Jülich: „Der Brandner Kaspar“ kommt auf die Bühne der Jülicher Stadthalle

Jülich : „Der Brandner Kaspar“ kommt auf die Bühne der Jülicher Stadthalle

Die Aachener Theatergruppe Ludus gastiert am Freitag und Samstag, 25. und 26. November, jeweils ab 20 Uhr mit der Komödie „Der Brandner Kaspar und das ewig‘ Leben“ in der Jülicher Stadthalle, Düsseldorfer Straße 42.

Bert Voiss und Rosemarie David von der Bühne '80 spielen seit vielen Jahren auch bei der Aachener Theatergruppe „Ludus“ mit. Theater Ludus spielt seit 2002 unter der Regie von Ingrid Wiederhold hauptsächlich in den Kirchen Aachen-Mitte meist anspruchsvolle Stücke. Unter anderem wurden schon der „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal, „Die Vögel“ von Aristophanes und „Hanneles Himmelfahrt“ von Gerhart Hauptmann unter der Mitwirkung von Voiss und David in Aachen aufgeführt.

Im November 2015 wurde in der City-Kirche mit großem Erfolg die Komödie „Der Brandner Kaspar und das ewig' Leben“ von Kurt Wilhelm gespielt. Mit diesem Stück kommt „Ludus“ nun zum ersten Mal nach Jülich.

Stetternicher Verstärkung

Neben Voiss und David verstärkt auch die Jülicherin Anna Rohowski vom „Jungen Theater Stetternich“ die Aachener Gruppe. Der Kartenvorverkauf läuft über Buchhandlung Fischer, Kölnstraße in Jülich. Auch an der Abendkasse wird es noch Eintrittskarten zum Preis von 10 Euro geben.

Ursprünglich ist der Brandner Kaspar eine literarische Figur aus einer Kurzgeschichte von 1871. Kurt Wilhelm hat aus der Erzählung seines Ururgroßonkels ein Theaterstück gemacht. Der „Brandner Kaspar und das ewig‘ Leben“ hatte 1975 seine Uraufführung im Münchner Staatsschauspiel und wurde ein Riesenerfolg! Unzählige Bühnen haben den „Brandner Kaspar“ inzwischen nachgespielt. Im Münchner Volkstheater ist das Stück seit Jahrzehnten ein Dauerbrenner. Unvergessen ist die Aufführung mit Gustl Bayrhammer als „Heiliger Portner“ (Heiliger Petrus) und Toni Berger als „Boanlkramer“. Ein Preuße braucht da schon seine Zeit, um herauszufinden, dass es sich beim Boanl um einen Gebeinhändler, den personifizierten Tod, handelt.

Mit gezinkten Karten

Der Brandner Kaspar wird im zweiundsiebzigsten Lebensjahr vom Boanlkramer heimgesucht, der ihn abberufen will in die Ewigkeit. Der Kaspar meint, es sei noch zu früh, um endgültig abzutreten, und sowieso die falsche Jahreszeit. Der Brandner, noch voller Saft und Kraft, verführt den grausigen Gesellen zu einem Trinkgelage und spielt mit gezinkten Karten um weitere 18 Jahre. Doch lohnt sich das Weiterleben? „Du wirst mich rufen“, meint der Boanl, „wenn du nichts mehr hast und trotzdem lebst!“

Wie schaut es im Himmel aus, das fragt sich der Brandner? Die bayerische Antwort: Es ist ein Stück Heimat, in dem es natürlich die alpenländische Gebirgswelt, Weißwurst und Bier geben muss, selbst die Jagd ist erlaubt. Auch der Heilige Portner (Petrus) ist beim Zwölfeläuten „Ad sausicios albus“ — bei „die Weißwürscht“. Die „Saupreußen“ werden (noch immer) nicht in den bayerischen Himmel gelassen. „Unser Himmel ist der siebte und der preußische ist eine Vorstufe zum ersten“, erklärt der heilige Portner.

Chaos im Himmel

Als im Himmel die Geschichte um den Brandner Kaspar ruchbar wird, sorgt das für erhebliches Chaos. Erzengel Michael und die himmlischen Heerscharen schleifen den Boanlkramer vor den Heiligen Portner. Auch Karl der Große wird im Stück erwähnt. Er ist noch im Fegefeuer, wegen der Sachsen und der Bayern, obwohl er in Rom heiliggesprochen wurde — aber das gilt doch im (Bayern)Himmel nichts!

Mit Witz und einer Portion Selbstironie wird die „Bayerische Sepplwelt“ geschildert und die „Tragik der Geschichte“, dass Bayern und Preußen sich im Jahre 1866 zu einem Staat vereinigen mussten. Das Bühnenstück ist in urbayrischem Dialekt verfasst. Da die „Preußen“ vom Theater Ludus des Bayerischen nicht mächtig sind, spielen sie es in Hochdeutsch — die Typen bleiben die gleichen.