Das letzte Konzert des MGV Eintracht Rödingen-Höllen

Bewegender Abschied nach 160 Jahren : Das letzte Konzert des MGV Eintracht Rödingen-Höllen

Der MGV Eintracht Rödingen-Höllen macht Schluss: Fehlender Nachwuchs und finanzielle Sorgen haben die Gemeinschaft nach 160 Jahren bewogen, mit einem Adventskonzert einen Schlussakkord zu setzen. Der Abschied war musikalisch gelungen und emotional bewegend.

Vor zehn Jahren appellierte der damalige Titzer Bürgermeister Josef Nüßer in der Laudatio beim Festkommers zum 150-jährigen Bestehen des Männergesangvereins (MGV) Eintracht Rödingen-Höllen unter dem Beifall der Gäste: „Sorgen Sie dafür, dass diese Kultur erhalten bleibt.“ Mit der Gründung des MGV hatten im Februar 1858 einige sangesfrohe junge Männer in Rödingen den Grundstein für eine lange Erfolgsgeschichte gelegt. „Mit geistlicher Abendmusik in der Vorweihnachtszeit finden wir unseren Abschluss“, war nun auf der Einladung zum Konzert zu lesen, mit dem die Sänger am dritten Adventssonntag den 160. Geburtstag des Vereins feierten und gleichzeitig die traurige Botschaft vom Ende ihrer Aktivitäten verkünden mussten.

Fehlender Nachwuchs und finanzielle Probleme sind die Hauptursachen dafür, dass der Appell verhallen musste und die kulturelle Landschaft nicht nur in der Gemeinde Titz ärmer geworden ist. Der Einladung in die St. Kornelius Pfarrkirche zum letzten Konzert waren wie in den Vorjahren viele Freunde der Chormusik gefolgt, darunter eine große Zahl treuer Stammgäste.

Nach dem gemeinsam gesungenen Eröffnungslied „Wir sagen euch an den lieben Advent“ erinnerte der MGV-Vorsitzende Hermann Weckwerth in einem kleinen Rückblick an markante Stationen der Vereinsgeschichte wie den ersten Auftritt anlässlich einer Goldhochzeit oder beispielsweise an die erfolgreichen 1980er-Jahre, in denen der Verein um einen Kinderchor und eine Instrumentalgruppe erweitert wurde. Wehmut kam auf bei der Erinnerung an gemeinsame Konzertreisen, sichtlich bewegt sagte Weckwerth: „Ich kann mit Stolz behaupten, dass es immer eine schöne Zeit war.“

Im ersten Block des Adventskonzerts erfreute der Titzer Flöten- und Singkreis „Pro Musica“ unter Leitung von Elena Kelzenberg, die selbst einige Jahre den MGV dirigiert hatte, die Zuhörer in gewohnt ausgezeichneter Klangreinheit mit vier Liedern. Ortsvorsteher und Schirmherr Wilhelm Hintzen bezeichnete in seiner Ansprache den MGV als „wertvollen Schatz, den wir in der Gemeinde haben“ und löste damit spontanen Beifall aus. Weiterhin wies er darauf hin, dass der MGV eine feste Größe im Vereinsleben des Ortes gewesen sei, er sei zuverlässig bei allen Veranstaltungen auch anderer Vereine und vielen privaten Anlässen präsent gewesen.

Die Gedanken an die 15 aktiven Vorsitzenden verweilten besonders bei Harald Düren, der zu Lebzeiten 35 Jahre lang die musikalischen Geschicke des Vereins in unnachahmlicher Weise geprägt habe. Lautstarker Beifall war ein Zeichen, dass Harald Düren nicht vergessen ist. Jeder kannte den lebensfrohen Dirigenten, in diesem Moment war zu beobachten, dass viele der Besucher seine Nähe geradezu spürten.

Abschließend dankte Hintzen gemeinsam mit dem MGV-Vorsitzenden dem mit 92 Jahren ältesten Chormitglied Michael Lingens, der seit 75 Jahren im Chor aktiv ist, für seinen Einsatz und seine Treue.

„Advent ist nun gekommen“ lautete das erste Lied, das der MGV anstimmte. Trotz des hohen Durchschnittsalters klangen die Vorträge jung und tonsicher. Zwischen den beiden Programmblöcken trug Gisela Weckwerth den „Adventskalender der guten Gedanken und Wünsche“ vor und erreichte damit die Herzen des Publikums. Ein großartiges Interludium boten Chorleiter Dominik Lorenz zunächst an der Orgel und später am Klavier und Camila Tapia an der Bratsche.

In der zweiten Hälfte des Konzerts sangen erneut „Pro Musica“ und anschließend der MGV. Die Interpretation des Lieds „Ein Weihnachtstraum“ geht als letzter Vortrag in die Geschichte des MGV Eintracht Rödingen-Höllen ein. Mit stehenden minutenlangen Ovationen dankten die Zuhörer den Sängern. Die Begeisterung wirkte fast so, als ob man das Ende des Chors nicht wahrhaben wollte, Traurigkeit mischte sich in den Applaus.

Bevor bildlich der letzte Vorhang fiel, dankte der sichtlich emotional sehr mitgenommene Vorsitzende Hermann Weckwerth allen, die zum Gelingen der 160 Jahre Chorgesang in Rödingen beigetragen haben, ein besonderes Dankeschön galt seiner Gisela, die bis zum Ende unermüdlich für die Belange des Vereins gekämpft hat. Zum letzten Mal stimmten alle gemeinsam das traditionell zum Adventskonzert des MGV zählende Schlusslied „Tochter Zion“ an, bevor man sich noch zum gemütlichen Beisammensein im Leo-Lange-Haus traf.

(jago)