Jülich: Bühne 80: Spielfreude zwischen Hölle und Himmel

Jülich: Bühne 80: Spielfreude zwischen Hölle und Himmel

Surreales und Heiteres harmonierten vollkommen in der sauber gespielten, leicht komplizierten Komödie mit aufbauendem Spannungsbogen „Irgendwo im Nirgendwo“ von Wolfgang Binder.

Als ihre 33. Inszenierung brachte die Jülicher Theater Gruppe „Bühne 80“ das Stück unter Regie der Vereinsvorsitzenden Claudia Cormann-Wiersch erstmalig auf die Bühne der gut gefüllten Stadthalle, trotz Grillwetters und des zeitgleich ausgetragenen DFB-Pokal-Endspiels.

Der jeweilige Spielstand in der Fußball-Begegnung wurde allertdings mehrfach in die Handlung integriert. Diese beginnt mit der Bremsen quietschenden und aufprallenden Geräuschkulisse eines Unfalls. Protagonist Markus Walther (Martin Günzel glänzt in seiner ersten Rolle), findet sich „Irgendwo im Nirgendwo“ wieder, zwischen Himmel und Hölle, beziehungsweise zwischen den „Generalhandlungsbevollmächtigten“ Frau Düwel (Rosemarie David) und Herrn Engelen (Peer Kling). Mit Hilfe schicker Notebooks konkurrieren sie darum, wer das Unfallopfer nun bekommen soll.

Nach dem HHGB, dem „himmlisch-höllischen Gesetzbuch“, steht es wegen Markus uneindeutigen Lebenswandels bislang unentschieden. Obwohl bereits verstorben, wird Markus Walther für 24 Stunden in seine letzte Lebenssituation zurückversetzt, in der er der Familie seiner Freundin vorgestellt werden sollte. Er muss sich entscheiden: Sagt er die absolute Wahrheit, winkt ihm der Himmel, lügt er, findet er seinen Platz in der Hölle. Weil er „schon als Kind in den Himmel kommen wollte“, spricht er die Wahrheit und sorgt damit für das absolute Chaos.

Seine Freundin Katrin Gerken (Julia Schäfer, ebenfalls in ihrer ersten Rolle und auch im wahren Leben Günzels Verlobte) merkt, das etwas nicht stimmt, was Markus zunächst auf den Unfall zurückführen kann, den er angeblich mit angesehen hat. Später stellt sich jedoch heraus, dass es besagten Unfall nie gegeben hat, weil die himmlisch-höllischen Bevollmächtigten die Situation per Mouseklick schlichtweg gelöscht haben.

Offensichtlich ist, dass sowohl die Ehe von Julias ungleichen Eltern Waltraud und Achim Gerken (Maritta Kieven und Albert Junker) als auch die von Julias Schwester, der flotten, aber zickigen Stephanie Görlitz (Sarah Plahm) und dem einfältigen Grillfanatiker Frank Görlitz (Markus Bäcker) nicht harmonisch verläuft. Weil Markus bei seiner Rückfahrt auf die Erde einen mutmaßlichen Ehebruch gesehen hat und sich der Wahrheit verpflichtet fühlt, legt er zunächst zögernd, dann wild entschlossen die Karten auf den Tisch — zur Freude des Publikums.

Die Situation eskaliert, besonders zwischen Markus und seinem Schwiegervater in spe, fast jedes Familienmitglied gerät mit einem anderen in Streit, Beleidigungen und Drohungen werden ausgesprochen. „Halt, anhalten das Ganze“, ruft schließlich Frau Düwel, die sich, natürlich nur für Markus sichtbar, mit Herrn Engelen in das irdische Getümmel eingeschlichen hat. Etwas ist schiefgelaufen. Irrtümer soll es, so will es das Stück, auch im Nirgendwo geben und so präsentieren die spielfreudigen Akteure ihrem begeisterten Publikum ein völlig überraschendes Ende.

Besonders amüsant waren einige Dialoge aus dem Nirgendwo, wie: „Wir sollten mal Probewohnen anbieten, Tod auf Widerruf“, oder „Wir brauchen dringend eine neue Software. Es gibt da einen Programmierer, der müsste sich inzwischen tot gesoffen haben.“

Erwähnenswert ist die Ausgewogenheit des Ensembles aus erfahrenen Darstellern und Bühnenneulingen. Der begeisterte Applaus des Publikums belohnte das lebendige Spiel der Akteure auf der Bühne und die fleißigen Assistenten hinter den Kulissen. Weitere Aufführungen in der Stadthalle Jülich finden am 23. und 24. Mai statt, jeweils um 20 Uhr.