Kofferen: Das Wirtsgen ist Erbgut in der Müller-Familie

Kofferen : Das Wirtsgen ist Erbgut in der Müller-Familie

„20 years realizing my Dream — and it still goes on and on...“ (20 Jahre Traumverwirklichung, und es geht immer noch weiter...) fasst der Deutsch-Amerikaner Walter McMüller sein Jubiläum „20 Jahre McMüller‘s Brauereigasthof“ zusammen.

McMüller‘s Irish American Pub öffnete am 10. Juli 1998 in den ehemaligen Pferde- und Schweineställen eines etwa 200 Jahre alten Bauernhofes in Kofferen seine Pforten. Der Jubiläumsbierdeckel, gestaltet von Müller‘s Designerin Marion Kofahl aus Hamburg, fasst die wesentlichen Hintergründe zusammen, die zur Entstehung führten. Abgebildet ist Walter Müller in historischer Kleidung mit Halstuch, Weste und Zylinder neben einem Pferd, mit einem Fässchen Bier in der Hand.

Reiterklause 1996 hatte seine Frau Jennifer Müller einen Reitstall in Kofferen eröffnet und sich dazu eine Reiterklause gewünscht. Im Gespräch mit dem Kofferaner Günter Krichel stellte letzterer die ausschlaggebende Frage: „Soll das eine öffentliche Kneipe werden? Es wäre schön, wenn es wieder eine Versammlungsstätte in Kofferen gäbe.“ Müller erinnert sich: „Im Bruchteil einer Sekunde sagte mir mein Bauch: Mach das!“

Die historische Kleidung auf dem Bierdeckel deutet nicht nur auf den 200 Jahre alten Hof in Kofferen als Grundstein für das urige Pub, sondern vor allem auf Müllers deutsche Vorfahren. Einer davon hieß Ludwig Spickernagel (1747 bis 1827) und war Gastwirt in Altkaster an der Erft. Er braute sein Bier selbst und besaß ein Hotel — was ihn zum reichsten Mann im Ort machte. Das erfuhr Müller allerdings erst im Jahre 2005 auf einem Konzert für mittelalterliche Musik in Kaster.

Bereits 1992 war alter Müller aus Amerika „in die Heimat seiner Vorfahren zurückgekehrt“. Kaster und Kofferen sind in etwa gleich groß, so übernahm der Gastronom schlicht den Businessplan seines Vorfahren aus 1799. Müller baute das Anwesen zum Hotelbetrieb um, seit 2006 bietet er Fremdenzimmer an. Ferner ließ er sich eine Brauereianlage bauen und braut seit 2007 sein eigenes Bier, rund ein Dutzend Sorten. Die beliebtesten sind Imperator, Zwickl, Stout und IPA. Ferner bietet der Gastronom ständig wechselnde Saisonbiere an und beliefert zum Beispiel Rewe und Edeka-Märkte.

Kulturelle Explosion

Bis 2005 hatten die Müllers „sehr lange gekämpft“ und schrieben mit ihrem Irish-American Pub „sieben Jahre lang rote Zahlen“. Zunächst hatten sie im Empfinden der Dorfbewohner mit ihrer „Explosion an kulturellen Veranstaltungen den Bogen überspannt“. 2001 verhängte das Linnicher Ordnungsamt sogar ein „absolutes Musikverbot“ für den Gasthof.

„Ich musste mein Konzept überdenken“, resümierte Müller und verschlankte sein musikalisch-kulturelles Angebot „extrem“. Bis auf ein Open-Air-Sommerfest jährlich, für dass der Gastronom eine Sondergenehmigung in Händen hält, gibt es nur noch Indoor-Veranstaltungen im ansprechend ausgebauten Pub.

Um das zweite Standbein in Fulda seit 2015 kümmert sich seine Frau Jennifer. Es handelt sich ebenfalls um ein ersehntes Projekt aus der „familiären Schiene“, die sich wie ein roter Faden durch Müllers Leben zieht. Müllers Ur-Ur-Ur-Großvater Johannes Müller war dort im 18. Jahrhundert Hofschlosser, dessen Sohn Burkhart gründete 1847 eine Schuhstoff-Fabrik.

Heute ist Walter Müller „glücklich“. So sehr, dass er im Rahmen seiner Jubiläumsfeierlichkeiten mit 67 Jahren sein Bühnendebüt gibt. Ja, kann er denn überhaupt singen? Er kann, was er beim Pressetermin gerne unter Beweis stellte…

(ptj)