Der Verein "GermAfrika Kompass" unterstützt Migranten im Kreis Düren.

Barrieren abbauen : Helfer im Bürokratiedschungel

Der Verein „GermAfrika Kompass“ setzt sich auf zivilgesellschaftlichem Wege für verbesserte Lebensbedingungen der Geflüchteten und Migranten im Kreis ein.

Im Kreis Düren leben zur Zeit, unabhängig vom Status, ungefähr 1500 Afrikaner subsaharischer Herkunft. Viele von ihnen müssen sich in ihrem Alltag mit kulturellen und sprachlichen Barrieren, fordernder Bürokratie und noch immer vielerorts anzutreffender rassistischer Diskriminierung auseinandersetzen. Seit nunmehr drei Jahren setzt sich „GermAfrika Kompass“ auf zivilgesellschaftlichem Wege für verbesserte Lebensbedingungen der Geflüchteten und Migranten im Kreis ein.

Die Initiative ging von den beiden heutigen Vorsitzenden Emmanuel Ndahayo und Jean-Jacques Badji aus. Gemeinsam mit 40 weiteren Gründungsmitgliedern stellten sie im August 2016 bei ihrer konstituierenden Sitzung einen im Wesentlichen drei Aspekte umfassenden thematischen Leitfaden auf.

Bei den wöchentlichen Treffen gehen die Mitglieder auf die persönlichen Fluchtursachen der Migranten ein, diskutieren die allgemeine und individuelle Lebenssituation der Menschen im Kreis und prüfen, wo in konkreten Fällen der Verein Perspektiven schaffen sowie Umstände verbessern kann. „Auf solche Fragen gibt es natürlich keine Ad-hoc-Lösungen oder einfache Antworten"“, ist sich Emmanuel Ndahayo bewusst.

„Aber wenn aufgrund von struktureller Diskriminierung Rechte nicht in Anspruch genommen werden können, muss darauf aufmerksam gemacht werden“. Der promovierte Sozialwissenschaftler und Grünenpolitiker im Kreistag sieht den Kreis Düren im Umgang mit der Problematik im Bundesvergleich allerdings gut ausgestattet. „Politik und Verwaltung haben die Missstände wahrgenommen. Auf allen Ebenen wird versucht, das Thema ernsthaft zu behandeln“, stellt Ndahayo mittlerweile fest.

Der vor 15 Jahren als junger Mann aus seiner Heimat Ruanda geflohene heutige dreifache Familienvater kennt die Nöte von Flüchtlingen und Migranten aus eigener Erfahrung. „Mir haben die hiesigen Strukturen und Rahmenbedingungen geholfen“, erinnert er sich. „Aber auch heute noch gibt es viel zu optimieren." Nach seinem abgeschlossenen Studium an der Universität Siegen entschloss er sich bewusst für eine private und berufliche Rückkehr in den Kreis Düren.

Während er die Behörden mittlerweile auf einem guten Weg sieht, mahnt er dennoch vor übereiltem Optimismus. Noch immer gebe es im Alltag vereinzelt verbale und auch physische rassistische Übergriffe. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm ein Angriff, bei dem ein Vereinsmitglied „krankenhausreif geprügelt“ worden ist und bis heute aufgrund dessen nur noch ein eingeschränktes Sichtfeld habe. Um Ressentiments, aus denen solche Taten hervorgehen, in der Gesellschaft zu bekämpfen, müsse die Öffentlichkeit gesucht und Stätten der Begegnung geschaffen werden.

In diesem Sinne initiierte der Verein, finanziert durch Spenden und Mitgliedsbeiträge, bereits mehrere erfolgreiche Veranstaltungen. Zuletzt „Glokal/19“, als man im Kulturbahnhof Jülich mittels einer wissenschaftlichen Vortragsreihe und eines eigens organisierten Fußballturniers eine Plattform für interkulturellen Austausch und Dialog schaffte.

Unter den Gästen befanden sich auch Jülichs Bürgermeister Axel Fuchs, Landrat Wolfgang Spelthahn sowie der Dürener Bundestagsabgeordnete Thomas Rachel. Alle drei Politiker waren sich einig im Lob über das zivilgesellschaftliche Engagement des Vereins und betonten dessen Notwendigkeit. Bürgermeister Fuchs sprach sich bereits für die nächstjährige „Glokal/20“ im Brückenkopf-Park aus.

„Der Verein will zu der gesellschaftlichen, ökonomischen und kulturellen Integration afrikanischer Migranten im Kreis Düren beitragen. Ziel ist, dass sie sich aus einer gewissen Passivität befreien und selbst Akteure werden“, erklärte Vereinssprecher Jean-Jacques Badji die Vereinsagenda am Rande der gut besuchten Veranstaltung.

„Wir bieten ‚Empowerment’, wir fördern die Selbstverantwortung“, fügte Ndahayo hinzu. Dieses äußere sich nicht darin, den Zugewanderten mit Geld auszuhelfen, sondern sie auf ihrem Weg zur organisatorischen und materiellen Selbständigkeit in einem fremden Land zu unterstützen. In konkret individuellen Fällen wird das sich immer weiter etablierende Vereinsnetzwerk verwendet, um Wohnungen oder passende Ausbildungsplätze zu finden. „Viele Afrikaner wollen irgendwann in ihre Heimat zurück, um einen Beitrag zur Entwicklung ihrer Städte, ihrer Dörfer zu leisten"“, so die Erkenntnis Ndahayos.

„Die notwendige Ausbildung erfahren sie hier, daher ist die Bereitschaft, sich in Deutschland zu integrieren und einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten, sehr groß.“ Er ist sich sicher, mit der Beseitigung von Berührungsängsten und Vorurteilen können Migranten und Einheimische im Kreis Düren in besondere Weise voneinander lernen und profitieren.

(jad)
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