Dichter Thomas Holzapfel aus Jülich im Porträt

Dichter Thomas Holzapfel : Klare Worte statt großer Metaphern

Thomas Holzapfel hat sich der schnörkellosen Poesie verschrieben. Seine Werke soll man nicht interpretieren müssen, weil man sie sofort versteht, das ist dem aus Jülich stammenden Dichter wichtig. Auch Ereignisse aus seiner Heimat verarbeitet er in diesem Stil.

Das Jülicher Nordviertel, eine Bäckerei mit angeschlossenem kleinen Café. Am hinteren Tisch sitzen sie vor belegten Brötchen und Kaffee: Siegfried Sühd, Herold Himmelfahrt, Bruno Brachland, Tomithy Holeapple und Tom de Toys. Tom de wer?? Alle fünf sind nur einer, nämlich bürgerlich Thomas Holzapfel, früher ein Junge aus dem Nordviertel, heute ein Künstler, ausgestattet aber nicht mit einer multiplen Persönlichkeit, sondern mit verschiedenen Künstler-Alias-Namen.

„Das hat mit meiner Kunst zu tun“, erklärt er, „und das ist die Lyrik. Sie sind ein Strukturelement, wie der Titel eines Gedichtes auch.“ Seit seiner Schulzeit am Gymnasium Zitadelle beschäftigt er sich mit Sprache, und hier vor allem mit Gedichten. „Lyrik ist eine Nische im deutschen Literaturbetrieb, und meine Lyrik ist eine Nische in der Nische.“ Denn sie ist besonders. Auf den ersten Blick leicht verwirrend, vielleicht sogar befremdend für diejenigen, die mit einem Gedicht Reime erwarten, Metaphern und genau die Frage, die seit Schulzeiten jeder kennt: Was will uns der Dichter damit sagen?

Mitten ins Herz

Deshalb ist der zweite Blick auf seine Gedichte erhellend: „Die meiste Poesie war mir zu kryptisch“, erklärt de Toys, „ich sehnte mich nach einer klaren, direkten Sprache, die mitten ins Herz trifft. Und das fand ich unter den klassischen Lyrikern nicht.“ Also begann er selbst zu schreiben, arbeitete gegen diesen, wie er es nennt „germanistischen Etikettenschwindel“ aus Schwulst, Schwurbel und der vieldeutigen Bedeutungslosigkeit.

Seit seinen Anfängen sind eine ganze Reihe von Lyrikbänden erschienen. Seine neue Anthologie hat er mitgebracht: „Fraglos leben“ heißt sie und enthält „55 Großartige Gedichte“. Das „Großartige“ sei keine Überheblichkeit, sondern eine ironische Replik an einen Rezensenten, der ein paar Jahre zuvor eine andere Veröffentlichung total verrissen hatte. „Dieser kleine Seitenhieb musste sein,“ schmunzelt Tom de Toys.

Er ringe mit der Sprache, um sein Ziel, billige Metaphysik und Metaphernwahn in der Lyrik außen vor zu lassen und stattdessen die Sicht auf die Außenwelt und die eigene Gefühlswelt schnörkellos auf den Punkt zu bringen. „Gedichte, die keiner versteht, sollte man eigentlich nur in der Pubertät schreiben, und zwar, weil man sich in dieser Phase selbst nicht versteht.“ Das ist eine glasklare Position, und er setzt noch einen drauf: „Ich werde meinen klaren, geheimnislosen Stil niemals ändern, nur um besser abzuschneiden im offiziellen Lyrikbetrieb.“

Natürlich könne er von seiner Kunst nicht leben, aber darum ginge es ihm ja auch nicht. Sie soll zum Nachdenken anregen, ohne lang und breit und möglicherweise auch falsch interpretiert zu werden.

„Fraglos leben“ enthält Kurzgedichte, Alltagsgedichte, Liebesgedichte, Metagedichte und ein echtes Quantengedicht. Ein was? Im Café schaut Tom de Toys seinen Vater an, Christian Holzapfel, seinerzeit im Forschungszentrum als theoretischer Physiker tätig. „Ja, mein Vater hat mich dazu inspiriert. Die Wissenschaft sucht nach der Weltformel, ich suchte nach dem absolut nicht interpretierbaren Gedicht, ähnlich wie Kasimir Malewitsch dies in der Malerei entwickelt hat, zum Beispiel mit seinem Schwarzen Viereck.“

Das sei vollkommene Abstraktion, und fügt hinzu, diese in die Lyrik übertragen zu haben. Eines davon ist im neuen Gedichtband zu sehen, und es ist nicht einfach lesbar. Die anderen aber durchaus. Eines davon ist hier in Jülich entstanden, als im vorigen Jahr die Herzogstadt vom Brand in der Zuckerfabrik aufgeschreckt wurde und Tom de Toys auch (siehe Kasten).