Das Bienenvolk im Jülicher Nordviertel ist enorm wichtig

Informationen sollen Anwohnersorgen zerstreuen : Das Bienenvolk im Jülicher Nordviertel ist enorm wichtig

Ein „Bienengipfel“ im Nordviertel hat die Weichen für den Schutz der nützlichen Insekten gestellt. Das Projekt der Gemeinschaftsgrundschule Nord findet breite Zustimmung.

Ortsvorsteher Peter Schmitz hatte zum „Bienengipfel“ mit engagierten Fachleuten in die Gemeinschaftsgrundschule Nord eingeladen. Seit etwa drei Jahren nimmt die GGS Nord an einem landesweiten Schulprojekt zum Schutz der Honigbienen teil. Hierzu wurde ein Bienenvolk mit entsprechenden Bienenstöcken im hinteren Bereich der Grundschule im Schulgarten angesiedelt. Die Grundschülerinnen und -schüler erfahren durch die Beobachtung des Bienenvolkes vieles über diese nützlichen Insekten. Ein in der Imkerei geschulter Lehrer ist gemeinsam mit einem ortsansässigen Imker für das Projekt und die fachkundige Bienenpflege verantwortlich.

Im Rahmen des Projektes „Altengerechte Quartiersentwicklung Jülich Nordviertel“ haben sich Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers beim „Runden Tisch“ dafür ausgesprochen, in ihrem Wohnumfeld etwas für Insekten und Bienen zu tun. Sie machen sich dafür stark, dass mehr Anwohner in ihren Privatgärten sogenannte Blumenwiesen einrichten, damit Insekten und Bienen den für sie passenden Lebensraum vorfinden. Problematisch sind die zunehmenden praktischen „Steingärten“, die kaum noch blühende Pflanzen enthalten und somit eher zum Verdrängen von Insekten führen. Jedoch gibt es auch vereinzelt Anwohner in Nähe der Bienenstöcke der Grundschule, die gegenüber Ortsvorsteher Schmitz Bedenken geäußert haben. Ihre Sorgen richten sich auf mögliche Belästigungen durch das Bienenvolk, da sich die Bienenstöcke in unmittelbarer Nähe zu einer öffentlichen Grünanlage befinden und Spaziergänger sich um ihre Gesundheit sorgen könnten.

Der Einladung von Peter Schmitz zum „Bienengipfel“ waren der Jülicher Imker Manfred Kochs, Beigeordneter Martin Schulz (Freizeitimker aus Überzeugung), Bauhofleiter Markus Danz als Fachmann für Wildblumenwiesen, Schulleiter Heinz Rombach, Schulamtsleiter Gert Marx, Schulhausmeister Heinrich Jansen und die beiden städtischen Quartiersentwicklerinnen Beatrix Lenzen und Sevdije Haxha gefolgt. Peter Schmitz trug die Bedenken einiger Anwohner vor.

Die Imker erläuterten, dass von gezüchteten Honigbienen, die ja in den Bienenstöcken des Schulprojektes leben, normalerweise keine Gefahr ausgeht, denn diese Völker sind auf Sanftmütigkeit hin gezüchtet. Ihre Aufgabe ist es, guten Honig zu produzieren und den Imker an den Bienenstock heranzulassen. Auch Lärm durch vorbeigehende Menschen führe nicht dazu, dass sich solche Bienenvölker gestört fühlen und dadurch im Ausnahmefall zum Angriff auf Menschen übergehen könnten. Allerdings war in diesem ungewöhnlich heißen Sommer zu beobachten, dass die Anzahl der Wespen enorm zugenommen hatte und diese Insekten neigen eher dazu, in Bedrängnis auch einmal zu stechen.

Da es eine Vielfalt von unterschiedlichen Bienenarten gibt, falle es Laien, so Imker Kochs, sehr schwer, Bienen und Wespen in der Natur voneinander zu unterscheiden. So könne der Verursacher eines Wespenangriffs irrtümlich auch für eine sanftmütige Biene gehalten werden. Bienen wehrten sich jedoch nur, wenn sie in enorme Bedrängnis gebracht werden.

Schulleiter Rombach sprach sich vehement für einen Erhalt des pädagogisch sehr sinnvollen Bienenprojektes aus. Er sieht unbedingt den Mehrwert, den die Schülerinnen und Schüler beim Lernen an den Bienenstöcken haben. Bienenschutz schon früh im Unterricht zu lehren, helfe dabei, dass die Kinder mit einem gesunden Naturverständnis aufwachsen und erkennen, wie wichtig Bienen und andere Insekten für die Bestäubung von allen Pflanzen sind und so die Artenvielfalt der Flora erhalten werden kann bzw. die große Bedeutung für die Sicherung der Ernährung der Weltbevölkerung deutlich wird. Denn so viel stehe fest: Die enorm wichtige Aufgabe der Blütenbestäubung durch Insekten kann künstlich von Menschenhand nicht umfassend ersetzt werden.

Über das sogenannte Insekten- und Bienensterben wird viel berichtet in den Medien. Der selbst gewonnene Honig der Schulbienen findet bei den Eltern guten Absatz, sagte Schulleiter Rombach. Die Eltern der Schule unterstützen das Bienenprojekt voll und ganz.

In der Vergangenheit gab es an verschiedenen Stellen immer wieder Vandalismus an Bienenstöcken, so auch beim Schulprojekt an der Sekundarschule. Beigeordneter und Hobby-Imker Schulz hat für solches Verhalten überhaupt kein Verständnis. Auch er hält diese Schulprojekte für unbedingt erhaltenswert um eben schon frühzeitig über den großen Nutzen der Insekten zu informieren, damit solcher Vandalismus hoffentlich nicht mehr vorkommt.

Gemeinsam plant der „Bienengipfel“ mit Ortsvorsteher Schmitz, im nächsten Frühjahr eine Informationsveranstaltung mit Anwohnerinnen und Anwohnern und weiteren am Thema Interessierten, bei der Wissenswertes über das Schulprojekt und das Verhalten von Honigbienen vorgestellt werden soll. Es gelte, die Bedenken einiger Anwohner ernst zu nehmen, aber durch fachliche Information und Aufklärung die nicht berechtigten Sorgen zu zerstreuen.

„Bienen zum Anfassen“ könnte das Motto der Veranstaltung lauten. Zusätzlich sollen ab dem nächsten Frühjahr Informationstafeln in der Nähe des Zaunes des Schulgartens auf das Projekt hinweisen und den Spaziergängern und Schulkindern nützliche Erläuterungen bieten.