Seniorentag in Jülich: Bunte Feier und ein paar „Sorgenwölkchen“

Seniorentag in Jülich : Bunte Feier und ein paar „Sorgenwölkchen“

Beim 12. Seniorentag ist der Saal in Jülich proppevoll. Es gibt ein buntes Programm mit Liedern, Gedichten und Kaffee und Kuchen. Aber: Die „Beatles-Generation“ fehlt. Auch dem Beirat fehlen die jüngeren Alten.

„Laufen, Lernen und Lachen“, das ist die Empfehlung von Marianne Radermacher als Lebenselixier für alle, die älter werden oder es schon sind. Sie ist die Vorsitzende des Seniorenbeirates der Stadt Jülich, und mit einem Lachen und sichtlich zufrieden begrüßte sie die Gäste, die sich zahlreich im Dietrich-Bonhoeffer-Haus eingefunden hatten. Zahlreich? Nein, proppevoll, wie der Rheinländer sagt, war der Saal, dicht gedrängt saßen die „älteren Herrschaften“ an schön dekorierten Tischen. Leicht rheinisch war auch das Motto, das die Veranstaltung durchzog, die der Seniorenbeirat mit einem engagierten Team und mit Unterstützung durch die Stadt Jülich bereits zum zwölften Mal auf die Beine gestellt hatte.

Gedichte und Tanztheater

Denn mit „kölsche Töön“ hatte Inge Duwe, die den Singkreis des Seniorenbeirates leitet, die Zuhörer schon in beste Laune versetzt. „Du bess meng Stadt“ von den Bläck Föös und „E Jeföhl“ von den Höhnern intonierten die Damen gekonnt, und selbstverständlich durfte auch die Jülicher „Stadthymne“ nicht fehlen: „D’r Hexetuer.“ Mit viel Applaus bedacht trat dann der Bühnenhörspieler Wolfgang Rosen vor sein Publikum und gab Gedichte von Eugen Roth und Carl Wolff zum Besten. Die Geschichte „Brot von gestern“ des Kabarettisten Horst Evers sorgte ebenso für Lacher wie sein rheinischer Beitrag über „Ons Oma Jertrud“, die ansonsten recht friedlich ihren Lebensabend verbringt, in punkto Essen aber durchaus biestig sein konnte. Das Tanztheater der Sekundarschule Jülich, eine Gruppe von Schülern aus dem Bereich „Darstellung und Gestaltung“ unter der Leitung von Anja Knauer überzeugte mit einer modernen Performance zu „Romeo und Julia“, während die Seniorentanzgruppe mit Dagmar Schmitz den Kontrapunkt dazu setzte. Natürlich durfte bei diesem Seniorentag auch das gemeinsame Mittagessen und Kaffee und Kuchen nicht fehlen.

Aufgeräumte Stimmung

Rundum also zufriedene Gesichter und eine aufgeräumte Stimmung, die zeigt, dass etwas getan wird in Jülich für die ältere Generation. Darauf hatte auch schon Wolfgang Gunia als stellvertretender Bürgermeister in seinem Grußwort hingewiesen. Die Situation in der Stadt sei besser geworden für Senioren, Wohnanlagen für diese Zielgruppe würden geschaffen, aber auch Sozialwohnungen. Und es gäbe viele gute Vorschläge, das Lebensumfeld zu verbessern.

Doris Vogel, zuständige Dezernentin der Stadt Jülich, schloss sich dem an: „Alt werden ist nichts für Feiglinge“ zitierte sie ihren Vater. Übermut gehöre aber auch nicht dazu. Deshalb sei das mutige „sich Einbringen“ wichtig. Sie verwies dabei auf das „Integrierte Handlungskonzept“ der Stadt, zu dem jeder ermuntert wird mitzumachen, damit die Situation in Jülich für alle weiter verbessert wird. Dennoch waren auf Marianne Radermachers Miene bei aller Freude über den gelungenen Tag einige Sorgenwölkchen zu beobachten. „Wir dürfen uns nichts vormachen und müssen realistisch sein“, stellt sie mit Blick auf „ihr“ Publikum fest. „Heute sitzt hier mehrheitlich die Generation 75 plus.“ Tatsächlich: Im Saal fehlen erkennbar die jungen Alten, also diejenigen ab 60 aufwärts. „Hier muss etwas passieren“, fordert die Vorsitzende des Seniorenbeirates, die selbst im Frühjahr 2020 ihr Amt zur Verfügung stellt.

Die Jüngeren erreichen

„Wenn wir die Jüngeren nicht erreichen, befürchte ich einen Bruch.“ Einen Ansatzpunkt einer Verjüngungskur sieht sie darin, dass die Parteien das Problem auf die Agenda setzen und auch der Seniorenbeirat mit jüngeren Senioren besetzt wird. „Dass das nicht einfach ist, weiß ich,“ sagt Radermacher. „Viele von den jüngeren Alten sind noch in Arbeit, haben andere Verpflichtungen und für die ehrenamtliche Tätigkeit vielleicht auch nicht die Zeit.“ Es bleibt also spannend, wie die Neubesetzung des Seniorenbeirates Ende Februar 2020 ausgeht. Es dürfte nicht ganz einfach werden, bis auch die „Generation Beatles, Stones, Pink Floyd und Co“ den Weg zum Seniorentag findet. Den wird es aber auch weiter geben, da sind sich die Verantwortlichen sicher.

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