Das virtuelle Flächenkraftwerk bei Inden erfolgreich getestet

Das Quirinus-Projekt : Das virtuelle Flächenkraftwerk bei Inden erfolgreich getestet

Die Energie der Zukunft wird nicht mehr nur von wenigen Großkraftwerken produziert, die mit Atomkraft, Gas oder Kohle betrieben und Zug um Zug abgeschaltet werden. An ihre Stelle treten zunehmend kleine und kleinste Anlagen, die beispielsweise erneuerbare Energien wie die Kraft von Wind, Sonne oder Biomasse nutzen.

Windkraft- und Photovoltaikanlagen speisen den Strom jedoch dezentral und flukturierend ein und sind ob ihrer Schwankungen kaum vorhersehbar, so dass in den Stromnetzen sowohl Engpässe als auch Energieüberschüsse entstehen können. Das beschreibt das große Problemfeld, mit dem sich das Projekt Quirinus beschäftigt.

Ein Lösungsansatz, der für eine stabile Stromversorgung sorgen soll, ist die Bündelung verschiedener Erneuerbare-Energie-Anlagen aus der Region. Auf diese Weise wird ein sogenanntes Flächenkraftwerk geschaffen, auch virtuelles Kraftwerk genannt.

Ein eigens entwickelter Leitstand (Control-Center) sorgt dafür, dass Daten zwischen Stromnetz, Stromerzeugung und -verbrauch ausgetauscht werden, damit keine Konflikte entstehen und das Zusammenwirken von Erzeugung, Netzmanagement, Speicherung und Verbrauch am Ende reibungslos funktioniert.

Regionetz GmbH führt Konsortium

Um dieses Ziel zu erreichen, haben sich in der Innovationsregion Rheinisches Revier (IRR) Energieversorger, Verteilnetzbetreiber, Hersteller und Betreiber von Anlagen zur Datenkommunikation, Schwungradspeichern und Kraft-Wärme-Kopplung sowie zwei Forschungsinstitute zusammengetan und das Projekt Quirinus aus der Taufe gehoben. Die Regionetz GmbH ist Konsortialführer und übernimmt gleichzeitig die Projektleitung.

„Es geht nicht um Umsatz, sondern um Netz- und Versorgungssicherheit“, umschreibt Projektleiter Patrick Kreuel von Regionetz den Schwerpunkt des im Mai 2017 gestarteten Projektes, das von der EU und dem Land NRW bis Mai 2020 mit insgesamt sechs Millionen Euro gefördert wird. Es soll das anwendungsorientierte Pilot- und Demonstrationsvorhaben innerhalb kurzer Zeit mit hohem ökologischen und ökonomischen Nutzen für das Rheinische Revier, Nordhein-Westfalen und darüber hinaus erfolgreich realisieren.

Vorgehen ist universell einsetzbar

Trotz des regionalen Fokus wird die im Projekt Quirinus erstmalig entwickelte Vorgehensweise später universell einsetzbar sein. Mit der im Verlauf des Projektes entwickelten und erprobten Vorgehensmethodik wird anderen Netzbetreibern, Herstellern und Betreibern von Komponenten für Flächenkraftwerke eine Handreichung zur Optimierung eigener Aktivitäten im Hinblick auf Planung, Aufbau und optimierten Betrieb eines virtuellen Flächenkraftwerks gegeben.

Die regionale Wertschöpfung soll dabei durch die gesteigerte Versorgungssicherheit gestärkt und die Marktposition im Vergleich zur überregionalen Konkurrenz verbessert werden.

In diesem Erprobungsstadium befindet sich das Projekt Quirinus momentan. So war bei einem Inselnetz-Versuch im Vorfeld des Tagebaus Inden die Stornetic-Speichereinheit mit einem von der Firma 2G betriebenen 550-kVA-Blockheizkraftwerk gekoppelt (Hybridbetrieb).

Damit war es möglich, die im RWE-Netz ausgelösten Lastwechsel auszusteuern, womit gleichzeitig die erfolgreiche Funktionsweise des Systems nachgewiesen worden ist.

Im Sommer Umzug nach Gangelt

Wie Patrick Kreuel weiter berichtet, ist für den Sommer ein Umzug aller Projektpartner nach Gangelt in den Kreis Heinsberg geplant, wo weitere Tests und Experimente im dortigen Ortsnetz anstehen.

Dort werde gleichzeitig das Zusammenspiel mit dem dortigen Betreiber einer Biogasanlage erprobt, der beim Strom weitgehend Selbstversorger sei.

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