Boslar/Mersch: Bürgerinitiative sieht keine Annäherung im Windkraft-Streit

Boslar/Mersch: Bürgerinitiative sieht keine Annäherung im Windkraft-Streit

Die Bürgerinitiative (BI) Windkraft mit Augenmaß Boslar/Mersch sieht keine Annäherung im Streit um den geplanten Windpark. Es sei kein Kompromiss in Sicht, unterstreicht die BI, nachdem die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG) Parteilose Kandidaten Linnich (PKL) entsprechende Hoffnungen nach einem Gespräch mit dem Projektentwickler BMR energy solutions, Hückelhoven, geäußert hatte.

Dabei hat BMR nach PKL-Angaben Bereitschaft signalisiert, die Höhe der geplanten Windkraftanlagen von 200 auf 180 Meter zu verringern. Für die PKL war dies ein Kompromiss, mit dem sich „hoffentlich auch die Bürgerinitiativen einverstanden zeigen können“.

Für die Bürgerinitiative ist dies jedoch „eine klare Fehleinschätzung“. „Noch vor einem dreiviertel Jahr“, so Bernd Schneiders aus Boslar, „waren 180 Meter Höhe die Planungsgrundlage. Nachdem sich zunächst kein Widerstand geregt habe, weil die Information für die Bevölkerung zu dürftig gewesen sei, seien „zwischendurch noch 20 Meter zugelegt“ worden. Auflagen der Bundeswehr wegen der Flugsicherheit hätten die Planer jedoch gezwungen, auf die Startposition von 180 Metern zurückzukehren. Schneiders: „Es scheint wohl Firmenpolitik von BMR zu sein, diesen Rückschritt als Entgegenkommen zu verkaufen.“ Der vermeintliche Kompromiss sei daher nichts als ein faules Ei. Die Bürgerinitiative, so Schneiders weiter, fordere unbeirrt, einen Abstand zur Wohnbebauung einzuhalten, der dem Zehnfachen der Windradhöhe entspreche.

„Uns geht es in erster Linie um die Belange der Einwohner vor Ort“, erläutert Robert Claßen aus Broich. „Und diese Belange scheinen in den Überlegungen bisher keine besondere Rolle gespielt zu haben. Es kann zudem nicht sein, dass zur Meinungsfindung bislang nur solche Gutachten herangezogen werden, die durch die Vorhabenträger bezahlt worden sind. Gerade bei dem so wichtigen Thema Schallbelastung fordern wir“, so Claßen weiter, „die Prognosemodelle durch weitere Sachverständige prüfen zu lassen. Und von den Linnicher Faktionen im Rat erwarten wir, dass sie sich vor ihrer Entscheidung eine entsprechende Grundlage verschaffen und zu den Bedenken der Bürger öffentlich Stellung nehmen, zum Beispiel in Bürgerversammlungen.“

Für völlig falsch hält Heinz-Werner Themanns von der BI auch die Behauptung, durch die Reduzierung der Bauhöhe auf 180 Meter seien Gewerbesteuereinbußen zu erwarten. Auf sehr lange Sicht seien überhaupt keine Gewerbesteuereinnahmen zu erwarten, sondern erst dann, wenn die Anlage einen Gewinn erwirtschafte. Themanns verweist dabei auf die Gemeinde Titz, die diese Erfahrung habe machen müssen. Vor einer vorschnellen Zustimmung zu dem Windpark sollte der Rat prüfen, ob das Linnicher Modell der Vermarktung von Ausgleichsflächen zur Beschaffung von Einnahmen überhaupt funktioniere. Das Planungsbüro habe auf der letzten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung ausgesagt, dass Linnich bei den Ausgleichsmaßnahmen drei Jahre im Rückstand sei.

Für Linnich liege, so die Initiative, ein großer Anreiz wohl in einer sechs- bis siebenstelligen Einmalzahlung, die an der Haushaltssicherung vorbei in eine Stadtentwicklungsgesellschaft fließen solle. Claßen: „Die Linnicher Fraktionen sollten die Bürger, die sie vertreten, nicht vergessen. Bei diesen wird bei vorschnellem Handeln der Eindruck erweckt, dass die Lokalpolitiker für die berechtigten Sorgen um Lebensqualität, Hemmung der Entwicklung in den Dörfern und ungewissen Gesundheitsgefahren kein Verständnis haben. Dies wollen wir den Bürgern vor der Kommunalwahl verdeutlichen.“

Laut PKL hat BMR zugesagt, dass der Betreiber den seitens des Stadtrates geforderten Abstand von 1000 Metern gewährleisteten. An allen insgesamt fünf Windrädern werde der Abstand zur Wohnbebauung mit mindestens 1100 Metern und zu Einzelgehöften mit 700 Metern mehr als eingehalten.

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