Das Indener Baugebiet, das vielleicht nie kommt

Der Sportplatz in Frenz liegt brach : Das Indener Baugebiet, das vielleicht nie kommt

Die Verärgerung beim JSV Frenz ist groß. Die Mitglieder befürchten, dass sie ihren Sportplatz umsonst verloren haben. Denn ob es was wird mit dem dort geplanten Baugebiet, ist immer noch unklar.

Wenn Johann Hirtz sein Haus in Inden-Frenz verlässt, dann vermeidet er nach Möglichkeit, auf seinem Weg an der Fläche vorbeizukommen, auf der sich bis zum vergangenen Jahr der Sportplatz befand. Das sagt der Mann, der 30 Jahre lang Vorsitzender des JSV Frenz war, also des Vereins, dessen Fußballer da gekickt haben. Denn der Anblick der Fläche bringt ihn in Wallungen voller Wut. Das erzählt Hirtz, der nur einen kurzen Fußweg „vom bis zum vergangenen Jahr schönsten Sportplatz der Gemeinde“ entfernt lebt.

Heute ist davon nichts mehr zu sehen, vom Rasen ist Wildwuchs übrig geblieben, einen Meter hoch. Für den Grund, warum die Fußballer weichen mussten, hat Hirtz irgendwie noch Verständnis, wie er sagt. Die Gemeinde Inden will Bauland auf dem Sportplatzgelände entwickeln. Inden steht dabei unter höherem Druck als andere Gemeinden, schließlich hat es wegen des Tagebaus prozentual mehr Fläche verloren als jede andere Stadt oder Gemeinde. Der Platz, um Neubaugebiete zu schaffen, ist weniger als anderswo. Und weil Inden in Sachen Einwohner nach dem Verlust der umgesiedelten Ortschaften wieder wächst, entsteht Siedlungsdruck. Deswegen wollen Rat und Verwaltung den Sportplatz in 30 Baugrundstücke umwandeln. Gegen die Stimmen der Grünen wurde das so im vergangenen Jahr beschlossen.

Ein verlorenes Jahr

Die Frenzer Mühle befindet sich zwischen dem ehemaligen Frenzer Sportplatz (links) und der Anlage in Lamersdorf (rechts unten).  . Foto: Guido Jansen

Und seitdem passiert aus Sicht des Vereins nichts. „Wir hätten hier noch eine ganze Saison spielen können“, sagt Hirtz mit Blick auf die Wildwiese, die einst ein Sportplatz war. Fidain Jashari, Kassierer beim JSV, nickt. „Im Verein sind alle sauer“, sagt er. Nicht nur wegen des verlorenen Jahres. Auch wegen der Art, auf die der JSV heimatlos wurde. „Wir wussten nur, dass aus dem Platz mal irgendwann Bauland werden könnte“, sagt Hirtz.

Dann sei er im Mai 2018 ins Rathaus gerufen worden. Damals war er noch Vorsitzender. Und man habe ihm eröffnet, dass der JSV ab sofort auf seinen Platz verzichten müsse. „Für uns kam das aus heiterem Himmel“, wie Hirtz betont. Eine Woche zuvor sei Bürgermeister Jörn Langefeld, ebenfalls aus Frenz, noch am Fußballplatz in Frenz gewesen, gesagt habe er aber nichts. „Im Vorfeld wurde zu verschiedenen Gelegenheiten mündlich darauf hingewiesen, dass dies wahrscheinlich die letzte Saison auf diesem Platz sei“, entgegnet Michael Linzenich, der allgemeine Vertreter des erkrankten Langefeld. „Wir wussten von nichts“, bleibt Hirtz bei seiner Version.

Seit dem vergangenen Mai ist der Unmut beim JSV gewachsen. Der Verein ist jetzt auf der 200 Meter weit entfernten Sportanlage in Lamersdorf untergebracht, heimisch fühlen sich die Fußballer da aber offenbar nicht. Und sie ärgern sich, weil es Vorzeichen gibt, dass sie wegen eines Baugebiets, das vielleicht nie kommt, ihren Fußballplatz verloren haben. Diskutiert wird das Baugebiet jedenfalls schon seit Jahren. In der heutigen Sitzung des Bauausschusses (18 Uhr im Ratssaal) soll die öffentliche Auslegung besprochen werden, die Bedingung ist, um ein Baugebiet auszuweisen. Die Offenlage ist der Zeitraum, in dem Einwände vorgebracht werden können. Und das wird wohl so kommen.

Alleine schon von Mareike und Peter Wollschläger, den Eigentümern des Bio-Bauernhofs, dessen Grundstück an das Bauland grenzt. Die Gemeinde und die Familie liegen schon Jahre im rechtlichen Streit wegen des Baugebiets. Kommuniziert wird nur noch über Anwälte. Anders gehe es mit der Gemeinde nicht, sagt das Paar. „Selbst bei der aus unserer Sicht unzureichenden Berücksichtigung der tatsächlichen Lärmemissionen wird im Gutachten allerdings ein Abstand gefordert, der nun (in der neuerlichen Planung der Gemeinde, Anm. d. Red) deutlich unterschritten werden soll“, teilte das Paar der Gemeinde schriftlich mit. Der aus ihrer Sicht im Gutachten zu gering bemessene Abstand werde seitens der Gemeinde noch unterschritten. Linzenich widerspricht dem, betont, dass die erforderlichen Abstände eingehalten würden.

Mareike und Peter Wollschläger halten auf ihrem Bio-Hof unter anderem Perlhühner. Und deren Lautstärke werde im Gutachten deutlich unterschätzt. Sie sprechen auch die anderen Gutachten an, die schon erhoben worden sind und jetzt teilweise neu angefertigt werden. Eine Brutstätte des Steinkauzes werde unter anderem ignoriert. Die liege weniger als 200 Meter entfernt vom geplanten Baugebiet. Im Umkreis von 200 Metern einer Steinkauz-Brutstätte ist Bauen nicht erlaubt. Warum die Wollschlägers sich sicher sind: Die Brutstätte befinde sich in einem Baum auf ihren Feldern. Die Bedürfnisse der Fledermäuse seien nicht berücksichtigt.

Belastung seit 2006 bekannt?

Und dann gebe es noch das Gutachten über den unter anderem mit Dioxin belasteten Boden im Bereich des alten Sportplatzes. Der liegt im alten Überschwemmungsgebiet der Inde. Und die war früher unter anderem mit Dioxin belastet, das jetzt im Boden zu finden ist. „Seit 2006 ist bekannt, dass der Boden belastet ist. Damals gab es eine Untersuchung“, wettert Hirtz, der kein Verständnis dafür hat, warum Rat und Verwaltung trotz dieses Wissens ein Baugebiet planen.

Linzenich erklärt, dass die zukünftigen Eigentümer in den Kaufverträgen zu Gegenmaßnahmen verpflichtet werden sollen. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder, das belastete Erdreich wird abgetragen, oder von einer zusätzlichen Erdschicht überdeckt. Die Bezirksregierung hat festgelegt, dass das Bauland primär nur für Frenzer gedacht sein soll. „Ich denke nicht, dass hier jemand kauft“, sagt Hirtz. Das sei dann doppelt bitter, weil sein Verein heimatlos geworden wäre für ein Baugebiet, das nie kommt.