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Konzert: Das „Kneipenkonzert“ in der Musikschule

Konzert : Das „Kneipenkonzert“ in der Musikschule

Als Höhepunkt des Fiddle-Workshops gaben sich die Dozenten Sebastian Reimann und Gerhard Schwarz selbst die Ehre in einem spritzigen musikalischen „Folklore- Potpourri“ aus aller Welt.

Die unendliche Weite der Lavendelfelder im Norden der Provence, ihr würziger Duft in der untergehenden Sonne und die Sehnsucht nach einem Moment ausgelassener sommerlicher Lebensfreude schwingen in dem Gypsy-Swing „Fleur de Lavande“. Es ist ein musikalisches Feuerwerk für die Sinne, das in der Interpretation von Sebastian Reimann und Gerhard Schwarz alias „Duo Arrabalero“ das Publikum wahrlich jenseits des Raums und der Zeit herauskatapultierte.

Mit „La Valsajo“, einem Musette-Walzer, ging die Reise für das Publikum weiter. Dem oft vom Akkordeon vorgetragenen französischen Volkstanz entlockte Reimanns Geige eine schwebende Leichtigkeit, die durch kurze rhythmische Saitenschläge des Gitarrenmeisters Gerhard Schwarz untermalt wurde.

Der Konzertraum im Foyer der Jülicher Musikschule wich dem ungewöhnlichen Klangzauber in der Phantasie der Zuhörer. Die Musik ließ sie an einem lauwarmen Abend durch die Gassen des Pariser Montmartre entschweben und den dort unvermeidlichen Geschmack von Wein und Baguettes auf der Zunge spüren.

Ein Dozentenkonzert in einen dreitätigen Fiddle-Workshop (fiddle: englisch für Geige) einzubauen, erwies sich als zündende Idee, um generationsübergreifend die traditionelle Musik der verschiedenen Kulturen zu präsentieren. Kinder, Jugendliche, deren Eltern, aber auch Vertreter deutlich früherer Jahrgänge erfreuten sich gleichermaßen an dem etwas anderen Klang einer klassischen Geige oder Bratsche.

Der für die Veranstaltung von den Musikern erstrebte Charakter eines „Kneipenkonzerts“ ist an diesem Abend unbestritten aufgegangen. Charmant und humorvoll von den Musikern eingeladen, genossen die Gäste das Angebot einer üppig bestückten Getränke- und Snackbar fast so hingebungsvoll wie die Musik. Ein Beweis dafür, dass zumindest bei einem Fiddle-Konzert eine unprätentiöse Atmosphäre und meisterhafte musikalische Darbietung nicht im Widerspruch stehen müssen.

Einmal in der französischen Hauptstadt musikalisch angekommen, hörte das Publikum einen feurigen Tango Argentino. Für diesen aus Südamerika stammenden Musikstil war, wie Reimann einführte, „Paris das Tor in Europa“. Das Stück „Pollo Ricardo“ entstand in den argentinischen Vorstädten, den „Arrabaleros“. Es erzählt die tragikomische Geschichte eines Hähnchens, in der laut Reimann „jede Note original Tango ist“ und man trotzdem mit den Klängen mitten in einen lebhaften Hühnerstall versetzt wird. Für die Fiddle-Musik typische und vom „Duo Arrabalero“ meisterhaft umgesetzte Improvisation machte es möglich. Mit jedem gespielten Stück führte die faszinierende Reise weiter auf der Fiddel-Weltkarte. Die seit mehreren Dekaden eingespielten Musiker zauberten suggestive musikalische Bilder der Kulturen.

Glanzvolle Darbietungen spiegelten deren gegenseitige Einflüsse unter anderem in einem brillant aufgeführten „Shetland-Battle“ und begeisterten mit musikalischen Schmuckstücken der osteuropäischen Folklore. Für die Konzertgäste begann die Fiddle-Wanderung in der sonnigen Provence und hätte mit „Summertime“ nach George Gershwin stilvoll enden sollen. Nach einem stürmischen Beifall des Publikums ist diese Rechnung der Fiddle-Meister nicht gänzlich aufgegangen. Mit dem Stück „Hora“, gespielt in einem atemberaubend schnellen Takt, entführten die Musiker ihre Gäste einmal mehr, diesmal nach Bulgarien.