Tagebau Inden: Der lange Weg von der Kante zum See

Tagebau Inden : Der lange Weg von der Kante zum See

Mit einem neuen Leader-Projekt wollen die Dörfer rund um den Indener Tagebau Ideen für die Zukunft entwickeln. Die Bürgerbeteiligung soll im Vordergrund stehen. Konkrete Themen stehen noch nicht fest.

Die Abbruchkante: Wie in Schophoven ist sie in vielen Orten rund um den Tagebau Inden ganz nah, in einigen Fällen sogar buchstäblich vor der Haustür. Das hat auf die Einwohner nicht nur direkte Auswirkungen wie Lärm und Schmutz, sondern bedeutet für die Menschen vor Ort auch meist, dass sie direkt vom Strukturwandel betroffen sind. Die geografische Lage an der Kante verbindet die Ortschaften Frenz, Lamersdorf, Lucherberg, Schophoven, Altenburg, Bourheim und Kirchberg und ihre Einwohner, weshalb man nun im Rahmen eines Leader-Projektes zusammen an Lösungen für die Zukunft arbeiten möchte.

Denn der Weg von der Kantenlage zur Strandlage, an einem Indener See statt einem Indener Tagebau, ist noch weit. Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU) betonte bei der Vorstellung des Projektes am Mittwoch, dass die Chancen dieses Prozesses im Vordergrund stehen sollen: „Ich glaube, wir sind gerade der spannendste Raum in Deutschland.“ Bei dessen Gestaltung sollen die Bürger aktiv mitwirken, das ist einer der Grundgedanken des EU-Programms Leader. Das gilt auch für das neue Projekt „Dörfer an der Kante“, das von der Europäischen Union mit 39.325 Euro gefördert wird.

Der Startschuss fällt Anfang November mit zwei Bürgerforen in Frenz und Altenburg. Alle Bürger der betroffenen Ortsteile sollen im Vorfeld eine Einladung zu diesen jeweils zweistündigen Treffen in ihren Briefkästen finden. Die Veranstaltungen bauen auf den Dorfkonferenzen auf, die zwischen 2014 und 2018 in sieben der acht Orte durchgeführt wurden. Dort haben Bürger bereits Themenfelder und Wünsche für die zukünftige Entwicklung ihres Ortes gesammelt und in Berichten zusammengefasst.

Vertreter von Kommunen und die Ortsvorsteher der betroffenen Dörfer waren bei der Vorstellung des neuen Leader-Projektes „Dörfer an der Kante“ im Kreishaus in Düren positiv gestimmt. Foto: Kim Statzner

Nun sollen sich zwölf Arbeitsgruppen zusammenfinden, die diese und neue Vorschläge dann ab Januar 2020 für den Projektzeitraum von einem Jahr bearbeiten. Martina Klöhn von der Weyer-Gruppe Düren, die „Dörfer an der Kante“ begleiten wird, erklärte: „Es ist wichtig, in diesem Prozess auch Projekte auf den Weg zu bringen, die schnell zu realisieren sind.“ Während die Ergebnisse aus den Dorfkonferenzen, wie Spelthahn betonte, zwar direkt in die Prioritätenlisten der Politik eingeflossen seien, bräuchten Großprojekte wie Bauvorhaben oder eine Neustrukturierung des öffentlichen Personennahverkehrs, wie sie Anfang des Jahres im Kreis in Kraft treten wird, ihre Zeit.

 Um Frust bei den Bürgern vorzubeugen, soll es im aktuellen Projekt auch kurzfristig konkret werden. „Man kann nicht erwarten, dass die Menschen sich engagieren und dann nichts kommt“, war sich auch Martin Schulz, Beigeordneter der Stadt Jülich, sicher.

Konkrete Themen noch unklar

Die bei der Vorstellung anwesenden Ortsvorsteher der betroffenen Dörfer waren größtenteils positiv gestimmt. Viele sehen vor allem die Vernetzung der Orte als großen Vorteil des Projektes. Nichtsdestotrotz gab es auch skeptische Töne. Hella Rehfisch, Ortsvorsteherin in Frenz, fürchtet, dass auch zu den neuen Treffen nur jene Bürger kommen würden, die sich bereits tatkräftig engagieren. Spelthanhn ist da optimistischer: „Gerade ihre Ortsteile werden in Zukunft sehr gefragt sein“, betonte er. „Nun ist es auch an den Ortsvorstehern, die Jugend ins Boot zu holen.“ Die Themen für die neuen Arbeitsgruppen stehen noch nicht fest, sie sollen schließlich von den Bürgern selbst erarbeitet werden. Dass Mobilität und Nahversorgung eine Rolle spielen werden, ist aber fast sicher.

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