Overbacher Kammerchor spielt in der Schlosskapelle: Brücke zwischen Bauwerk und Musikgeschichte

Overbacher Kammerchor spielt in der Schlosskapelle : Brücke zwischen Bauwerk und Musikgeschichte

Hohe Ansprüche stellen Chor und Chorleiter Kerry Jago, wenn sie ihr Repertoire erweitern und das Programm für ihre Konzerte zusammenstellen. In der Schlosskapelle erklangen jetzt geistliche Werke aus drei Jahrhunderten, die, wie der englische Titel „Composing Mortals with Immortal Fire“ schon versprach, durch das unsterbliche Feuer der Musik Zugang zum Unsterblichen finden.

Die Veranstaltung, zu der das Museum Zitadelle beitrug, wurde von Christoph Fischer eröffnet. Bezugnehmend auf den Titel, schlug er die Brücke zwischen Musikgeschichte und der ehrwürdigen Jülicher Schlosskapelle. Musik und Baudenkmale ermöglichen den Zugang zu einem Bild der Vergangenheit, das durch Geschichtsbücher beschrieben, durch Musik und Gebäude aber erlebt wird.

Zwei „Anthems“ von Henry Purcell (1659-1695) stimmten auf den Höhepunkt des Konzertes ein. „Remember not, Lord, our offences“ war ein innig vorgetragenes Gebet, in dem Gott um Vergebung und Gnade angefleht wird. Das flehend bittende „Lord, how long will Thou be angry“ ließ besonders den warmen, vollen Klang der geschulten Chorstimmen erleben.

In Benjamin Brittens (1913-1976) „Hymn to St. Cecilia“ wird die Patronin der Kirchenmusik, die Märtyrerin die hl. Cecilia gepriesen. Der Text des Gedichtes in seinem blumigen, schwelgerischen Stil ist trotz der perfekten und gut verständlichen Aussprache des Chores zum Glück nicht dominant. Der volle Klang der Stimmen ließ die Musik im Mittelpunkt stehen und genießen.

Der Höhepunkt und das Kernstück des Konzertes war die Aufführung des berühmten „Dixit Dominus“ von Georg Friedrich Händel (1685-1759), komponiert von dem erst 21-Jährigen. Der Psalm 110 ist David zugeordnet, gehört zu den Königspsalmen und ist von messianischem Gehalt.

Eine prophetische Zusage verheißt den König Israels, der an der Rechten Gottes über seine Feinde herrschen wird. Somit spielt der Psalm christologisch auch für das Neue Testament eine Rolle und wird oft zitiert. Die dramatischen Szenen wurden in neun Sätzen in der Grundtonart g-moll musikalisch umgesetzt. Dem fünfstimmigen Kammerchor, fünf Solisten und der Capella Sidonia gelang eine perfekte Aufführung. Die Dynamik der Psalmen, die von Kampf, Brutalität, Niederlagen und Sieg berichten, das Ausleben der Gefühle wurde deutlich. Die großen Emotionen wurden von Chor und Solisten mit starken Stimmen dargestellt und die Intentionen der einzelnen Sätze deutlich herausgearbeitet.(Solisten: Soline Guillon, Verena Herff, (Sopran); Ursula Wilden (Alt); Axel Müller-Riedel (Tenor); Johannes Grooß (Bass). Chor, Solisten und Ensemble bildeten mit dem Dirigenten Kerry Jago, der angenehm zurückhaltend, aber mit großer Dynamik die Musiker leitete, eine musikalische Einheit.

Das Ensemble musizierte sehr harmonisch und klangschön, in bestem Zusammenklang mit den Sängern. Nach dem jubelnden Abschlusssatz, dem „Gloria Patri“, nahm auch der Jubel bei den Zuhörern kaum ein Ende, die dieses gehaltvolle, gesanglich und musikalisch hervorragende Konzert mit großem Applaus honorierten.

(hivi)
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