Jackerath: Die A44n: Zu Besuch auf einer Autobahn, die es noch nicht gibt

Jackerath: Die A44n: Zu Besuch auf einer Autobahn, die es noch nicht gibt

Rund um das neue Autobahnkreuz Jackerath sieht fast alles fertig aus. Das haben 20 Leser unserer Zeitung festgestellt, die an einer exklusiven Führung über das rund 100 Millionen Euro teure Straßenbauprojekt teilgenommen haben. Aber je mehr sie sich Kreuz Holz näherten, desto mehr Baustelle bekamen sie bei der Ausfahrt über den noch gesperrten Abschnitt zu sehen.

„Da haben Sie aber noch einiges vor“, sagt einer der Leser in Richtung von Hans-Werner Seul, Bauingenieur bei Straßen.NRW. Er koordiniert den Neubau von Kreuz Jackerath und führte die Leser über die größte Baustelle der Region. Seit 2012 wird hier gearbeitet. Die Planungen haben 2000 begonnen. Ende Juni soll der neue Abschnitt der Autobahn 44 teilweise für den Verkehr freigegeben werden.

„RWE hat den Tagebau an der Stelle, an der Dreieck Holz neu entsteht, erst Ende 2016 verfüllt. Wir konnten da erst sehr spät mit den Baumaßnahmen beginnen“, erklärte Seul, warum drei Wochen vor der Teileröffnung noch viel zu tun ist rund um das neue Kreuz Holz. Der Straßenbau müsse sich komplett nach dem Takt von RWE richten. Deswegen sei nicht viel Zeit geblieben für Kreuz Holz. Und die Uhr ticke hörbar für die Trasse der A61 zwischen Jackerath und Wanlo. Die Bagger des Tagebaus Garzweiler sollen sie noch in diesem Jahr fressen.

„Ich bin aber zuversichtlich, dass wir in drei Wochen fertig sind“, sagte Seul. Er erklärte den Lesern, was zwischen Jackerath und Wanlo passiert und warum.

Rund 100 Millionen Euro kosten der neue Abschnitt der A44, das neue Kreuz Jackerath und der Rückbau des Dreiecks Jackerath. 98 Prozent der Kosten trägt RWE als Verursacher, für zwei Prozent kommt der Bund auf, weil das künftige Kreuz Jackerath etwas größer angelegt wird als aktuell notwendig. Die A61 verschwindet in diesem Jahr zwischen Jackerath und dem Kreuz Wanlo, der Weg über Wanlo nach Venlo führt von Koblenz und Aachen aus ab Ende Juni über die neue A44 über das ebenfalls neue Dreieck Holz. Ende August wird dann auch die Fahrtrichtung von Venlo nach Aachen über die A61 gesperrt und führt über das neue Dreieck Holz.

„Für das neue Kreuz Jackerath waren ursprünglich 50 Millionen Euro Kosten vorgesehen, jetzt sind es 60 Millionen geworden“, erklärte Seul. Das sei durchaus im Rahmen, vor allem, wenn man die Baupreisentwicklung bedenke, die in den vergangenen Jahren um 30 Prozent zugelegt habe. Dann seien da noch die Archäologen gewesen, für die ursprünglich 50.000 Euro Kosten eingeplant gewesen seien. „Die haben immer mehr gefunden, Gräber aus der Merowinger-Zeit, eine römische Hofanlage. So wurden aus 50.000 eine Million Euro“, schilderte Seul.

Ein Damm mitten im Tagebau

Gestaunt haben die Leser auch über die Trasse der neuen A44, die aus Richtung Aachen in drei Wochen freigegeben wird. Sie verläuft auf einem Damm, den RWE mitten im Tagebau Garzweiler aufgeschüttet hat, auf bis zu 195 Meter Höhe und zwei Kilometern Breite. Südöstlich davon schütten riesige Ableger Teile des Garzweiler Tagebaulochs wieder zu, nordwestlich des Damms wächst der Tagebau weiter, nach derzeitigen Plänen bis zum Jahr 2045. Und mittendrin sind landwirtschaftliche Flächen und eine Autobahn da entstanden, wo vorher ein Tagebauloch klaffte.

Übrigens, so erklärte Seul, gebe es Pläne, dass die bald verschwundene A61 zwischen Jackerath und Wanlo wieder gebaut werden soll. „Ab 2035. Das ist der Zeitplan. Konkrete Baupläne gibt es aber noch nicht“, sagte Seul. Nach dem Großprojekt ist vor dem Großprojekt.

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