Denkmalgeschützte Jülicher Innenstadt

Denkmalgeschützte Jülicher Innenstadt: Bewundernde Blicke fürs bauliche Erbe

Die oberste Denkmalpflegerin im Rheinland, Landeskonservatorin Dr. Andrea Pufke, sieht sich auf Einladung des Fördervereins Festung Zitadelle in Jülich um. Dabei stellt sie der Stadt ein positives Zeugnis aus, trotz vereinzelter Kritikpunkte.

Die Herzogstadt ist nicht mehr bekannt für seine alte Bausubstanz. Das frühere Machtzentrum des einstmals riesigen Herzogtums war eine prachtvolle und alte Stadt, bis sie Ende 1944 im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört wurde. Man könnte sagen, dass nicht viel übrig ist. Man kann Jülich aber auch so sehen wie Dr. Andrea Pufke es tut.

Sie ist die oberste Denkmalpflegerin im Rheinland und leitet das Amt für Denkmalpflege beim Landschaftsverband Rheinland. „Der Jülicher weiß oft selbst nicht, was er hier hat“, sagt sie mit Blick auf die Innenstadt. Die bezeichnet sie als baugeschichtlich wertvoll. Und sie lobt die Art, wie die Stadt mit ihrem Erbe umgeht. In der B-Note macht sie aber ein paar Abzüge.

Privatführung durch die Innenstadt

Die meiste Anerkennung zollte sie dem Förderverein Festung Zitadelle. Der hatte die Kunsthistorikerin zu einer Art Privatführung eingeladen. Dr. Rüdiger Urban und Mariele Egberts führten Pufke und den für den Kreis Düren zuständigen Denkmalpfleger Dr. Jascha Braun durch die Innenstadt. „Der Förderverein ist ein Geschenk“, sagte Pufke. „Er hat 2015 nicht umsonst den Preis des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz erhalten.“ Der Verein sei ein Mitspieler bei der Gestaltung Jülichs, der darauf achte, dass das baugeschichtliche Erbe nicht verloren gehe.

Pufke war nicht in Jülich, um sich die üblichen Verdächtigen wie Hexenturm und Zitadelle anzuschauen. Sie besichtigte den Marktplatz, die Düsseldorfer Straße oder die Baierstraße. Die Bebauung ist nicht außergewöhnlich alt, aber besonders. Die Innenstadt wird wegen ihres Grundrisses aus der Renaissance von der sogenannten Denkmalbereichssatzung geschützt. Die ist derzeit zwar nur provisorisch in Kraft, der Stadtrat will sie aber präzisieren. „Es ist absolut möglich, einen Neubau in einem Denkmal-Bereich zu verwirklichen“, sagte Pufke angesichts des an der Düsseldorfer Straße entstehenden sogenannten Kleinen Kreishauses. Das sei ein „Paradebeispiel“ für die Verträglichkeit von alt und neu.

Sie haben Jülich begutachtet: (v. l.) Mariele Egberts, Rüdiger Urban (Förderverein), Andrea Pufke, Jascha Braun (Denkmalpfleger) und Bauherr Guido Geyer. Foto: Guido Jansen

Das war ursprünglich nicht so geplant. „Da hatte sich der Planer nicht mit seiner Umgebung beschäftigt“, sprach Pufke über einen Fall, in den ihr Amt eingreifen würde. Beratend beispielsweise für die Untere Denkmalbehörde der Stadt Jülich. Der Neubau wurde umgeplant. Jetzt korrespondieren die Fluchten, das Erscheinungsbild der Fenster und die Gestaltung des Dachs mit der umliegenden Bauweise, beispielsweise der des Alten Rathauses. Alles wird abgeschlossen von einem Satteldach mit Einzelgauben. Ein Stück weiter die Kapuzinerstraße hoch Richtung Baierstraße schließt an den Kreishaus-Neubau ein weiteres Neubauprojekt an. In Höhe und Bauweise auf stimmige Weise. Das lässt die Modellzeichnung erahnen, die vor der nackten Baustelle angebracht ist. Störend wirke die genehmigte Art der Dachkonstruktion, die mit der Umgebung breche. „Eine Denkmalbereichssatzung ist nur so lange gut, wie sie eingehalten wird“, merkte Pufke an. „Wenn man die eine Ausnahme genehmigt, dann kommt schnell der Nächste, und will etwas anders machen.“

Zuvor am Marktplatz betrachtete die Gruppe die Fassadensanierung, die oberhalb des Café Extrablatt schon so gut wie abgeschlossen ist. Bauherr Guido Geyer hat beispielsweise die Fenster in Anlehnung an die Fenster des Alten Rathauses anfertigen lassen. Pufke lobte die Außenwirkung der Sanierung, die eine Erneuerung darstelle und trotzdem eine historische Optik aufgreife. Geyer macht weiter, hat den nächsten Gebäudeabschnitt einrüsten lassen. „Vielleicht schauen Sie, welcher Farbton unter dem jetzigen zum Vorschein kommt und greifen diesen auf“, sagte Pufke mit Blick auf einige Stellen, an denen ein Ocker-Ton durchschimmerte. „Das könnte sehr stimmig aussehen“, sagte sie voll des Lobes über die bisherige Arbeit an der Fassade.

Abschließend ermutigte sie die Jülicher, die erkennbare eigene Historie der Stadt offensiver zu vermarkten. Das gelte nicht nur für die Zitadelle und den Befestigungsring. Urban griff das auf und spielte auf die jüngere Vergangenheit an. „Wir können den Menschen zeigen, dass diese schlimme Zerstörung im Krieg nicht irgendwo passiert ist, sondern hier.“ Auch das gehöre zum Erbe der Stadt.“

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