Bruno Schmidt beim Köln-Marathon: Dank Team trotz ALS im Rolli dabei

Marathon mit dem Rolli : Zehn Stunden Gänsehautgefühl für Bruno Schmidt

Bruno Schmidt und Team sind beim Kölnmarathon regelrecht umjubelt worden. Der 54-Jährige kann wegen der Nervenkrankheit ALS nicht mehr selber laufen. Trotzdem dabei gewesen zu sein, gibt ihm Kraft für die Zukunft.

Eigentlich ist ein Marathon eher Kräftezehrend, doch für Bruno Schmidt aus Gereonsweiler war der Kölnmarathon am Wochenende ein Ereignis, bei dem er nach eigenem Bekunden „wieder Energie geschöpft hat“. Die Freunde und Wegbegleiter des 54-Jährigen wird diese Nachricht in jedem Fall freuen. Denn bei Bruno Schmidt gehört das Schwinden der Kraft bedingt durch seine Krankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) zum ständigen, lebensbedrohlichen Begleiteter. Dass er dieser Krankheit letztlich erliegen wird, ist jedem, auch ihm selbst, bewusst. Doch positive Erlebnisse wie die beim Kölnmarathon geben ihm und auch anderen Betroffenen Hoffnung für die Zukunft.

Und genau deshalb bleibt Bruno Schmidt aktiv, auch wenn er nicht wie früher selbst die Turnschuhe schnürt, sondern sich von Mitstreitern über die Strecke schieben lassen muss. Um Betroffenen zu helfen und sein Wissen über die Krankheit zu teilen, gründete Bruno Schmidt schließlich vor ein paar Jahren den Verein „ALS – Alle Lieben Schmidt“.

In Köln ging es für Bruno Schmidt und sein Team, bestehend aus Andreas Butz, Johannes Mahlberg, Tim Wagner, Naemi Peselmann, Michael Heiliger und Guido Müller, auf die 42,195 Kilometer lange Strecke. Im Wechsel schoben seine Mitstreiter den Rolli über die Straßen der Domstadt. „Es war Gänsehaut von Anfang bis Ende. Ich saß insgesamt zehn Stunden, also von 7 bis 17 Uhr, im Rolli“, beschreibt der 54-Jährige. Besonders beeindruckt haben ihn die Menschen am Straßenrand, die die Gruppe mit Rolli jubelnd „gefeiert“ und angefeuert hätten, wenn sie vorbei kam. Den ganzen Tag über habe extrem positive Stimmung geherrscht. „Das hat mir sehr viel Kraft gegeben. Auch, wenn die körperliche Kraft unweigerlich schwindet, das Wichtigste ist, dass der Kopf klar bleibt“, weiß Bruno Schmidt.

Auch Andreas Butz, auf dessen Initiative Bruno Schmidt am Marathon teilnahm, freute sich über den Erfolg. Die beiden lernten sich über Andreas Butz‘ Freund Clemens kennen, der ebenfalls an ALS erkrankt war und dem Leiden mittlerweile erlegen ist. Durch die Krankheit seines Freundes begann sich Andreas Butz für ALS-Betroffene einzusetzen und rief das Projekt Runningdays ins Leben. Die Runningdays finden seit April deutschlandweit einmal im Quartal statt. Dabei werden Spendengelder zu Gunsten des Vereins „Alle Lieben Schmidt“ gesammelt, bislang bereits insgesamt 6000 Euro.

Mit dem Laufereignis in Köln ist für Bruno Schmidt und Andreas Butz übrigens noch lange nicht Schluss. Schon jetzt hat sich das Team für den Marathon im nächsten Jahr in Düsseldorf angemeldet. Schließlich gilt auch für Bruno Schmidt: Nach dem Marathon ist vor dem Marathon.

(ini)