Deutsch als Fremdsprache an der VHS Jülicher Land

Integrationskurs : Fünf Einwanderer verfolgen ein Ziel

Deutsch als Fremdsprache an der VHS Jülicher Land: Für 25 Teilnehmer begann im Mai die berufsbezogene Deutschförderung nach Berechtigung oder Verpflichtung der Arbeitsverwaltung.

„Du hast so viele Leben, wie Du Sprachen sprichst“, besagt ein tschechisches Sprichwort. Viele erlernen Fremdsprachen aus einer Laune heraus, um die Weltliteratur im Original zu lesen, oder um den nächsten Auslandsurlaub bewusster zu genießen. Es ist ein intellektueller Luxus, den man sich gerne gönnt. Für Menschen, die darauf hoffen, in einem fremden Land ihr Leben glücklicher zu gestalten, oder für diejenigen, die plötzlich fern der Heimat leben müssen, ist es pure Notwendigkeit.

„Nach dem Zuwanderungsgesetz vom Januar 2005 ist die Teilnahme an einem Integrationskurs (Orientierungs- und Sprachkurs) Voraussetzung für eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis für Nichtdeutsche mit unzureichenden Deutschkenntnissen“, erklärt Claudia Schotte, Leiterin der Volkshochschule (VHS) Jülicher Land. Dieser Kurs endet nach insgesamt 700 Unterrichtsstunden mit einem Abschlusstest „Leben in Deutschland“ und einer Prüfung auf Sprachniveau B1, der dritten von sechs Niveaustufen (A1, A2, B1, B2, C1, C2). „Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass die Integrationskurse zum größtem Teil nicht besucht werden, weil die Menschen andernfalls nicht in Deutschland bleiben dürfen“, sagt Schotte, „vielmehr wollen sie die Sprache wirklich erlernen und hierzu alle Möglichkeiten ausschöpfen“.

Seit 2016 wird vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge unter der Voraussetzung eines B1-Abschlusses das Lehrprogramm „Berufsbezogene Deutschsprachförderung“ (DEUFÖ) angeboten. Nach 500 Unterrichtsstunden kann dieses mit dem Prädikat auf Sprachniveau B2 abgeschlossen werden. „In der Regel ermöglicht der B1-Kurs, sprachlich den Alltag in der neuen Umgebung problemlos zu meistern“, weiß Schotte, „doch für die Eingliederung in den Arbeitsmarkt oder den theoretischen Teil einer beruflichen Ausbildung ist das oft zu wenig“. Die in den vergangenen Jahren relativ hohe Durchfallquote bei Prüfungen beider Lehrprogramme erklärt sich für die VHS-Leiterin von selbst. „Es wird gerne gesagt, der Unterricht oder die Lehrer seien schlecht, doch diese sind sicher nicht schlechter geworden als in den Jahren mit einer höheren Erfolgsquote“. Der Ausgangspunkt der Teilnehmer sei heute ein anderer geworden. Sie kommen häufig aus nicht europäischen Bildungssystemen, sind nicht hundertprozentig lateinisch alphabetisiert und müssen oft das Erlebte zuerst verarbeiten.

Ende Mai hat für 25 Teilnehmer aus 14 Nationen der sechste DEUFÖ-Kurs an der VHS Jülich angefangen. Angestrebt wird das B2-Zertifikat im Dezember. Die VHS-Dozenten Vera Kosak und Helmut Kleinbauer gestalten den Unterricht. „Am Ende dieses Kurses sollten die Teilnehmer problemlos mit einem Muttersprachler über verschiedene Themen diskutieren können“, so Kosak, „ nicht nur über das Wetter, sondern zum Beispiel auch über den Klima- oder Strukturwandel in der Region“.

Fünf von ihnen wird die Redaktion im Kursverlauf begleiten und zunächst im September die bis dahin gewonnenen Eindrücke erfragen. Für alle gehört der Wunsch nach Austausch mit anderen Menschen neben der Verbesserung ihrer Sprachkenntnisse zu den wichtigsten Erwartungen an den Kurs.

Junfei Jia aus China studierte Nanobiophysik in Dresden und promovierte am Forschungszentrum Jülich (FZJ). „Ich kam nach Deutschland, weil das Land wissenschaftlich viel zu bieten hatte und ich die Welt sehen wollte“, sagt sie. Nach der Elternzeit hofft sie jetzt ihre Grammatik- und Schriftkenntnisse zu verbessern.

Für Saleh Mofleh endete der Krieg in Syrien im Jahr 2017, als er mit seiner Familie nach Deutschland kam. „Ich liebte meine Arbeit als Verkaufsleiter in Damaskus“, erzählt er, „wenn ich sie hier ausüben möchte, muss ich meine Sprachkenntnisse noch verbessern“.

Die Geologin Georgia Trantou lebte vor gut einem Jahr noch in Athen. Aus Liebe zu ihrem Verlobten und zur deutschen Sprache kam sie nach Jülich. „Ich möchte Deutsch so gut wie meine Muttersprache beherrschen“, gesteht sie lächelnd.

Sayed Sadat studierte Informatik an der Universität in Kabul und verließ Afghanistan vor einem Jahr. So schnell wie möglich möchte er die B2-Prüfung bestehen und auch den C1-Kurs besuchen.

Deutsch perfekt lernen möchte auch Shane O`Donovan aus Irland. „2018 bekam meine Frau als Wissenschaftlerin einen vierjährigen Vertrag am FZJ“, erzählt er, „da musste ich doch mitkommen“. Wie in Dublin möchte er hier im administrativen Bereich arbeiten, doch dafür langt sein Schuldeutsch noch nicht ganz.

(mavo)
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