Strukturwandel am Tagebaurand gestalten: Das Rennen um gut gefüllte Fördertöpfe

Strukturwandel am Tagebaurand gestalten : Das Rennen um gut gefüllte Fördertöpfe

Die Kommunen am Rande des Tagebaus Garzweiler wollen beim anstehenden Strukturwandel schon frühzeitig eine treibende Kraft sein. Das ist am Rande einer Verbandsversammlung des Zweckverbandes Tagebaufolge(n)landschaften in Erkelenz deutlich geworden. Es gehe darum, Fördergelder in die Region zu holen und Projekte anzuschieben.

Das wird in Zukunft eine der Hauptaufgaben des neuen Zweckverbandsgeschäftsführers Volker Mielchen, 47 Jahre, sein. Mielchen, der zuletzt in der Lausitz für einen kommunalen Zweckverband gearbeitet hatte, nahm seine Arbeit in der Geschäftsstelle im Oktober auf und wurde nun offiziell vorgestellt. Mielchen will zum einen an konkreten und vorerst kleineren Projekten arbeiten und gleichzeitig das große Ganze in der Region nicht aus den Augen verlieren. Dabei gehe es jedoch nicht um politische Grundsatzfragen: „Der Tagebau ist da. Wir müssen das Beste daraus machen“, sagte Mielchen.

Kurzfristig will der Zweckverband erste Schritte im Projekt „Grünes Band“ realisieren. Ein rund 70 Kilometer langer Grünstreifen mitsamt Radweg soll – so der langfristige Plan – angelegt werden. Eine der Flächen, auf denen die Arbeiten alsbald beginnen sollen, liege direkt am Tagebaurand zwischen Holzweiler und Jackerath, sagte Jürgen Frantzen (CDU), Bürgermeister der Gemeinde Titz.

Gleichzeitig bekommt der Zweckverband Fördermittel, um Leitbilder für das „Grüne Band“ und das „Innovation Valley“, das Raum für neue Wirtschafts- und Wohnstandorte bieten soll, zu entwickeln. Auch Einrichtungen und Unternehmen aus Forschung, Gesundheitswesen, Dienstleistungen sollen in diesem Landschaftsabschnitt am Rande des irgendwann mit Wasser gefüllten Tagebaurestlochs Platz finden. „Es ist gut, dass wir uns auf den Weg machen, konkrete Perspektiven für die Zeit nach der Braunkohle zu entwickeln, wann auch immer diese beginnt. Bei Radwegen allein wird es nicht bleiben. Gemeinsam geeignete Flächen für Wohn- und Gewerbegebiete zu identifizieren, ist eine wichtige Aufgabe“, sagte der Titzer Verwaltungschef Jürgen Frantzen mit Blick auf die Verbindung von kurz- und mittelfristigen Projekten.

Am Zweckverband Tagebaufolge(n)landschaften sind die Stadt Erkelenz, die Gemeinde Titz, die Stadt Mönchengladbach und die Gemeinde Jüchen beteiligt. Der Erkelenzer Bürgermeister Peter Jansen (CDU) bekräftigte, dass der Verband konstruktiv mit dem Tagebaubetreiber RWE Power zusammenarbeiten wolle.

Strukturwandel gestalten: Volker Mielchen ist Geschäftsführer des Zweckverbandes Tagebaufolge(n)landschaften. Foto: ZVA/Daniel Gerhards

„Kein Interessenkonflikt“

Ohne RWE, den größten Grundstückseigner am Tagebaurand, gehe beim Thema Rekultivierung gar nichts. Auch Mielchen sagte, dass man mit RWE kooperieren müsse. So könne man Einfluss auf die Rekultivierung nehmen, damit sie eine höhere Qualität habe. „Gegeneinander kommt man nicht zum Ziel“, sagt Verbandsvorsteher Dr. Gregor Bonin (Mönchengladbach). RWE habe sich finanziell an der Ausstattung der Geschäftsstelle in Kuckum beteiligt.

Darüber hinaus habe RWE keinen Einfluss auf den Zweckverband und es existierten auch keine Abhängigkeiten von RWE. „Deshalb gibt es keinen Interessenkonflikt“, sagte Bonin.

Die Verantwortlichen zeigten sich indes sehr optimistisch, staatliches Fördergeld an den Tagebaurand holen zu können: „Die Gelder scheinen aktuell unerschöpflich zu sein. Man fragt sich fast, wo die in all den Jahren vorher waren“, sagte Bonin. Das habe aber auch einen Wettkampf der Regionen um die Fördertöpfe zur Folge. In diesem Rennen müsse Mielchen den Zweckverband nun weit vorne positionieren.

Die Themen, die Mielchen dabei beackern soll, seien Arbeitsplätze, Landschaftsplanung, Wohnen und der soziale Zusammenhalt, sagten Jansen und Frantzen. Dabei müsse man die „Wertschöpfungskette“ im Auge halten, sagte Jansen: „NRW ist Industrieland. Wenn wir das nicht mehr sind, werden wir unseren Standard nicht halten können.“

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