Tischtennis-Bundesliga: Das Hoffen auf die ersten Punkte

Tischtennis-Bundesliga : Das Hoffen auf die ersten Punkte

Wichtiger Schritt: Tischtennis-Bundesligist TTC Indeland findet eine neue Heimat für die Geschäftsstelle. Sportlich bestreitet der Aufsteiger ein selbst ausgerufenes Lehrjahr und ist zum Rückrundenstart noch ohne Punkte.

Zwischen den Jahren wurden die Umzugskisten gepackt, bevor es ernst wird: Tischtennis-Bundesligist TTC Indeland Jülich zieht am Samstag mit Geschäftsstelle und Vereinsheim von der Stadthalle um in die erste Etage des Hauses der Arbeiterwohlfahrt Jülich, Marie-Juchacz-Weg 2. Dort, wo bis vor kurzem die AWO-Einrichtung „Jacke und Hose“ beheimatet war, wird der TTC ein Büro nebst Aufenthaltsraum einrichten, wo auch die Vorstandssitzungen erfolgen können. Für größere Vereinsveranstaltungen wie die Jahreshauptversammlung stünde zudem der Saal im Erdgeschoss des AWO-Heimes zur Verfügung. 

„Wir sind ganz froh, dass wir auch den Treppenaufgang und Flur dazu benutzen können, um unsere Pokale, Urkunden, Fotos, Plakate und Wimpel zu präsentieren, die sich im Lauf der Vereinsgeschichte angesammelt haben“, sagt Präsident Mike Küven, der mit seinen Vorstandskollegen neben Büromöbeln, Tischen und Stühlen auch Teile der Jülicher Sportgeschichte ins neue Vereinsheim schaffen wird. Das Schild an der Großen Rurstraße zum Haus der Arbeiterwohlfahrt ist bereits um den Hinweis auf die TTC-Geschäftsstelle ergänzt worden. Es sei einer glücklichen Fügung zu verdanken gewesen, dass just bei der Suche nach einer neuen Vereinsbleibe die Räume bei der AWO frei geworden sind, denn das Heim im Stadthallen-Komplex wird bekanntlich geschlossen. Genutzt für den Umzug wird das letzte freie Wochenende, denn kommende Woche starten sowohl Tischtennis-Bundesliga (TTBL) als auch die Amateurligen wieder ihren Spielbetrieb.

Bisher ohne Punktgewinn

„Sportlich konnten wir bislang nicht mit Punkten glänzen“, fasst der Präsident das Abschneiden in der Eliteklasse zusammen, wo die Indeländer als Schlusslicht der Tabelle bei 5:36-Spielen 0:24-Punkte aufweisen. „Knackpunkt war das Pokalspiel in Hamm“, blickt der Präsident auf den Saisonverlauf. In der Bundesliga sei das Spieltempo sehr hoch, an das sich das TTC-Trio gewöhnen musste. Nachdem dieser Einstieg gelungen war, habe die Reise zum Zweitligisten Hamm angestanden, wo der TTC durch Martin Allegro 1:0 führte und sich auch in der zweiten Partie nach zwei Satzgewinnen auf der Siegerstraße wähnte. Doch das Match ging noch verloren und da Dennis Klein nach einer Grippe nicht im Vollbesitz seiner Kräfte war, stand am Ende eine enttäuschende 1:3-Niederlage des Aufsteigers beim Außenseiter.

Noch ohne Punkte, aber nicht ohne Hoffnung: das Erstliga-Team um Trainer Miro Broda (Mitte). Foto: Guenther Krol/Günther Krol

„Ich bewundere Miro Broda“, spricht Mike Küven dem TTC-Trainer ein großes Kompliment aus, der stets Optimismus ausstrahle und es verstehe, die Mannschaft immer wieder zu motivieren. Doch auch, wenn die kommenden Gegner nicht schwächer werden – als nächstes stehen Spitzenreiter Ochsenhausen und das Derby gegen Düsseldorf auf dem Spielplan – hofft Küven weiter auf ein Ende der sportlichen Durststrecke. Trotzdem sei die erste Saison im Oberhaus als „ein Jahr zum Lernen und Ankommen“ geplant gewesen.

