Dauerbaustelle im Innenhof der Zitadelle

Seit Jahren klafft ein großes Loch im Boden : Unmut über Dauerbaustelle im Innenhof der Zitadelle

Im Innenhof der Jülicher Zitadelle klafft seit Jahren ein großes Loch im Boden. Und seit Jahren geht es mit der Baustelle nicht weiter. Zumindest augenscheinlich sind keine Fortschritte zu erkennen.

Die Situation stößt auf große Verärgerung – nicht nur bei der Jülicher Bevölkerung, sondern auch beim Gymnasium Zitadelle, den Schülerinnen und Schülern und zahlreichen Eltern.

„Nicht nur der tägliche Anblick ist für alle ein großes Ärgernis“, sagt Stefan Rüping, stellvertretender Schulleiter des Gymnasiums. „Früher war der Innenhof auch ein Aufenthaltsort für die Schüler. Er hatte einen repräsentativen Charakter als Vorplatz für die Schlosskapelle und war vielfältig in unser Schulleben integriert.“ So wurden hier im Sommer unter blauem Himmel Abi­tur-Entlassfeiern und andere Feste gefeiert.

Seit vielen Jahren herrscht im Erdreich des Innenhofes der Zitadelle aber ein massives Feuchtigkeits- und Wasserproblem. Marcell Perse, Leiter des Museums Zitadelle Jülich, sagt, dass sich der Boden mittlerweile so weit verändert habe, dass sich Regen aufgrund einer nicht funktionierenden Drainage nicht nur staue, sondern auch in die Kellerräume des Gebäudes laufe. Nicht zuletzt wasche die Feuchtigkeit die Fugen aus, so dass die Stabilität der Mauern gefährdet sei.

Anfang 2014 mussten plötzlich die drei alten Winterlinden, die bis dato noch im Innenhof gestanden hatten, gefällt werden, weil sie massiv vom Brandkrustenpilz befallen waren. Also habe man sich kurzfristig dazu entschieden, jetzt auch das Feuchtigkeitsproblem anzugehen. „Das war also keine geplante Baumaßnahme, sondern eine Ad-hoc-Entscheidung von heute auf morgen“, sagt Perse.

Die Jülicher Bevölkerung und auch Lehrer, Eltern und Schüler des Gymnasiums sind verärgert über die Dauerbaustelle. Foto: Anke Capellmann

Verantwortlich für die Zitadelle als Sonderliegenschaft des Landes NRW, insbesondere auch für die Instandhaltung, ist das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung (MHKBG). Dem untergeordnet ist das Dezernat für Sonderliegenschaften der Bezirksregierung Köln. In deren Auftrag arbeitet der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) vor Ort.

Aufgrund der Feuchtigkeitsschäden im Kellerbereich  musste die Renaissance-zeitliche Anlage bautechnisch begutachtet und untersucht werden. „Im Rahmen der erforderlichen Vorbereitungsarbeiten wurden archäologische Funde freigelegt, die die Umsetzung der Maßnahme zeitlich verzögerten“, erläutert ein Sprecher der Bezirksregierung.

„Einfach sehr komplex“

Die archäologischen Grabungen hatten dann in den Osterferien 2014 begonnen. Seit 2017 sind sie allerdings abgeschlossen. Den Grund für die jahrelange Baustelle sieht Perse nicht in den archäologischen Arbeiten. Die seien nämlich hauptsächlich in den Ferien gelaufen, um die Schülerinnen und Schüler nicht zu stören. „Es liegt eher daran, dass die Angelegenheit im Innenhof einfach sehr komplex ist“, sagt er. Man müsse sich demnach nicht nur um den Keller kümmern, sondern auch für sichere Fluchtwege und für Barrierefreiheit sorgen.

Außerdem könnte man keine großen Maschinen in den Innenhof einfahren, durch vorhandene Bergschäden dürfe man bestimmte Bautechniken nicht ausführen.  „Die Planer haben also einen Haufen sehr unterschiedlicher Aspekte zu vereinen, was nicht einfach ist“, sagt er. Hinzu seien interne und externe Probleme gekommen, die nicht vorhersehbar gewesen seien und das gesamte Vorhaben verzögerten.

Seitens der Schule und der Jülicher Bevölkerung hofft man darauf, dass sich endlich etwas im Innenhof tut. „Briefe ans Ministerium, Unterschriftenaktionen von den Schülern – all das hat bislang nichts gebracht“, berichtet Rüping. „Uns wurde gesagt, wir sollten uns gedulden. Aber konkrete Auskünfte gab es nie.“

Laut Bezirksregierung habe es mehrere detaillierte Planungen und externe Gutachten gegeben. „Die erste Planung wurde wegen zu hoher Kosten verworfen. Derzeit wird eine kostengünstigere Variante geplant“, teilt der Sprecher mit.

Erst Mitte 2019

Die Haushaltsunterlage Bau (HU-Bau) über die Sanierungsarbeiten soll vom BLB bis Mitte 2019 bei der Bezirksregierung vorgelegt werden und muss dann von ihr genehmigt werden. Dieser HU-Bau beschreibt, wie die Baumaßnahme umgesetzt werden und was sie kosten soll. Damit werden dann die Haushaltsmittel beantragt. Zu den Kosten konnte sich die Bezirksregierung bislang nicht äußern. Zum Schluss geht die Vorlage dann zum Landesbauministerium. „Dort wird entschieden und die erforderlichen Mittel beim Ministerium der Finanzen beantragt.“

Ein Aufenthalt für die Schüler des Gymnasiums Zitadelle ist so gut wie unmöglich. Foto: Anke Capellmann

Die einzige augenscheinliche Veränderung im Innenhof sind also im Moment weiterhin nur Gräser und Pflanzen, die seit nunmehr zwei Jahren wachsen und gedeihen. Und das wird mit Hinblick auf die weiteren Vorgänge auch noch einige Zeit so bleiben. Zumindest aber soll Schotter und Kies in den Sommerferien in den Innenhof der Schule eingebracht werden. „Zur provisorischen Nutzung“, sagt der Sprecher der Bezirksregierung. Veranschlagt wird dafür ein Zeitraum von etwa drei Wochen.

Perse kann verstehen, dass die Situation mehr als ärgerlich ist. Auch er ist davon gewurmt, aber „es hat auch Verständnis verdient“, sagt der Museumsleiter. „Die Zitadelle ist sehr komplex – Schule, Museum, Denkmal, Veranstaltungen, Bergschäden. Das muss alles unter einen Hut gebracht werden.“ Die Ergebnisse der archäologischen Grabungen sind indes aufgearbeitet. Mittelfristig sollen die Funde und Aufzeichnungen in den Kellerräumen der Zitadelle ausgestellt werden.