Jülich: Café Gemeinsam in Jülich braucht einen Neustart

Jülich : Café Gemeinsam in Jülich braucht einen Neustart

Die Aufgabe des Jülicher Café Gemeinsam ist kurz und knapp im eigenen Werbeflyer formuliert: „Ein Treffpunkt für alle, die einsam, allein oder wohnungslos sind.“ Diesem Anspruch ist die Einrichtung, die auch eine Beratungsstelle ist, in gut vier Jahren nachgekommen, denn die angesprochenen Zielgruppen gibt es natürlich auch in der Herzogstadt.

Sie nutzten diese Anlaufstelle regelmäßig, die nun etwa drei Monate geschlossen wird. Das geschieht zum einen, um die Räume in der Stiftsherrenstraße zu renovieren, aber auch um eine besondere Entwicklung der jüngsten Zeit zu stoppen. „Eine bestimmte Klientel hat das Café in Besitz genommen“, sagt Leiter Dieter Bürger. Die Einrichtung hat in jüngerer Vergangenheit viele Suchtkranke (vor allem Alkohol, aber auch illegale Drogen) angelockt.

Das ist im Einzelfall auch nicht wirklich das Problem in einer Einrichtung, die Menschen so nimmt, wie sie sind, und akute Hilfe leisten will. Aber es kamen immer mehr. „Es hat sich hier bei uns geknubbelt“, sagt Bürger. „Alte und einsame Menschen sind so sicher abgeschreckt worden.“ Und dann stellte sich Dieter Bürger, dem hauptamtlichen Kopf von In via eines ansonsten ehrenamtlichen Teams, oft die Frage, was da mitunter vor der Tür passierte, wo man nicht kontrollieren durfte. Bürger: „Dass da gedealt worden ist, kann man vermuten.“ Insofern sieht der Leiter der Jülicher Anlaufstelle in der jetzigen Pause eine gute Gelegenheit für alle Seiten, durchzuatmen. Allerdings sind die für drei Monate verschlossenen Türen auch ein Problem für die eigentliche Klientel, die im Café Gemeinsam schlicht einmal duschen und die Wäsche waschen, einfach nur eine Kleinigkeit essen wollte für einen geringen Obolus oder einen Rat suchte. Menschen, die aufs Café angewiesen sind, müssen jetzt bis Ende Juli improvisieren.

„Café Gemeinsam“

Unterhalten wird das „Café Gemeinsam“ von einer Kooperationsgemeinschaft, zu der neben In Via auch die Pfarrei Heilig Geist Jülich, die evangelische Kirchengemeinde und das Diakonische Werk Jülich sowie das Christliche Sozialwerk Jülich gehören. Thomas Kreßner, früherer evangelischer Pfarrer, sagte bei einem Treffen der Verantwortlichen im Café, dass ihn die Entwicklung nicht wundere, denn es sei eine Art Gesetzmäßigkeit in offenen Einrichtungen, dass bestimmte Gruppen andere verdrängen. Das sei auch in der Jugendarbeit oft zu beobachten. Allerdings sieht er im spezifischen Fall schon Handlungsbedarf, denn „unser Ziel, Menschen in schweren Lebenssituationen eine Heimstatt zu geben“, wurde zuletzt ebenso nur eingeschränkt erreicht wie deren gezielte Beratung.

Nun wollen Dieter Bürger und In Via auch über das künftige Konzept nachdenken. Ab August öffnet das Café Gemeinsam nur noch drei Tage die Woche (Dienstag bis Donnerstag, 9 bis 13 Uhr), das steht schon fest. In Düren, wo In Via das Café Lichtblicke betreibt, gibt es eine vergleichbare Situation nicht, weil die Drogenberatung dort in der Bismarckstraße auch eine Anlaufstelle für Suchtkranke unterhält. Eine solche fehlt in Jülich, wird sich so schnell auch nicht realisieren lassen.

Insofern ruhen die Hoffnungen auf dem neuen Konzept und der Wirkung einer mehrmonatigen Pause. Denn wegzudenken ist das Café Gemeinsam aus Jülich nicht mehr. Pfarrer Josef Wolff wies diese Woche darauf hin, dass die Einrichtung schon kurze Zeit nach der Schließung vermisst werde. „Das ist auch eine kleine Erfolgsgeschichte und unterstreicht die Notwendigkeit.“

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