„Bühne 80“ zeigt heitere Dinner-Party mit Abgründen in Jülich

Umjubelte Premiere in Jülich : „Bühne 80“ zeigt heitere Dinner-Party mit Abgründen

„Ich glaube, darum soll es an diesem Abend gehen. Herauszufinden, worum es an diesem Abend geht“ – dieser Satz aus dem Mund von Mariette Levieux (Birgit Bergk) weist die Richtung der Handlung im Stück „Die Dinner Party“ von Neil Simon, mit dem das beliebte Theaterensemble „Bühne 80“ im Mädchengymnasium Premiere feierte.

„Die Aula (im Pädagogischen Zentrum) bietet alles, was wir brauchen, und es ist eine wunderbar entspannte Zusammenarbeit mit dem Mädchengymnasium“, begeisterte sich Regisseur Dr. Christoph Fischer bei seiner Begrüßung in Frack und Fliege im nur einen Spalt weit geöffneten Bühnenvorhang. Ferner lud Fischer dazu ein, sich „zurückzulehnen“ und in der Pause bei der Bewirtung durch Schülerinnen der Jahrgangsstufe 8 durch Getränke und Laugengebäck kräftig zuzugreifen.

„Barpianist“ Thorsten Bergk stimmte mit seinem Stück „Lullaby“ mit jazzigen Akzenten von Wolfgang Fuchs auf die ominöse Dinner-Party in einem erstklassigen Restaurant in Paris ein. Hier treffen nach und nach sechs Gäste ein, scheinbar auf Einladung des renommierten Anwalts Pauls Gerard. Vor allem die in der Reihenfolge ersten drei männlichen Ankömmlinge analysieren die mysteriöse Einladung, bei der weder Gastgeber noch Kellner in Erscheinung treten und die Gäste sich nicht kennen.

Hierbei handelt es sich um Lebemann und Antiquar Claude Pichon (Sascha Massmann), den überaus skurril wirkenden Autohändler und Ausnahmekünstler Albert Donay (Jens Range), im Übrigen ein überaus seltener Gast auf Abendgesellschaften, und den erfolgreichen Geschäftsmann André Bouville (Albert Junker). Das auf den ersten Blick leicht bizarr anmutende Unterhaltungsprogramm, in dem es zugeht wie in einem Taubenschlag, entpuppt sich langsam als „Farce mit höherer Form der Absurdität“, wie der durchaus bissige Bouville es ausdrückt. Als gemeinsamen Nenner entdecken die Herrn, dass der vermeintliche Gastgeber sie alle in derselben Streitsache vor Gericht vertreten hat.

Die Verstrickungen ihrer Beziehungen, verbunden mit einer Vielzahl spannender Denkanstöße, treten mit dem Auftauchen der Damen zutage: Das sind oben genannte Bestsellerautorin Mariette Levieux, die naive Romantikerin Yvonne Fouchet (Claudia Cormann-Wiersch) und als Höhepunkt der Handlung die temperamentvolle Geschäftsfrau Gabrielle Buonocelli (Evelyn Wirtz). Letztere deckt den eigentlichen, zuvor für tot erklärten Gastgeber auf, der großen Wert darauf legt, die Gäste in dieser Formation zusammenzubringen. Buonocelli lässt das gebannte Publikum in menschliche Abgründe blicken und zwingt das Quintett der Akteure zu einem Spiel mit vielen Widersprüchlichkeiten und unverhofften Entscheidungen, in dem es Gewinner und Verlierer gibt. Das actionarme Stück mit wenigen prägnanten Requisiten überzeugte durch die ausdrucksvolle Körpersprache und Sprechweise seiner Darsteller und seiner Mischung aus rasantem Wortwitz und Tragik.

In der ersten Hälfte des Stücks dominierte die Unterhaltung, immer wieder waren Lacher aus dem Publikum zu hören. Mit dem Zutagetreten der zwischenmenschlichen Geflechte wurde es still in den vollbesetzten Rängen, die Handlung gab Gelegenheit zur Selbstreflektion.

Grandioses Spiel bejubelt

Donnernder Applaus belohnte schließlich das grandiose Spiel der Akteure, die vielen Helfer im Hintergrund und nicht zuletzt den Mut, ein außergewöhnlich anspruchsvolles Stück zur Aufführung zu bringen.

Weitere Aufführungen werden am Freitag/Samstag, 5. April und 6. April jeweils um 20 Uhr gezeigt.

(ptj)
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