claude Pichon (Sascha Massmann), der sehr skurril wirkende Autohändler und Künstler Albert Donay (Jens Range), der sehr selten Abendgesellschaften aufsucht, und der erfolgreiche Geschäftsmann André Bouville (Albert Junker).

Viele Verstrickungen

Sie kennen sich nicht und beschäftigen sich mit der Analyse der mysteriösen Einladung. Gemeinsamer Nenner ist der vermeintliche Gastgeber, der Rechtsbeistand aller Eingeladenen. Mit dem Auftauchen der Damen, Bestsellerautorin Mariette Levieux (Birgit Bergk), der naiven Romantikerin Yvonne Fouchet (Claudia Cormann-Wiersch) und der Geschäftsfrau Gabrielle Buonocelli (Evelyn Wirtz) erkennt das Publikum nach und nach die Verstrickungen ihrer Beziehungen.

„Ich muss sagen, ich habe in meinem Leben noch nie ein solches Gespräch geführt“, ein Satz, den Mariette an Albert richtet, ist in diesem Zusammenhang richtungsweisend. Hinter dem Namen Paul Gerard versteckt sich der echte, zuvor für tot erklärte Gastgeber, der großes Interesse daran hat, die Gäste in dieser Formation zusammenzubringen. Eine Vielzahl spannender Denkanstöße münden schließlich in einem nicht ganz freiwilligen Spiel mit vielen Widersprüchlichkeiten und unverhofften Entscheidungen, in dem es nicht nur Gewinner gibt.

Neun Wochen vor der Premiere haben die sechs Darsteller das ganze Stück schon komplett durchgespielt und sind erstaunlich textsicher. „Jetzt haben wir Zeit, die Details auszufeilen“, freute sich Wirtz. Das Ensemble begann im Oktober mit den Proben, zunächst ein Mal wöchentlich. Seit Januar proben die Akteure zwei bis dreimal die Woche, jeweils mittwochs und freitags und manchmal zusätzlich sonntags.

Spontanes Spiel

Ein nettes Detail bei den Proben sind die Improvisationsübungen zum Aufwärmen auf Anregung der Souffleuse und Regieassistentin Lea Wiersch. Sie gibt etwa vor: „Bayern 1:0 gegen Schalke“, „Birgit hat eine Fünf in Mathe“ oder „Die Milch ist sauer“, wobei die Akteure ein spontanes und lebendiges Spiel entstehen lassen. Erwähnenswert ist zudem das selten aufgeführte Team hinter den Kulissen der „Bühne 80“. Regieassistentinnen und Souffleusen sind Jana Büchsenschütz und Lea Wiersch. Matthias Scheidt und Thorsten Bergk sorgen für den Bühnenbau, Christopher und Philipp Hardt für die Requisite, Sonia Stump für die Maske. Programmheft, Plakat, Flyer und Eintrittskarten designt Evelyn Wirtz, um die Anzeigenakquise kümmern sich Claudia Cormann-Wiersch und Evelyn Wirtz. Techniker und Beleuchter ist Stefan Bergk, Kassiererin Elvira Scheidt.

Einige unter ihnen fungieren als „Dummys“, sie ersetzen auf Abruf verhinderte Kollegen bei den Proben. So spielte Jana Büchsenschütz mit Textblatt in Händen anstelle der abwesenden Claudia Cormann-Wiersch die naive Romantikerin Yvonne Fouchet.

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