Körrenzig: Der "Diaclown" begeistert in Körrenzig

Körrenzig : Der "Diaclown" begeistert in Körrenzig

Einen lachmuskelstrapazierenden Abend mit„österlicher Perspekte“ und philosophischem Touch haben die Gäste in der vollbesetzten Alten Kirche St. Peter Körrenzig erlebt. „Kirche, Klapse, Karneval“ hieß das Programm, das der „Bergische Jung“ Willibert Pauels im Rahmen des Linnicher Kultursommers zum Besten gab.

Humorvoll legte der „Diaclown“, wie Pfarrer Stefan Bäuerle ihn bei seiner Anmoderation nannte, mit Witzen — auch solchen „um die Ecke“ —, mit Wortspielen und Stimmimitationen die durchaus passenden Zusammenhänge der „drei K‘s“ auseinander und lachte sich am Ende stets selbst kaputt. „Die Perspektive, über den Dingen zu stehen, ist der Humor, der nicht gegen die Religion ist. Das wusste auch Kardinal Meisner“, den der Diakon mit Clownsnase augenzwinkernd „Kanalmeister“ nannte.

„Humor zuzulassen ist ein Lackmustest, ob jemand zum Beispiel in seiner Religion gesund ist“, unterstrich er und fügte hinzu: „Über sich selbst lachen ist gesund. Diktatoren verfolgen Witzemacher, weil der Witz dich frei macht.“

Alle Menschen sind „gleich in der Würde, aber unterschiedlich in der Mentalität“, begann der Geistliche, der zunächst seinen Chef (Gott) im Tabernakel begrüßt hatte. Die Rheinische Mentalität veranschaulichte er bei seinem zweiten und dritten Einzug auf die Bühne zu „Heidewitzka, Herr Kapitän“ von Karl Berbuer in der mitsingenden Menge. „Wenn im Rheinland einer über Tische und Bänke springt, ist das normal, in Westfalen wird der behandelt“, brachte er erste Unterschiede auf den Punkt.

Beim Thema Sündenfall im Paradies bedauerte er, dass Adam und Eva keine Chinesen waren: „Chinesen hätten den Apfel hängen lassen und die Schlange gegessen“. Weil „Lachen immer von einer Sache über den Dingen ausgeht“, sind Witze nach Meinung Pauels über jedes Thema zulässig, auch sogenannte Türkenwitze und zuletzt sogar solche über den Tod. „Die schönste Integration ist ja gerade die, dass man über alle Witze macht“, betonte er. Im Übrigen hatten fast alle Kollegen Pauels, die auf den großen Bühnen Kölns stehen, ihre Bühnendebüts in Karnevalssitzungen in der Pfarrei.

Die Vermischung von Kirche und Karneval gefällt nicht jedem Gläubigen. So hagelte es in Pauels höchst aktiver Zeit als Büttenredner Kritiken und sogar Anzeigen, weil er die „Heilige Kirche mit dem Schmutz des Karnevals“ besudele. Zur Depressionsphase des Diaclowns vor drei Jahren wurde gesagt: „Entweder sind Sie fromm oder depressiv“. Der Geistliche weiß: „Wenn die Leidenschaft zur Tür reinkommt, rettet sich der Verstand aus dem Fenster.“ Deswegen kommt immer erst „die Liebe und die Barmherzigkeit, dann kommt die Moral“. Zudem habe er „nie unter der Gürtellinie erzählt, nie. Na gut, wo hängt der Gürtel?“, unkte er.

Gute Behandlungschance

Seiner Depression widmete er sich nach der Pause, weil fünf Millionen Menschen unter der Stoffwechselstörung im Gehirn leiden, die „man selbst nicht heilen kann“. Trotzdem sei sie „sehr gut behandelbar“. So sei der Satz: „Nee, ich bin doch nicht verrückt, ich geh‘ doch nicht in die Klapse“ Quatsch: „Dooch, dat is schöön“, ermunterte Pauels.

Die österliche Perspektive veranschaulichte er abschließend durch seinen Lieblingswitz: Sternhagelvoll schwanken Tünnes und Schäl durch Köln und sinken mitten auf dem Friedhof Melaten in tiefen Schlaf. Als sie inmitten eines riesigen Gräberfeldes aufwachen, beantwortet Tünnes die Frage Schäls: „Watt los ist, kann ich dir sagen. Auferstehung! Und wir zwei sind die ersten“. Der Diakon in der Kirchenbütt verabschiedete sich mit dem Ausruf: „Heiliger Petrus, bitte für uns, sät de Bergische Jung“ und erntete stehende Ovationen eines begeisterten Publikums.

(ptj)
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