Persönlichkeiten aus dem Jülicher Land: Der Herr Jedönsrat trifft Pfarrer i.R. Peter Jöcken im Beichtstuhl

Persönlichkeiten aus dem Jülicher Land : Der Herr Jedönsrat trifft Pfarrer i.R. Peter Jöcken im Beichtstuhl

Karl-Heinz Schumacher, besser bekannt als der Herr Jedönsrat, spricht gerne über Gott und die Welt. In diesem Fall aber vor allem Gott, denn er hat den Pfarrer im Ruhestand Dr. Peter Jöcken in der Kirche in Bourheim getroffen. Auf dem Fragenzettel des Herrn Jedönsrats standen das Zölibat, die Frauen und das meist gedruckte Buch der Welt.

Ja, er kann auch Hochdeutsch. Und während andere in den Herbstferien urlauben, kommt auf unseren Jedönsrat Arbeit zu. „Der Herr Jedönsrat trifft…“ heißt das Format, bei dem unser Mitarbeiter Karl-Heinz Schumacher mit Persönlichkeiten aus dem Jülicher Land über Gott und die Welt parliert. Und wie man es bei ihm gewohnt ist, natürlich mit einem Zwinkern in den Augen. Zum Auftakt hat der Herr  Jedönsrat in der Bourheimer Kirche Hl. Maurische Märtyrer den umtriebigen katholischen Pfarrer in Rente, Dr. Peter Jöcken, zur „Beichte“ gebeten.

Herr Pastor Jöcken, was wäre, wenn Priester hätten heiraten dürfen? Würde dann jetzt Ihre Frau Kaffee anbieten und hier eine Schar ihrer lieben Enkel herumwuseln?

Obwohl er seit rund 60 Jahren offen für die Ehe katholischer Priester einsteht, hat sich für ihn selbst die Frage zu heiraten nie gestellt. Er zweifelt: „70 bis 80 Stunden Engagement in der Woche lassen mit Sicherheit kein einwandfreies Familienleben zu. Und das drängende Problem des Priestermangels kann auch die Ehe nicht lösen.“

Wenn Sie nicht wissen, wie es ist, eine Frau zu lieben, was erzählen Sie dann Brautpaaren in Ehevorbereitungsgesprächen?

„Wer sagt denn, dass wir das nicht kennen?!“, protestiert der Pfarrer im Unruhestand. Liebe sei nicht nur Sexualität. Seelische Liebe zu allen Menschen sollten wir zeigen. „Das Miteinander ist das Wichtigste. Wir sind nicht außerhalb der Welt. Wir leben nicht auf einem anderen Stern.“ – Da hat der Geistliche ausnahmslos recht. Vielleicht käme uns ein Miteinander auf einem fremden Planeten in der Tat unvertraut vor. Dort erobert ein männliches Lebewesen vielleicht ein weibliches Pendant ohne Umschweife: „Du gehst ab wie eine Rakete!“

Zu welchen Themen predigen Sie am liebsten?

Wo er sich auf der Kanzel nicht gerne zu äußert, ist die aktuelle Situation der katholischen Kirche. „Außer wenn ich äußerst verärgert bin.“ Mit Vorliebe bringt er in der Predigt seinen Schäfchen die Botschaft Jesu nah: sich sorgen, helfen, das Böse einschränken, beenden. Pastor Jöcken sorgt sich in etlichen Vereinen, sucht sowohl den regelmäßigen Kontakt zu muslimischen Gruppen als auch zu jüdischen Gläubigen.

Warum dürfen Frauen nicht die Priesterweihe erhalten?

Der Kleriker lächelt: „Überall und zu allen Zeiten zählten die Frauen in der Gesellschaft leider wenig. Jesus habe viel mit Frauen agiert. Pfarrer Jöcken lobt die weibliche Hilfe in der Kirche über die Maßen. – Ob Frauen das Priesteramt nicht ausführen dürften, weil die Gefahr besteht, dass die Predigten dann noch länger dauerten, verneint er.

... Auch wenn Pfarrer und Jedönsrat nur vor dem Beichtstuhl Platz nahmen. Foto: Guido Jansen

Der Mensch spricht gerne von „wundervoll“, „wunderbar“, „wundersam“, „wunderlich“. Haben Sie schon mal ein echtes Wunder erlebt?

