Comedy: Sebastian Bielendorfer beim Overbacher Special

„Overbacher Special“ : „Papa ruft an“: Bastian Bielendorfer und seine schwere Jugend

So einfach kommt man zu einem eigenen Comedy-Programm: Man erzählt einfach die besten Geschichten aus seinem Alltag als Lehrerkind. Genauso macht es Bastian Bielendorfer – mit Erfolg.

Die schwere Jugend als Lehrerkind scheint Bastian Bielendorfer gut weggesteckt zu haben. Denn die vielen spaßigen Begebenheiten aus Vergangenheit und Gegenwart kann er mit viel Augenzwinkern und Mutterwitz zum Besten geben.

Beim „Overbacher Special“ in der vollbesetzten Aula gelang es ihm sofort, das Publikum mit seinen Berichten aus der Kinder- und Jugendzeit zu amüsieren. Sehr drastisch schilderte er Kindheitserlebnisse, bei denen seinem Lehrervater eine gewisse Verschrobenheit nicht abzusprechen war. Der Campingurlaub von Vater und Sohn musste frühzeitig abgebrochen werden, da die Lebenstüchtigkeit seines Vaters in Alltagsdingen nicht gerade stark ausgeprägt war. Zeltaufbau und Verpflegung waren schier unlösbare Probleme, die für reichlich Konfliktstoff sorgten und den vorzeitigen Abbruch der Freizeitaktivität bedeuteten.

Seine Kindheit als Lehrerkind beschreibt Bastian Bielendorfer als vergleichbar mit Zwieback bei „Magen-Darm“, sich selbst als fettes, hässliches, lispelndes Kind, das durch die ständige Gegenwart familiärer Pädagogen, Mutter, Vater und Onkel – das heißt Alarmstufe 3 – auch heute noch traumatisiert ist. Allein die Autofahrt zur Schule in ständiger Anwesenheit einer der drei Personen konnte traumatisieren.

Auch Familienurlaube hatten ihre Tücken, sei es bei der Autofahrt mit dem Hund Adenauer und stundenlanger „Last Christmas“ Berieselung, der preiswerten Zimmerversion mit Babybett für den Zwölfjährigen oder dem Überfall der Feuerquallen und der medizinischen Behandlung mit Eigenurin am öffentlichen Strand.

Seine Karriere als Komiker startete er bei Günther Jauch mit seinem Auftritt bei „Wer wird Millionär“. Seine Schilderung des Telefonates mit seinem Telefon-Joker, natürlich seinem Vater, der mit der Technik des Telefons zu kämpfen hatte, aber bei der 8000-Euro-Frage helfen konnte, war urkomisch. Die obligatorische elterliche Äußerung bei jedem Missgeschick, „das kann auch nur dir passieren“ zog sich wie ein roter Faden durch den Vortrag. Aber immerhin entstand durch seinen Auftritt schnell sein erstes Buch, das ein voller Erfolg wurde.

Aber auch heute noch, im Erwachsenenalter ist der Leidensdruck als Lehrerkind groß, wenn auch diesmal die Skurrilität durch elterliche Anrufe deutlich wird. Die Hilflosigkeit des Vaters im Umgang mit der Mikrowelle, die er explodieren ließ, die zerstörte Wohnung von Freunden, weil er den Hund an einen Heizpilz band und der diesen durch das ganze Haus schleppte, waren nur einige Episoden.

Aber nicht nur die Lesungen aus seinem Buch amüsierten die Zuhörer, auch bei seinen Alltagsschilderungen merkten sie, dass Bastian Bielendorfer ein ausgezeichneter Beobachter ist, der die komischsten Situationen des Lebens aufgreift und sie mit schönsten Pointen zu erzählen weiß. Der Einkaufsbummel, der für Männer zum Albtraum wird, das Warten der männlichen Partner vor der Umkleide, jeder mit einem Täschchen auf dem Schoß und verlegenem Blick auf das Handy, und natürlich der Kommentar des unsensiblen jungen Mannes, der die Vorführung seiner Partnerin in Leggings mit ungalanten Worten kommentierte, waren Szenen, bei denen das Publikum lebhaft mitging.

Bielendorfer bot einen Comedy-Abend, an dem so herzhaft gelacht wurde, dass manche Träne weggewischt werden musste. Ständiger Szenen- und ein kräftiger Schlussapplaus waren ihm sicher für die pointenreichen und liebevoll erzählten Geschichten aus seinem Leben als „Lehrerkind“.

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