Mit Blick auf die kommende Spielzeit haben, so Küven, die Verhandlungen mit neuen Spielern sowie die Gespräche mit Saarbrücken und Düsseldorf begonnen. Die Zugänge sollen das TTC-Team „auf die nächste Stufe heben“.

„Ich werde oft gefragt, warum wir überhaupt Bundesliga spielen“, sagt der TTC-Präsident, der dazu ein ganzes Bündel von Gründen aufzählt. Nach 33 Jahren Tischtennis-Bundesliga und acht Jahren 2. Liga habe Manager Arnold Beginn nach seiner schweren Erkrankung „noch einmal bei den Großen mitmischen wollen“. Zudem sei das Sponsoring rückläufig gewesen, nachdem der TTC sieben Jahre in der 2. Bundesliga oben mitgespielt und von einem möglichen Aufstieg geredet habe, letztlich aber nie den entscheidenden Schritt tat. Darunter habe die Glaubwürdigkeit gelitten.

Zur Angleichung von 2. Bundesliga und TTBL sei ein Masterplan aufgestellt worden, damit der Übergang leichter möglich ist. So waren vor fünf Jahren noch 95 Prozent der Zweitliga-Spieler Amateure, „doch das hat sich komplett gewandelt“. Inzwischen seien zwar 95 Prozent der Spieler Profis, doch „alles andere ist gleich geblieben“. Auf diese Weise werde es auch nicht gelingen, den Abstand zu verringern. Küven: „Da tut sich nichts.“

Von Beginn lernen

Nachdem mit der Zugehörigkeit zur Bundesliga Arnold Beginns ausdrücklicher Wunsch erfüllt worden sei, „müssen wir von ihm lernen und sein Netzwerk nutzen“, sagt der Präsident, um den Verein an die Liga heranzuführen. Dazu habe es auch des Muts der Vorschaltgesellschaft bedurft, die der ehemalige Manager führt. Da in der TTBL ein Platz frei geblieben ist – der TTC hatte nur als Auffüllkandidat den Aufstieg geschafft – müssten schon zwei Zweitligisten den Sprung ins Oberhaus anstreben und sich auch sportlich qualifizieren, um den TTC noch aus der Bundesliga zu verdrängen. Diese Entscheidung werde bereits Ende des Monats fallen, wenn die Lizensierung für 1. und 2. Bundesliga angemeldet werden.

Einen Masterplan gibt es inzwischen auch bei der TTBL, der auf eine weitere Professionalisierung der Vereine abzielt. So ist eine eigene Geschäftsstelle künftig Pflicht, die 40 Stunden wöchentlich besetzt sein muss. Hier hat der TTC einen Antrag auf Bundesfreiwilligendienst gestellt, über den im Frühjahr entschieden wird. Die Vorschaltgesellschaft, bislang eine Limited nach britischem Recht, läuft wegen des Brexit aus und muss in eine GmbH umgewandelt werden. Beispiele für weitere Vorgaben der TTBL, bei deren Nichtbefolgen Strafen drohen, sind das Organisieren von zwei Fanfahrten zu Auswärtsspielen, ein VIP-Raum in der Halle und ein Showcourt, den die Indeländer Marke Eigenbau realisiert haben.

Enttäuscht ist Präsident Küven bislang vom Besuch der Heimspiele: 300 Zuschauer beim Start in den Sommerferien gegen Grenzau waren verheißungsvoll, doch später pendelte sich die Resonanz bei 150 Besuchern ein. Küven macht das auch daran fest, dass den Besuchern etwas die Spannung in der Tischtennis-Bundesliga fehle, wo die Höhe des Etats eng mit dem sportlichen Erfolg verknüpft ist. „Wer das Geld hat, spielt oben“, gebe es hier kaum Überraschungen.

(ahw)
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