„Wunder gibt es immer wieder…“, singt Katja Ebstein. „In meinem Leben existieren ganz alltägliche Wunder“, präzisiert der promovierte Theologe. „Allein wenn ich morgens imstande bin aufzustehen, den neuen Tag erlebe, genieße, glaube ich an göttliche Fügungen. Ein Wunder bedeutet nicht Änderung von Naturgesetzen.“

Jesus spricht in der Heiligen Schrift von dem Teufel und von Engeln. Wie gefallene Engel aussehen, dazu braucht der Mensch kaum viel Fantasie zu entwickeln. Aber wie kann ich mir richtige Engel – also das himmlische Flugpersonal – oder sogar den Satan personifiziert vorstellen?

„Ob es Engel wirklich gibt, weiß ich nicht“, gesteht der Kleriker freimütig. Engel-Vorstellungen gebe es in fast allen Religionen. „Menschen haben immer vorzugsweise figürlich gedacht. Und die Himmelswesen sind Symbole Gottes. Eine geistige, keine körperliche Welt.“

Zum Teufel mit dem himmlischen Geflügel! Auf dem Weg in den Himmel oder auf der Fahrt zur Hölle gibt es einen Zwischenstopp: das Fegefeuer. Wie habe ich mir diesen Aufenthalt auszumalen?

„Hölle mit Feuer mag ich nicht“, schüttelt Dr. Jöcken sich. Mit dem Begriff „Fegefeuer“ sei eine Prüfung gemeint. „In der Bibel steht: Wir müssen durch die Prüfung wie durch ein Feuer gehen.“ Er verweist auf das Drama „Die Hölle, das sind die anderen“ vom Philosophen Jean Paul Sartre. Da schmoren nicht drei Personen in den Flammen; sie sind dazu verdammt, sich ständig höllisch auf die Nerven zu gehen.

Auch das Beichten war Thema. ... Foto: Guido Jansen

Ja, das kenne ich zur Genüge: Der typische Tourist am Strand ist ja auch immer nur der andere. Etwas Freudigeres: Ein geflügeltes Wort heißt „aus heiterem Himmel“. In der Bibel ist viel von der frohen Botschaft die Rede. Aber ob Jesus ein heiterer Mensch war, bleibt im Dunkeln. Glauben Sie, dass Jesus Humor hatte?

Der Seelsorger hakt nach, will wissen: „Was ist denn Humor?“ Jesus hätte immer Freude offenbart. „Sein Wirken ist eine Frohbotschaft, keine Drohbotschaft.“

Herr Dr. Jöcken, wir befinden uns hier vor einem Beichtstuhl. Egal wie schwer eine Sünde wiegt, erlangt jeder Sünder, jede Sünderin die Absolution in der Beichte?

„Nein! Wer etwa einen Mord beichtet, dem kann nicht vergeben werden.“

Und Fremdgänger?

Der Beichtvater bleibt die Antwort nicht schuldig: „Wer untreu ist, muss schon klar Reue sowie Umkehr zeigen.“

Die deutsche Bibel enthält 3.538.483 Buchstaben, 773.993 Worte, 31.373 Verse, 1.180 Kapitel und 1245 Seiten. Die Bibel ist das meistgelesene Buch der Weltgeschichte. Trotzdem hat aktuell ein Werk eine größere Auflage im Jahr als die Heilige Schrift. Welches Druckexemplar überflügelt Ihrer Meinung nach die Bibel?

Der siebensprachige Pfarrer Jöcken, der gerade zudem arabisch lernt, tippt auf den Koran. Hier irrt er: Der unheilige Katalog eines schwedischen Möbelhauses sprengt alle Rekorde. Der Kleriker winkt ab: „Die Bibel hält – der Katalog verfällt!“

Der lateinische Begriff „Pax“ steht für „Frieden“. Sehen Sie die Chance, irgendwann auf Erden Frieden zu schaffen?

„Wenn die Nachbarn sich noch nicht mal grün sind, wie kann ich dann Frieden für die ganze Welt erwarten!?“, antwortet der Seelenhirt mit einer Gegenfrage.

Und der schwedische Möbelbauer bezeichnet ein Regal „Pax“. Ergo lässt sich Frieden doch mit einem einzigen Imbusschlüssel zusammenbasteln.

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